Falsches Füttern grenzt an Tierquälerei

Damwildgehege im Wuppertaler Nordpark

Von Friedemann Bräuer

Wuppertal Gut sichtbar steht es an einem Baum vor dem Damwildgehege im Barmer Nordpark geschrieben: „Bitte nicht füttern“. Darauf hört aber nicht jeder. „Dieses Schild würde ich am liebsten in zehn Sprachen aufhängen, obwohl ich finde, dass es schon genug Schilder überall gibt“, sagt Klaus Schlüter, der im Nordstädter Bürgerverein zusammen mit seinem Kollegen Jochen Mäueler ehrenamtlich für das 16-köpfige Rudel verantwortlich ist.

Viel von der Arbeit der beiden Senioren wäre überflüssig, wenn sich die Besucher des Naherholungsgebietes an einige Regeln halten würden. Eine davon ist, die 16 Tiere nicht zu füttern. „Für Kinder ist es ja sicher schön, wenn das Wild an den Zaun kommt und das, was ihm da durch das Gitter gereicht wird, begierig frisst“, sagt Peter Ehm, stellvertretender Vorsitzender des Nordstädter Bürgervereins. „Aber was den Tieren da angeboten wird, grenzt oft schon an Tierquälerei“, so Mäueler.

Und Schlüter geht ins Detail: „Küchenabfälle, Möhren und vor allem alle möglichen Sorten Brot. Das kann vom Magen des Damwildes nicht verarbeitet werden und könnte im Extremfall sogar dazu führen, dass die Tiere bei vollem Magen verhungern.“ Aber auch Äpfel und Möhren haben es in sich. „Davon zu viel führt zu Durchfall“, weiß Experte Schlüter. Von den Sträuchern rund ums Gehege würden auch oft Zweige abgerissen und den Tieren zu fressen gegeben. Das könne zu einer echten Gefahr für die Tiere werden.

Die Vertreter des Nordstädter Bürgervereins sind überzeugt, dass viele Fütterungen aus Unwissenheit erfolgen. „Wir werden dazu noch ein paar Informationstafeln aufstellen und hoffen, dass sie auch gelesen und verstanden werden – und vor allem, dass danach gehandelt wird.“

Futterautomaten wurden abgebaut – die Tiere sind einfach zu dick

Aber ebenso wichtig ist die Ansprache vor Ort. „Das geschieht täglich, und es gibt viele Besucher, die das beherzigen, aber auch einige, die völlig uneinsichtig sind und denken, sie wären Tierfreunde. Da kann man schon manchmal verzweifeln“, zeigt sich Schlüter genervt.

Ursprünglich waren im Nordpark auch Futterautomaten aufgestellt, damit die Tiere geeignetes Futter zu fressen bekommen. „Die haben wir wieder abgebaut, denn unsere Tiere sind einfach zu dick“, erklärt Klaus Schlüter. Peter Ehm warnt: „Es gibt schon Naherholungsgebiete, die in solchen Fällen die Wildrudel einfach aufgegeben haben.“ Das würden auch die eifrigen Fütterer wohl nicht wollen.

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