Lebensmittelausgabe

Flüchtlinge ziehen im Juli bei der Tafel ein

Peter Vorsteher, Vorsitzender der Tafel, zeigt die Räume, die derzeit für die Flüchtlinge hergerichtet werden.
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Peter Vorsteher, Vorsitzender der Tafel, zeigt die Räume, die derzeit für die Flüchtlinge hergerichtet werden.

Wuppertaler Einrichtung erhöht Preise. Hilfsbedürftige dürfen nur noch alle 14 Tage kommen.

Von Alexandra Dulinski

Wuppertal. Die Schlange ist lang am Kleinen Werth in Oberbarmen. Trubelig geht es in der Lebensmittelausgabe der Tafel zu – und das, obwohl die Tafel ihr Angebot reduziert und die Preise für die Lebensmittelausgabe erhöht hat. Zwei Euro statt wie zuvor einen kostet der Einkauf seit Anfang Juni. Eine notwendige Maßnahme, denn die Tafel muss die gestiegenen Energiekosten selbst tragen, erklärt der Vorsitzende Peter Vorsteher.

Hilfsbedürftige Menschen dürfen zudem nur noch 14-tägig kommen. „Es sind einfach mehr Kunden da“, so Vorsteher. Wurden im März 2021 noch 3100 Haushalte einmal wöchentlich mit Lebensmitteln versorgt, waren es im April 2022 knapp 6700. „Wir mussten die Reißleine ziehen“, so der Vorsitzende. Denn sonst reichen die Lebensmittel nicht für alle.

Viele Wuppertaler wissen noch gar nicht, dass sie selbst wahrscheinlich bald Kunden der Tafel sein werden.

Peter Vorsteher, Tafel-Vorsitzender

Gerade vor dem Hintergrund steigender Energiekosten und Lebensmittelpreise rechnet Peter Vorsteher sogar mit noch mehr Kunden in Zukunft. Vorsteher: „Viele Wuppertaler wissen noch gar nicht, dass sie selbst wahrscheinlich bald Kunden der Tafel sein werden.“ Um keinen Aufnahmestopp wie in anderen Städten verhängen zu müssen, hat sich die Tafel für den 14-tägigen Rhythmus entschieden.

Deutlich mehr Kunden nutzen auch das Mittagsangebot und das Sozialmobil, das das Café Cosa in Elberfeld, das Rathaus Barmen, den Wichlinghauser Markt und den Oberbarmer Bahnhof anfährt.

Saba Jamil und Najela Mohammed haben bei der Ausgabe von Lebensmitteln alle Hände voll zu tun.

Die Not nach Lebensmitteln schlägt sich auch in den Fahrten der Tafel-Mitarbeiter nieder. „Wir fahren mittlerweile bis nach Ennepetal, um Lebensmittel abzuholen“, sagt Vorsteher. Auch hier kann der Vorsitzende Zahlen zum Vergleich liefern: Im Januar seien die Mitarbeiter noch rund 7000 Kilometer gefahren, im Mai waren es 9350. Auch das Benzin müsse bezahlt werden.

Die Tafel-Kunden zeigen aber Verständnis für die notwendige Preiserhöhung. „Wir haben mit einem Ansturm von Schimpfe gerechnet“, berichtet Petra Frese, Leiterin der Lebensmittelausgabe. Der blieb aber aus. „Die Kunden sind einverstanden. Sie wissen, was sie hier bekommen“, sagt sie. Denn für zwei Euro pro Person bekomme man nirgends sonst einen Einkauf. „Andere Tafeln verlangen bereits drei oder vier Euro“, sagt Peter Vorsteher. „Mit zwei Euro sind wir noch immer sehr sozial.“

Olga Hryvas ist sehr dankbar für die Hilfe der Tafel. Sie ist mit ihrer Familie vor dem Krieg in der Ukraine geflüchtet, seit März ist sie in Wuppertal. Die Psychologin kauft für sechs Personen ein. „Wir haben keine leichte Situation, ich habe hier keine Arbeit“, sagt sie. Im Supermarkt sei vieles zu teuer, dort kaufe sie nur das Wichtigste ein. „Hier bei der Tafel bekommen wir fast alles, was wir brauchen. Wir schätzen das alles sehr und wollen herzlich Danke sagen“, so Olga Hryvas. Sie ist eine von mehr als 3100 ukrainischen Flüchtlingen, die die Tafel inzwischen mitversorgt – ein Großteil der Kundschaft.

Im Juli öffnet die Tafel zudem ihre Türen als Notunterkunft für ukrainische Flüchtlinge. Dann werden die beiden oberen Etagen des Gebäudes am Kleinen Werth fertig – zunächst Mitte Juli für rund 100 Flüchtlinge und Ende Juli dann noch einmal für weitere 100. Auf den beiden Etagen wird derweil noch gearbeitet, Sitzschutz und Trennwände sind noch im Aufbau, auch die Duschen sind noch nicht fertig installiert. Anfang Juli sollen die Etagen an den Mieter, die Stadt, übergeben werden, die 640 000 Euro für die Umbaumaßnahmen bereitgestellt hat.

Die Kindertafel wird aber bereits jetzt schon von ukrainischen Kindern gut genutzt. „Sie lernen schon, was ein Apfel und was eine Banane ist“, berichtet Elke Büttner. „Sie fühlen sich wirklich wohl und vertragen sich.“

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