Hilfsbereitschaft

Familien in der Kohlfurth sagen Danke

Die Cronenberger Bezirksbürgermeisterin Miriam Scherff übergibt Heike Hartwich und den anderen Helfern T-Shirts als Dankeschön.
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Die Cronenberger Bezirksbürgermeisterin Miriam Scherff übergibt Heike Hartwich und den anderen Helfern T-Shirts als Dankeschön.

Wuppertal. Fluthelfer waren eingeladen. Die Bewohner sind weiterhin tief beeindruckt.

Von Caroline Büsgen

Von der Terrasse aus hat man einen Blick in den wunderbaren Garten. Rasen, Rosen, Stauden. Der Blick wandert zur Grundstücksgrenze, hinter der Kirschlorbeerhecke plätschert die Wupper gemächlich dahin. Wenig erinnert hier in der Idylle an der Kohlfurther Brücke noch an die Verwüstungen im Juli vergangenen Jahres.

Wer genau hinschaut, entdeckt Aluminiumrahmen an der Terrassentür und Alu-Abdeckungen auf den Lichtschächten zum Kellergeschoss. Recht unscheinbar ist die Konstruktion, die Edith Pawelczyk hat montieren lassen. Ein Schutzwall gegen die Angst, sozusagen: „Bei jedem heftigen Regen habe ich Sorge, dass so etwas Schlimmes noch einmal passiert. Die Wupper war in der Vergangenheit immer mal hoch, ist aber in ihrem Bett geblieben“, erinnert sich die 78-Jährige.

Und sie hat glatt den Humor und die positive Denkweise, das Positive der Hochwasserkatastrophe zu sehen: „Das Wasser der Wupper und der Schlamm, der zurückgeblieben ist, scheinen ein hervorragender Dünger zu sein. Noch nie waren meine Rosen und Stauden so prächtig!“ Überhaupt ist Edith Pawelczyk der Humor nicht abhanden gekommen: „Mein Sparbuch ist jetzt sehr, sehr schlank!“ Gern leistet man sich vom Ersparten vielleicht etwas Schönes, sie hat mehr als 20 000 Euro in die Hochwasser-Abwehrmaßnahme gesteckt. Spundwände und Spundplatten hat sie montieren lassen, als Prävention. In der Nacht auf den 15. Juli vergangenen Jahres hat das gesamte Untergeschoss bis zur Decke unter Wasser gestanden, Möbel, Hausrat, Heizung und Elektrik waren „abgesoffen“, so die Kohlfurtherin. Gerade ist Edith Pawelczyk etwas aufgeregt. Drei Kuchen habe sie gebacken, das sei ja wohl das Mindeste. Sie freut sich darauf, der engagierten Truppe von „Helfende Hand“ einmal Danke zu sagen für den selbstlosen Einsatz bei der Hochwasserkatastrophe. Tagelang ohne Strom, bei Teelicht-Schein und ohne Telefon. Da kam die Aktion von Heike Hartwich wie ein Wunder: „Junge Leute, Handballer, waren hier, haben geschuftet, eine Frau ist siebenmal mit ihrem Auto gefahren, um das ganze Schwämmgut vom Grundstück zu räumen.“

„Es war wie ein Wunder!“

Edith Pawelczyk über die Hilfsbereitschaft

Jetzt hatte Initiatorin Heike Hartwich eine kleine Danke-Tour organisiert, denn vielen Familien in der Kohlfurth war es ein großes Bedürfnis, sich bei den Mitgliedern der Gruppe „Helfende Hand“ zu bedanken. Noch zeugen der abgeschlagene Putz, durch riesige Balken abgestützte Wände oder mit Folie abgehängte Fassaden von den riesigen Schäden, die das Hochwasser hinterlassen hat, und die immer noch nicht gänzlich behoben sind. Edith Pawelczyk faltet im Gespräch die Hände, versunken in Erinnerungen: „Es war wie ein Wunder!“ Die Hilfsbereitschaft aller, aber auch besonders junger Menschen hat sie tief beeindruckt. „Jetzt verzichten wir halt mal aufs Handballspielen“, hätten die Jugendlichen zu ihr gesagt und angepackt.

Die Ideengeberin der hilfsbereiten Einsatztruppe, Heike Hartwich, war selbst überrascht über die spontane Hilfsbereitschaft, die ihr signalisiert wurde, als sie im Sozialen Netzwerk Facebook einen Aufruf startete. Eher zufällig ist sie in der Kohlfurth gewesen, weil sie dort einen Bautrockner hingebracht hat, den ihre Familie übrig hatte. „Auf den ersten Blick sah alles gar nicht so schlimm aus. Dann wurde ich nach und nach in Häuser hineingebeten und war entsetzt über das Chaos und die Schäden, die das Hochwasser angerichtet hatte.“ Vor dem Hintergrund eigener Erfahrungen in einer Notsituation wusste sie, was jetzt wirklich hilft, und organisierte ein Treffen der Betroffenen. „Ich habe Wunschzettel schreiben lassen, denn viele Hilfsangebote sind zwar gut gemeint, gehen aber an den individuellen Bedürfnissen von Menschen in Notlagen vorbei. Den Kohlfurthern hatte man Mengen an Kleidung angeboten, aber gebraucht haben die Menschen was anderes. Werkzeug, Bau- und Verbrauchsmaterialien, Maschinen“, beschreibt Hartwich ihre Vorgehensweise.

„Helfende Hand“: T-Shirts ehren die ehrenamtlichen Helfer

Die Bedürfnisse hat sie in einer Facebook-Gruppe veröffentlicht, und dann haben sich Menschen gemeldet, die helfen konnten und wollten. Ohne lange zu zögern ging es in die Kohlfurth.

Alle Familien zeigten sich jetzt auf ihre Weise erkenntlich, mit Kaffee, Kuchen, Imbiss. Aber die Dankbarkeit für das Erleben von Menschlichkeit, Solidarität und unbürokratischer Unterstützung war wohl der schönste Lohn für die Helfenden. Die gemeinsame Hilfsbereitschaft wurde durch den Aufdruck „Helfende Hand“ sichtbar, der auf T-Shirts gedruckt war, die die Helferinnen und Helfer vormittags schon bei einem gemeinsamen Frühstück von Bezirksbürgermeisterin Miriam Scherff erhielten. Die eng getaktete Besuchsrunde – alle betroffenen Familien hatten sich etwas Nettes einfallen lassen – klang abends mit einem gemeinsamen Abendessen für die Helfenden aus – und die Zeche zahlte die Diakonie.

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