Arbeit.Mensch.Utopia

Filmprojekt soll Vielfalt der Arbeitswelten spiegeln

Kim Münster an der Kamera filmt Jennifer und Calinda (3) Cox, Uta Atzpodien und Anne Brüne (v.l.). Foto: Anna Schwartz
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Kim Münster an der Kamera filmt Jennifer und Calinda (3) Cox, Uta Atzpodien und Anne Brüne (v.l.).

Wuppertal. „Arbeit.Mensch.Utopia“ wandert durch die Stadt und lässt unterschiedlichste Menschen zu Wort kommen.

Von Martin Hagemeyer

Planschen und Spaß haben: Das sind wohl die Haupttätigkeiten, an die man bei Schwimmbädern denkt. An Berufen fällt einem der Bademeister ein, Putzpersonal oder Verwaltung schon seltener. Wo steckt Arbeit, was macht sie aus, wann erfüllt sie uns? Solchen Fragen widmete sich das Projekt „Arbeit. Mensch. Utopia“ mit Filmdrehs im Freibad Neuenhof.

Hier erlebe ich Arbeit einmal als etwas, das Menschen ausmacht.

Anne Brüne über das Projekt

Ganz verschiedenen Menschen gehörte für eine halbe Stunde ein professionelles Filmset, damit sie ihre Sicht auf Arbeit schildern konnten. Die Aktion ging hervor aus Plänen zum hier einst anvisierten Opernformat „Sound of the City“; unter anderem in der Oper soll der heute entstehende Film auch gezeigt werden. Kooperiert wird mit der „Mobilen Oase Oberbarmen“ des Kommunikationszentrums Färberei in Oberbarmen.

Und von hier stammte nun im Wortsinn der Dreh- und Angelpunkt des Tages: Gefilmt wurde im Bauwagen der „Oase“, der sonst auf dem Peter-Hansen-Platz vor der Färberei steht. Außen am Wagen hing ein eigens gestaltetes Transparent voller Symbole für verschiedenste Arbeitsformen: Eine Hand hielt dort ein Reagenzglas, eine zweite eine Zange und eine wurde von einer kleinen umklammert – Branchen wie Forschung, Handwerk, Betreuung waren unschwer herauszulesen.

Die technische Leitung hatte Kim Münster, die als Filmemacherin seit Jahren im Tal bekannt ist. Uta Atzpodien ist gleichfalls umtriebige Kulturfrau und nicht zuletzt präsentes Gesicht des „Freien Netzwerks Kultur“. Bislang weniger im öffentlichen Fokus steht Anne Brüne. Als „Beraterin für Unternehmenskultur“ kommt sie aus der Wirtschaft und wollte einmal die Perspektive wechseln: „Seit 16 Jahren schaue ich von Innen, aus dem Tagesbetrieb auf Arbeit. Spannend finde ich bei dem Projekt: Hier erlebe ich Arbeit einmal als etwas, das Menschen ausmacht.“

Im ersten Drehteil gehörte alle Aufmerksamkeit jeweils dem Teilnehmer: Kamera und Mikro laufen, und die Person erzählte. Zuweilen wurde auch wiederholt: Beim ersten Versuch gelang etwas nicht gut genug oder eine Aussage sollte lieber anders formuliert werden.

Ein repräsentatives Spektrum ist den Macherinnen wichtig

Der Aufbau ist erprobt vom Vorgängerprojekt „Mensch. Utopia“, wo man 2016 die Zelte zum Filmen in den Quartieren Wichlinghausen und Arrenberg aufgeschlagen hatte. Der guten Erfahrung damals folgte man nun im „Neuenhof“: Auch hier wurde jeder nach Abschluss seines Sprechbeitrags stumm gefilmt, während er seine frisch entstandene Tonaufnahme aus dem Off hörte. Beim Vorgängerprojekt zeigt ein online verfügbares Video, wie das wirkt: Die eine lauscht mit unbewegten Gesicht, der andere schmunzelt leise oder lässt nachträgliche Zustimmung erkennen.

Ein Panorama heutiger Arbeit sollte im „Neuenhof“ entstehen – in möglichst vielen Facetten. Wie wichtig ein repräsentatives Spektrum den Macherinnen war, zeigte sich auch an der Teilnehmersuche. „Ältere Menschen sind eine Gruppe, die zeitweise wenig vertreten war“, erinnerte sich Kim Münster, „eine weitere Gruppe sind Arbeitgeber.“ Ganz unterschiedliche Arten von Menschen also, die aus der ein oder anderen Warte ihre Sicht auf Arbeitsfragen haben.

Der Samstagvormittag konzentrierte sich auf eigens angemeldeten Teilnehmer, deren Hintergrund jeweils gefragte Bezüge abdeckte. Nachmittags freute man sich auch auf Arbeitsexperten der eher zufälligen Sorte – mit dem Handtuch unterm Arm.

Akteure der „Oase“ fanden sich am Drehtag auch mitten im Freibadtreiben. Fotografen auf dem Areal richteten ihr Objektiv natürlich nicht voyeurshaft auf unbeteiligte Badegäste, sondern auf ganz besondere Besucher: So traf man auf eine fein gekleidete Frau, gehüllt in roter Bluse und schwarzem Kleid. Das Besondere: Sie sang – in heiterem Opernton und vom Trubel am Beckenrand sichtlich unbeeindruckt. Die Aufnahmen flossen mit in den Film ein, um das Umfeld des Drehs etwas anders zu beleuchten.

Hauptsache aber waren die Filmarbeiten. Eine der angemeldeten Teilnehmerinnen ist die Schülerin Baraa, die Uta Atzpodien von einer Schul-AG im Dörpfeld-Gymnasium kennt. Bevor es an die Aufnahme ging, folgte zunächst ein Vorgespräch, zu dem man einfach auf der Liegewiese Platz nahm, und Atzpodien gab plaudernd ein paar Denkanregungen.

Dann war es so weit: Das Mädchen nahm im Bauwagen Platz, Brüne postierte ihr gegenüber, Münster aktivierte die Kamera – Film ab. Zum Thema Arbeit wählte sie den Vergleich mit ihrem Geburtsland: „In Deutschland gibt es auf dem Arbeitsmarkt, so viele Möglichkeiten. In Syrien gibt es das so nicht.“

Für Uta Atzpodien steht die Performance auf dem Gelände für einen wichtigen äußeren Zugang zum Thema, während die Dreharbeiten auf Inneres zielten. Besonders wenn die Teilnehmer ihre eigenen Aussagen hören und dabei noch einmal reflektieren können: „Nur wenn wir innehalten, können wir uns auch weiter entwickeln.“ Der Tag soll Kreise ziehen und zur Vernetzung beitragen. Zum filmischen Ertrag von „Mensch. Utopia“ gab es ihr zufolge schon interessierte Anfragen.

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