Historische Zugverbindung

Film erinnert an den Balkan-Express

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Der letzte Halt des Balkan-Expresses am Tenter Bahnhof im Juni 1983. In einem Film von Christa Adams lebt die Erinnerung an die Bahnstrecke wieder auf. Bei der Senioren-Union in Burscheid wurde er 70-minütige Streifen vorgeführt. 

BURSCHEID In Burscheid zeigte Christa Adamas ihr Werk über die historische Zugverbindung.

Von Ursula Hellmann

„Weißt du noch, wie’s damals war?“ Was in den Erinnerungen bei den meisten Gästen bereits verblasst war, erschien auf der Filmleinwand noch einmal in den prächtigsten Farben und mit Originalgeräuschen. Für das „Stadtgespräch“ der Burscheider CDU-Senioren-Union hatte Heinz Wilgenbusch ein besonderes „Bonbon“ anzubieten. Hobbyfilmerin Christa Adams zeigte zum ersten Mal ihren Film über den Balkan-Express. Über dem konzentrierten Betrachten dieser nostalgischen Aufnahmen wurde selbst mancher Kaffee auf den Tischen kalt. 70 Minuten lang erwachte die bergische Kleinbahn zu neuem Leben mit all ihrer technischen Entwicklung und ihrer Bedeutung für den Schienen-Nahverkehr zwischen Remscheid und Opladen.

Christa Adams und ihrem Familienteam ist es gelungen, in jahrelanger Recherche die Geschichte dieser Bahnlinie zu einem hoch-interessanten Dokument in Bild und Ton zusammen zu stellen. Viele Fachbegriffe und Fakten konnten Adams aus einem Buch des Eisenbahnhistorikers Kurt Kaiß (Leichlingen) entnehmen. Nicht eine Minute kam den Betrachtern des Films langatmig vor. Bildschnitt und Sequenzenmischung begeisterten auch einen anwesenden Filmexperten.

Bereits 1851 gab es Bahnstrecke von Lennep bis Burscheid

Wie begann der „Balkan-Express“ seine Existenz? Christa Adams würzte ihre Moderation während der Bildfolgen mit vielen historischen Einzelheiten, die selbst gebürtigen Burscheidern bisher unbekannt waren. Während der Zug seinen Weg durch die grünen Wege zwischen den Ortschaften nahm und die Gäste im „Korfu“ die Ansichten der bergischen Landschaft genießen konnten, erklärte die Autorin: „Bereits 1851 gab es eine Bahnstrecke von Remscheid-Lennep bis Burscheid. Sie wurde 1881 erweitert bis Opladen. Mein Großvater war damals als Streckenwärter eingesetzt und meine Großmutter als Schrankenwärterin. Daher erklärt sich ein Stück meiner eigenen Liebe zu diesem Transportweg.“

Heute sind auf der Balkantrasse vor allem Radfahrer unterwegs, wie hier in Wermelskirchen-Neuenhaus. 

Einen ebenfalls emotionalen Bezug verriet Jürgen Falldohr der aus Bergisch-Neukirchen nach Burscheid gekommen war: „Als Jugendliche saßen wir gerne im Viehwaggon. Das war Romantik pur, wenn auch weibliche Fahrgäste mitfuhren. Oft zwängten wir uns zwischen die transportierten Schafe. Einmal standen sogar Elefanten auf den Güterwagen und wurden in der Nähe eines Zirkuszeltes abgeladen. Daher sprachen wir meist von unserem ‚Balkan-Express’. War uns der letzte Zug weggefahren, ging es hier und da auch zu Fuß über die Gleise nach Hause.“ Seine Deutung war jedenfalls farbiger, als die Vermutung, ein spöttischer Rheinländer hätte den kleinen Zug in Richtung Osten so betitelt. Ein paar besondere Souvenirs konnte Josef Schraudner zeigen. Er erstand im Januar 1972 eine seiner Monats-Fahrkarten, ausgestellt von Elisabeth Goeke, für 49 D-Mark. Für die gleiche Strecke musste er zwei Monate später bereits 53 D-Mark bezahlen! Wie bequem die Fahrgäste damals abseits der heutigen B 51 zu ihren Arbeitsstellen kamen, bewiesen die Aufnahmen der einzelnen Haltestellen des Balkan Expresses, darunter „Grund“, „Pattscheid“, „Burscheid Rathaus“ und so weiter. Von 1900 bis 1965 konnte auch bei „Kuckenberg“ eingestiegen werden; Fahrkarten verkaufte der damalige Wirt. Für größere Feste und Ausflugsreisen wurden auch Sonderzüge eingesetzt. Seit 1951 fuhren zusätzliche Züge, die -Roter Bomber- oder -Brummer- betitelt wurde. Durch sie gab es weitere Haltepunkte auf der Strecke des Balkan-Expresses.

