Medizin

Ein Fisch als Therapie-Vorbild

Patientin Annette Hoberg-Neogi und der Chefarzt der Kardiologie im EVK, Christian Meyer. Sie setzen auf eine neue Technik bei Herzkrankheiten. Foto: Andreas Bretz
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Patientin Annette Hoberg-Neogi und der Chefarzt der Kardiologie im EVK, Christian Meyer. Sie setzen auf eine neue Technik bei Herzkrankheiten.

Im Krankenhaus setzen Ärzte bei Herzkrankheiten zwei neue Verfahren ein.

Von Beate Werthschulte

Düsseldorf. Erst seit April leitet Christian Meyer die Kardiologische Klinik des Evangelischen Krankenhauses (EVK) und hat bereits jetzt vieles neu aufgestellt. So setzt der 43-jährige Kardiologe gemeinsam mit seinem Team zwei neue, aufeinander abgestimmte Verfahren ein, um Patienten mit komplexen Herzrhythmusstörungen wie etwa Vorhofflimmern zu behandeln. Da ist zunächst das ultrahochauflösende 3-D-Mapping, eine Methode, mit der es möglich ist, das Herz von innen zu kartographieren – daher stammt der Begriff „mapping“.

„In kurzer Zeit können wir Detailanalysen mit rund 20 000 Signalen des Herzens durchführen.“

Christian Meyer, Kardiologe

Dabei wird über die Leiste ein Katheter mit 64 Elektroden bis zum Herzen vorgeschoben – so lässt sich sehr präzise und hochauflösend die Struktur des Herzens darstellen. „In kurzer Zeit können wir Detailanalysen mit rund 20 000 Signalen des Herzens durchführen“, erklärt Meyer. Darüber hinaus setzt das EVK als eins von nur drei Zentren in Deutschland zur Verödung von Herzrhythmusstörungen einen neuen Katheter, den sogenannten Elektrofischkatheter, ein.

Vorbild hierfür sind die Fähigkeiten des Elektrorüsselfischs, der sich mittels elektrischer Ströme in dunklem Wasser orientieren kann. Ähnlich verhält sich der Elektrofischkatheter und kann so defekte Herzmuskelzellen bei Herzrhythmusstörungen besser finden. Zudem lässt sich grammgenau der Anpressdruck des Katheters auf die Herzwand messen.

Von diesen neuen Verfahren konnte auch Annette Hoberg-Neogi profitieren. Die 55-Jährige hat schon seit mehr als 15 Jahren – damals erlitt sie einen plötzlichen Herzstillstand – einen Defibrillator. Und auch wenn der „Fremdkörper“ sie manchmal stört, kann sie dennoch sehr gut damit leben. Sogar leichte sportliche Aktivitäten wie ihr Hobby, das Tanzen, sind möglich.

„Allerdings hatte ich immer wieder Vorhofflimmern, das mich schon beunruhigte“, erzählt sie.

Bei einer Kontrolluntersuchung im EVK riet man ihr dann zur Behandlung mit dem Elektrofischkatheter. Rund vier Stunden dauerte der unter Schlummernarkose durchgeführte Eingriff, bei dem die Herzrhythmusstörungen verödet wurden. Ein solcher Eingriff, so Meyer, sei eine anspruchsvolle Herausforderung. Annette Hoberg-Neogi ist zufrieden. „Das Flimmern ist längst nicht mehr so massiv, ich kann viel besser Treppen steigen und schlafe auch wieder gut.“

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