Hochwasserschutz

Flut: Sensoren sollen Kohlfurth schützen

Andreas Groß, geschäftsführender Gesellschafter der Berger-Gruppe, erläuterte die Maßnahmen zum Hochwasserschutz in der Kohlfurth.
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Andreas Groß, geschäftsführender Gesellschafter der Berger-Gruppe, erläuterte die Maßnahmen zum Hochwasserschutz in der Kohlfurth.

Wuppertal. Genaue Vorhersagen dank Künstliche Intelligenz. Bürger lassen sich den Stand der Dinge erklären.

Von Caroline Büsgen

Es gießt wie aus Eimern, als die kleine Gruppe in Richtung „Berger Island“ spaziert. Schirme, Regenjacken und Gummistiefel sind die passende Ausrüstung für eine kleine Exkursion – und das Wetter erinnert nur zu gut an die Geschehnisse vom 14. und 15. Juli 2021. Die Teilnehmer machen Halt am neuen Wupperzugang in der Kohlfurth. Ihn hat die Firma Berger im Zuge der Renaturierung nach der Flut anlegen lassen. Nur eines von vielen Projekten, dass die Maschinenfabrik seit dem Jahrhunderthochwasser angestoßen hat. Andreas Groß, geschäftsführender Gesellschafter, berichtete dort auf Einladung des Vereins „Neue Ufer Wuppertal“ über den Stand in Sachen „Hochwasserwarnsysteme“.

Künstliche Intelligenz soll zuverlässige Vorhersagen treffen

Im Juli 2021 war das Kohlfurther Unternehmen selbst stark betroffen, mit einem Schaden von rund drei Millionen Euro sogar existenziell bedroht. Doch die Berger-Gruppe hat die direkten Flut-Folgen überwunden – und mittlerweile viel Wissen, Personal und Geld in die Entwicklung eines Hochwasser-Warnsystems investiert.

Kernpunkt der Technologie ist die Künstliche Intelligenz. Bei der Exkursion berichtet Andreas Groß: „Sie können jetzt schon aktuelle Pegelstände der Wupper über Ihr Handy abrufen“, erläutert er, nachdem er zwei Sensortechnologien am Ufer der Wupper und unter der Kohlfurther Brücke erklärt hatte. Die Anbringung der Sensoren unter den Brücken über die Wupper – beginnend in Beyenburg, endend in Leichlingen – erfolgt mithilfe eines Magnetes. Die Pegelstände werden laufend gemessen und in ein Informationssystem eingespeist. Gleichzeitig messen Lanzen, die am Ufer ins Erdreich ragen, die Feuchtigkeit.

Durch die Verarbeitung der an zahlreichen Messstellen erhobenen Daten, die mithilfe von Künstlicher Intelligenz ausgewertet werden, sollen in etwa zweieinhalb Jahren zuverlässige Vorhersagen darüber möglich sein, wie sich Flutwellen und Pegelstände entwickeln. Und das zentimetergenau: „Während ein ‚normales‘ Hochwasser keinen Schaden anrichtet, können nur zehn Zentimeter mehr zu einer Katastrophe führen. Außerdem sind verschiedene Orte entlang der Wupper sehr unterschiedlich betroffen“, erläutert der Maschinenbauingenieur, der an einem Hochwasserwarnsystem 4.0 arbeitet – in enger Zusammenarbeit mit den Stadtwerken zwischen Wuppertal-Solingen-Remscheid, dem Wupperverband, der Industrie- und Handelskammer und dem Interdisziplinären Zentrum für Machine Learning und Data Analytics an der Uni Wuppertal.

„Unternehmen können ihre Firmensitze ja nicht einfach verlegen, sondern müssen vor Ort Maßnahmen treffen, um die Produktionsstätten zu schützen“, begründet er die zwar kostspielige, aber notwendige Maßnahme in Form mobiler Spundwände, die das Fluten und damit die Vernichtung des Maschinenparks zukünftig verhindern sollen. Denn, da sind sich Andreas Groß und Martin Schwefringhaus, der für die Wasserwirtschaft die Renaturierung an der Wupper plant, sicher: Solche Extremereignisse werden zukünftig häufiger auftreten als bisher.

Teilnehmerin Kornelia Armbruster ist von den Cronenberger Höhen in die Kohlfurth gekommen: „Ich verfolge die Aktivitäten des Vereins schon eine ganze Weile. Ich überlege, mich hier auch zu engagieren“, sagt sie. Elmar Weber ist schon länger dabei Mitglied des Vereins Neue Ufer. „Die Menschen haben im Tal unmittelbar an der Wupper gesiedelt. Die Wupperauen sind auf weiten Teilen bebaut, so dass dem Wasser die Möglichkeit fehlt, sich gefahrlos auszudehnen.“

Allgemeinheit soll von der Technologie profitieren

Ein Appell von Andreas Groß lautete: „Langfristige Planungs- und Genehmigungsverfahren, die Jahrzehnte dauern, können wir uns nicht mehr leisten. Wir müssen handeln und können nur als Region bestehen. Die Wupper ist doch Teil unserer Heimat.“ Kostengünstig umfangreiche Messdaten zu sammeln und auszuwerten, eine geringe Störanfälligkeit und eine leichte Bedienbarkeit – das seien die Vorteile des Hochwasserwarnsystems 4.0 aus Wuppertal. Er habe kein Patent angemeldet. Stattdessen wolle er, dass die Allgemeinheit von dieser Technologie profitiert.

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