Einsatz

Familienstreit: Mann verstirbt nach Schuss aus Polizeiwaffe

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Die Kriminaltechnische Untersuchung (KTU) kam noch in der Nacht zur Blumenstraße.

SOLINGEN Die Polizei ist am Donnerstagabend wegen eines Familienstreits zur Blumenstraße in Solingen gerufen worden.

Von Verena Willing, Philipp Müller

Ein 46-jähriger Familienvater ist am Donnerstagabend in seiner Wohnung von einem Polizisten durch einen Schuss tödlich verletzt worden. Die Polizei war wegen eines Familienstreits zu einem Mehrfamilienhaus an der Blumenstraße gerufen worden. Der Mann kam ins Klinikum, wo er den Folgen der Schussverletzung am Abend erlag.

Die Staatsanwaltschaft Wuppertal hat die Ermittlungen aufgenommen. Zu klären sind die Umstände des Streits, wie es zum Schusswaffengebrauch kam und ob dieser gerechtfertigt war. Dazu wurden bereits am Tatabend Polizisten aus Hagen eingesetzt. Der 24-jährige Polizist und die Familienmitglieder erhielten umgehend Hilfe durch Notfallseelsorger.

Polizei wollte Streit in einer Familie schlichten

Wie Polizei und Staatsanwaltschaft am Freitag in einer gemeinsamen Erklärung mitteilten, war es am Donnerstagabend gegen 20.40 Uhr zwischen dem 46-jährigen Familienvater und dessen Frau zu Streitigkeiten gekommen. Daraufhin rückte eine Streifenwagenbesatzung zur Blumenstraße aus. Die Polizisten versuchten zunächst, beruhigend auf das Paar einzuwirken. Kurzfristig entspannte sich die Situation in der Wohnung auch. Doch plötzlich habe der 46-Jährige ein Messer gezückt und die Beamten massiv bedroht, teilen die Behörden mit. Daraufhin setzte einer der Polizisten seine Dienstwaffe ein und schoss auf den Mann. Der 46-Jährige wurde durch den Schuss schwer verletzt. Rettungskräfte und ein Notarzt kümmerten sich sofort um ihn. Er starb jedoch wenig später im Krankenhaus. Am Freitag sollte der Leichnam obduziert werden. Dabei sollte auch geklärt werden, ob bei dem 46-jährigen Familienvater womöglich Alkohol im Spiel war.

Die Polizei aus Hagen wurde in die Ermittlungen eingebunden

In der Wohnung sollen sich auch die zwei Kinder des Paares aufgehalten haben. Ob sie etwas von dem Streit und dem tödlichen Schuss mitbekommen, oder sich womöglich im selben Raum aufgehalten haben, ist Gegenstand der Ermittlungen. Auch zum Alter der Kinder wollte sich die Polizei nicht äußern. Fest steht: Der Familienvater war laut Staatsanwaltschaft bislang nicht vorbestraft. Die Familie sei in der Vergangenheit auch nicht aufgefallen – einen Polizeieinsatz wegen Streitigkeiten habe es bislang nicht gegeben.

SCHUSSWAFFENGEBRAUCH DURCH POLIZISTEN

RECHT Paragraf 64 des Polizeigesetzes für das Land NRW regelt den „Schusswaffengebrauch gegen Personen“. Danach dürfen die Beamten ihre Dienstwaffe gebrauchen, „um eine gegenwärtige Gefahr für Leib oder Leben abzuwehren“. Außerdem dürfen Personen aufgehalten werden, wenn sie sich durch Flucht der Festnahme entziehen wollen. Dabei darf der Beamte die entsprechende Person kampf- oder fluchtunfähig schießen. Bei Fliehenden gilt ein Schuss auf die Beine als angemessen. Der Schuss auf den Körper ist zulässig, wenn der Beamte den Schuss abgibt, um einen Angriff auf sich selbst in Notwehr abzuwehren.

Noch am Abend rückten immer mehr Streifenwagen zur Blumenstraße aus. Die Polizei Hagen übernahm die Ermittlungen in Solingen, um die Objektivität bei der Aufklärung des Tatablaufs zu gewährleisten. Die Beamten müssen zusammen mit der Staatsanwaltschaft klären, ob der Gebrauch der Dienstwaffe (siehe Kasten) gerechtfertigt war – ein normaler Vorgang in einem solchen Fall. Noch in der Nacht begannen die Ermittlungen. Unter anderem waren die Kriminalpolizei sowie Experten der Kriminaltechnischen Untersuchung (KTU) an der Blumenstraße, um Spuren zu sichern. Der Einsatz wurde erst am frühen Freitagmorgen beendet. Nach knapp 14 Monaten ist dies der zweite Fall, der das Wuppertaler Polizeipräsidium beschäftigt, weil ein Beamter im Einsatz jemanden tödlich verletzt hat. In Wuppertal war es im Januar 2018 bei der Verhaftung eines Mitglieds einer Rockergang auch zum Einsatz einer Schusswaffe durch einen Beamten eines Spezialeinsatzkommandos (SEK) gekommen. Die Staatsanwaltschaft Wuppertal stellte später die Ermittlungen gegen den Polizisten ein. Der SEK-Beamte hatte bei dem Einsatz irrtümlich angenommen, es werde auf ihn geschossen.

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