Bereits 1897 gingen die Betreiber einen Verbund mit den Solinger und Remscheider Betrieben ein, deren Züge auch die Müngstener Brücke überquerten. Im ersten Weltkrieg waren kaum Schäden zu beklagen, der zweite Weltkrieg brachte es leider mit sich, dass die Gleise nur noch einspurig verlegt wurden.

Bei der letzten Fahrt wurde zweimal die Notbremse gezogen

Natürlich nutzten auch Generationen von Schülern den Balkan-Express, bis die parallelen großen Streckennetze die Fahrgäste anzogen. Die ersten Streichungen im Fahrplan betrafen die Wochenenden. So standen schon seit 1976 Pläne im Raum, diese Ortsbahn zu schließen oder nur noch als Güterstrecke zu nutzen. Bis 1991 tuckerte der Balken-Express aber noch seine gewohnten 13,5 Kilometer ab in exakt 21 Minuten. Der Videofilm von Christel Adams enthält auch Aufnahmen eines Bahnliebhabers aus Wermelskirchen sowie den Bildbeweis, dass der Express in einer berühmten Kino-Spielfilmszene eine wichtige Rolle hatte.

TERMIN

SENIOREN-UNION Das nächste Stadtgespräch der Burscheider Senioren-Union findet in der Hilgener Tennishalle statt. Thema der Veranstaltung sind dann Informationen der Verbraucherzentrale. Der Termin ist Mittwoch, 16. Januar, ab 17 Uhr.

Zu den Lokomotivführern gehörte einmal auch Friedrich Goetze. Die Technik inspirierte ihn zu seiner Erfindung von Kolbendichtungen. Spektakulär war die letzte Fahrt des betagten Zuges am 31. Mai 1991. Die Abschiedsstimmung wurde ein wenig gemildert, weil Christel Adams und ihr Ehemann an dem gleichen Datum einen ihrer Hochzeitstage feierten. Um der vielen Gäste und Mitreisenden willen verlängerte sich der Express bis auf drei Triebwagen. Vorne blumengeschmückt, erklang im Innern bis weit in die Gegend hinein Gitarrenmusik und Gesang. Das alte Lied von der schwäb’schen Eisenbahn hatte durch Christel Adams eine Reihe spezieller Strophen bekommen. Während dieser letzten Fahrt des „Balkan-Express“ auf sein Abstellgleis schaute niemand mehr nach pünktlicher Weiterfahrt. Zweimal zogen kurz vor Opladen Fahrgäste die Notbremse, konnten aber dadurch nur ein paar Minuten Zeit schinden.

Alter Bahnhof in Burscheid bekam neues Leben

Gezeigt hat Familie Adams ihren historisch wertvollen Film anfangs nur im privaten Raum. Durch die Mitgliedschaft in zwei Geschichtsvereinen wurde er einem breiteren Kreis bekannt. Im Herbst 1996 mussten dann die Schwellen und Schienen endgültig dran glauben.

Das Unterholz und die wilden Gräser übernahmen die Flächen. Manches Stellwerk wurde zum Wohnhaus, der alte Bahnhof Burscheid bekam neues Leben in historischem Flair.

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