Selbstverteidigung

Frauen setzen sich gegen Gewalt zur Wehr

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Jenna Zulauf (16) und WenDo-Trainerin Petra Berg bei der Übung „Schlag auf die Pratze“. 

BURSCHEID Burscheider Beratungsstelle hatte zum Selbstverteidigungs-Kurs eingeladen. Das stieß auf großes Interesse.

Von Theresa Demski

Sie kennt Gewalt aus dem Alltag. Männer, die Grenzen nicht einhalten. Und Rollen, die ihr aufgedrückt werden. An diesem Samstagnachmittag sitzt die junge Frau mit wachem Blick in der Runde in der Stadtbücherei.

Die Beratungsstelle „Frauenzimmer“ hatte gemeinsam mit der städtischen Gleichstellungsbeauftragten Esther Wargenau-Zeitz zum Selbstverteidigungs-Kurs eingeladen. Viele Frauen haben sich angesprochen gefühlt. Mädchen, die noch zur Schule gehen. Ältere Frauen, die einen ganzen Rucksack an Erfahrungen mitbringen. Gemeinsam mit Trainerin Petra Berg sitzen sie nach ihren ersten Einheiten am Samstag im Kreis.

„Ich habe Gewalt erlebt“, sagt die junge Frau. Dann zögert sie und blickt die anderen Frauen im Kreis an, mit denen sie in den vergangenen Stunden geübt und gesprochen, diskutiert und vorsichtig ausgetestet hat. Sie setzt sich noch etwas gerader auf ihren Stuhl und sagt dann: „Jetzt weiß ich, dass ich stark genug bin. Dass ich es nur auch zeigen muss.“

Petra Berg nickt – und kann eine leise Freude nicht verbergen. Diesen Effekt hat sie sich für die Teilnehmerinnen gewünscht. Die WenDo-Trainerin nimmt sich zwei Tage lang Zeit, um mit den Frauen ab 16 Jahren in den Räumen der Stadtbücherei auf Spurensuche zu gehen – nach ihren eigenen Grenzen, nach Möglichkeiten sie zu zeigen und zu halten.

Es fällt vielen Frauen schwer, Grenzen aufzuzeigen

„Trotz der Emanzipation fällt es vielen Frauen schwer, Grenzen aufzuzeigen und Nein zu sagen“, weiß Petra Berg. Gründe dafür lägen wohl vor allem in der Erziehung. Dabei sei es so wichtig, Grenzen zu definieren. Das gelte vor allem dann, wenn Menschen einem zu nah kämen. „Was zu nah ist, entscheidet jeder selbst“, sagt Petra Berg. Das kann ein Kollege oder ein Bekannter sein, der sich ständig zu nah setzt. Das können Umarmungen und Küsse zur Begrüßung auf Partys sein.

„Aber Grenzen werden auch dort überschritten, wo ich in meinem Job immer für Arbeiten herangezogen werde, die kein anderer machen muss und mit denen ich mich unwohl fühle“, sagt Petra Berg. Auch eine Rollenzuweisung könne eine Grenzverletzung sein. „Als erstes gilt es, das Nein-Gefühl zu erkennen“, ermutigt die Fachfrau die Teilnehmerinnen des Workshops. Dabei soll ihnen WenDo, was übersetzt so viel heißt wie „Der Weg der Frau“ helfen. Was wie eine Kampfsportart klingt, sei vielmehr eine Methode, um eigene Grenzen zu definieren, zu kommunizieren, zu setzen und auch zu halten.

Für viele geht es erstmal darum, sich für dunkle Wege zu rüsten

Das bedarf der Übung. So schreien die Frauen laut und hemmungslos, um ihre eigene Stimme zu finden : Zusammen mit Petra Berg lassen sich die Frauen darauf ein. Ja, für viele gehe es am Anfang vor allem darum, sich für dunkle Wege und übergriffige Männer zu rüsten, sagt Petra Berg. „Aber keiner von uns will in den Kampf“, ergänzt sie, „und deswegen proben wir auch Methoden, um es so weit gar nicht kommen zu lassen.“ Hilfe holen, deutlich den eigenen Willen formulieren und auch verhandeln, können dazu gehören. „Meine Mutter hat mich hier angemeldet“, erzählt eine junge Frau im Stuhlkreis. Und was sie bisher gelernt habe? „Ich darf und muss deutlich sagen, was ich möchte und was nicht“, sagt die junge Frau erhobenen Hauptes. Kein ausweichendes „auch egal“, „ja dann okay“ oder „vielleicht“ mehr, ergänzt sie. Und eine Sitznachbarin ergänzt: „Ich darf auf mein Herz hören.“

BERATUNGSSTELLE FRAUENZIMMER

BERATUNG Die Fachberatungsstelle gegen sexualisierte Gewalt im Rheinisch-Bergischen Kreis bietet Informationen, Beratung und Unterstützung von Frauen und Mädchen zu sexualisierter Gewalt an. Die Frauen bekommen von den Beratern Rat und Hilfe zu verschiedenen Themen. Sie begleiten sie zum Arzt, zur Polizei oder zum Anwalt. Beratungstermine sind vor Ort im gesamten Rheinisch-Bergischen Kreis möglich. Auf Wunsch ist die Beratung auch anonym, das heißt, Sie müssen Ihren Namen nicht nennen.

KONTAKT Telefonisch erreichen Sie die Beratungsstelle unter Tel. (02174) 1047.

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