Forschungsprojekt

Thema: Urbane Produktion im Bergischen Städtedreieck

Verantwortung und Nachhaltigkeit: In der Utopiastadt trafen sich die Teilnehmer des Projektes, um den Abschluss zu feiern.
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Verantwortung und Nachhaltigkeit: In der Utopiastadt trafen sich die Teilnehmer des Projektes, um den Abschluss zu feiern.

Wuppertal. Das Forschungsprojekt „Urbane Produktion im Bergischen Städtedreieck“ ist mit einer Abschlussfeier in Utopiastadt im Mirker Bahnhof zu Ende gegangen.

Von Caroline Büsgen

Das Forschungsprojekt „Urbane Produktion im Bergischen Städtedreieck“, das über einen Zeitraum von zweieinhalb Jahren Visionen für die lokale Herstellung von Produkten und das Angebot örtlicher Dienstleistungen entwickelte, ist mit einer Abschlussfeier in Utopiastadt im Mirker Bahnhof zu Ende gegangen. Keine Stuhlreihen, keine umfangreiche Präsentation, keine salbungsvollen Reden. Ein zwangloses Beieinander von Akteuren und Gästen, Dozenten und Interessierten. Und viel Aufbruchstimmung, Visionen und Zuversicht und Ideale der Ideengeber, Workshop-Teilnehmer und Netzwerker.

Antreten für eine bessere Welt, einen verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen, Nachhaltigkeit und Menschlichkeit – das sind die Ideale der nächsten Generation von Unternehmern, von Kreativen und von Menschen, die sich der Region verpflichten, in der sie leben. Ebenso aber auch der Natur und den Menschen, für die Waren und Dienstleistungen angeboten oder Konsumgüter hergestellt werden, oder denjenigen, die sie herstellen.

Projektleiter Dimitrij Haak: „Heute haben viele Menschen gar keine Beziehung mehr zu den Produkten, die sie benutzen oder benötigen. Anbau, Herstellung und Verarbeitung passieren irgendwo in der Welt. Wir wissen darüber gar nichts mehr, auch nichts von den Arbeitsbedingungen.“ Lange Transportwege, unmenschliche Produktionsbedingungen und Ausbeutung von Mensch und Ressource fasst er mit dem Begriff „Entfremdung“ zusammen.

Mehr als zweieinhalb Jahre forschte eine Gruppe junger Menschen unter Leitung der Politikwissenschaftlerin Maria Behrens zum Thema Urbane Produktion. Behrens ist Leiterin von Transzent, dem Zentrum für Transformationsforschung und Nachhaltigkeit in Wuppertal. Constanze Schmidt, die ebenfalls im Projekt mitgearbeitet hat, erläutert die wissenschaftlichen Aspekte: „Wir haben Analysen durchgeführt, die sich einerseits mit der Wirkung urbaner Produktionsstätten auf das ‚Gute Leben‘ befassen, wie es die OSZE (Organisation für Frieden und Zusammenarbeit in Europa) in zwölf Punkten definiert hat. Ein zweiter Forschungsschwerpunkt lag auf den fördernden oder hemmenden Faktoren, die die urbane Produktion beeinflussen können.“

Disziplinen von Industriedesign bis Umweltpsychologie

Der hohe Abstraktionsgrad sei eine Schwierigkeit gewesen, den Sinn und Inhalt des Forschungsprojektes zu vermitteln, bilanziert Dimitrij Haak. Seine Kollegin Lea Schöning macht die Inhalte des Forschungsprojektes an Beispielen konkret. „Wir haben uns besonders über die sozialen Medien sehr gut vernetzt und Workshops zu verschiedenen Themen lokaler Produktion angeboten, die sehr gut angekommen sind“, erläutert die Absolventin des Studiengangs Public Interest Design. Dimitrij Haak hat Industriedesign studiert, andere Teilnehmer Umweltpsychologie oder Geologie. Die verschiedenen Disziplinen, die am Forschungsprojekt mitgearbeitet haben, das über mehr als zwei Jahre acht Arbeitsplätze finanziert hat, waren das Besondere. Zu den Workshops und Vorträgen waren etablierte Unternehmer UND auch erfolgreiche Start-up-Vertreter eingeladen.

Upcycling von Textilien, die Herstellung von Kosmetika und Reinigungsmitteln, Urban-Farming oder eine Töpferwerkstatt waren nur einige der Teilprojekte, die im Rahmen des Forschungsprojektes entwickelt wurden. Ein umgearbeitetes Brautkleid war einer der Hingucker bei der zwanglosen Abschlussveranstaltung, und dass Corona und Lockdown auch zu guten ‚Nebenprodukten‘ führen kann, skizzierte Lea Schöning: „Wir saßen im Lockdown zuhause, haben uns gefragt, was wir gerne machen würden. Da kam die Idee mit dem Töpfern auf. Im Bekanntenkreis wollten viele gerne töpfern. Wir haben uns für eine Förderung durch das Bürgerbudget beworben, sind aber in der zweiten Runde ausgeschieden“, erklärt sie.

Alle Angebote der Töpferwerkstatt sind ausgebucht

Das habe sie aber nicht davon abgehalten, im Netzwerk weiter nach einem Ladenlokal und einem Brennofen zu suchen, um eine Töpferwerksatt auf die Beine zu stellen. Kommerzialisieren möchte sie die Werkstatt nicht, denn dann müsse man höhere Preise nehmen. Es wurde stattdessen ein Ladenlokal am Ölberg angemietet und ein gebrauchter Brennofen gekauft. Kostendeckend zu arbeiten reiche. Alle Angebote seien ausgebucht, freut sie sich als Ideengeberin für das alte Handwerk Aufbaukeramik.

Projekt

Urban Production ist ein gemeinsames Projekt der Städe Wuppertal, Solingen und Remscheid, das von der Bergischen Struktur- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft koordiniert wurde.

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