Reisekosten

„Es geht nicht ums Geld, es geht um die Moral“

Jens-Uwe Baum und Frau Sabine konnten die Kreuzfahrt nicht antreten, weil bei ihm kurzfristig ein Hirntumor entfernt werden musste. Von der OP hat er aktuell noch ein blaues Auge.
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Jens-Uwe Baum und Frau Sabine konnten die Kreuzfahrt nicht antreten, weil bei ihm kurzfristig ein Hirntumor entfernt werden musste. Von der OP hat er aktuell noch ein blaues Auge.

Jens-Uwe Baum musste wegen einer Krebserkrankung eine geplante Kreuzfahrt absagen – der Veranstalter erstattet nur Bruchteil.

Von Günter Hiege

Wuppertal. Wie lange Jens-Uwe Baum noch zu leben hat, kann ihm niemand sagen. Die Prognose ist nicht gut, seit im September 2021 bei ihm die Diagnose Krebs gestellt worden ist. Speiseröhre, Magen und Leber sind befallen. „Unheilbar“, heißt es. Mit Chemotherapie versucht der 58-Jährige, der in der Wuppertaler Sportszene als Fußballschiedsrichter und Ringrichter im Boxen sehr bekannt ist, die Krankheit einzudämmen, die Zeit, die ihm noch bleibt, so lebenswert wie möglich zu gestalten. Im Oktober 2021 hat er seine Sabine geheiratet, mit der er seit Jahren zusammenlebt. Auch, um sie abzusichern. Mit ihr unternimmt er Reisen, sie wollen das Leben noch gemeinsam genießen, so gut es geht.

Eine Reiserücktrittsversicherung konnte nicht abgeschlossen werden

Dazu sollte Anfang Dezember auch eine Flusskreuzfahrt auf der Donau von Linz nach Budapest gehören. Doch der Krebs funkte dazwischen, und nun liegt Jens-Uwe Baum im Streit mit Veranstalter A-Rosa, der dem Ehepaar nur 20 Prozent des Reisepreises zurückerstattet hat, dabei auf seine Allgemeinen Geschäftsbedingungen bei einer kurzfristigen Absage der Reise und ohne Reiserücktrittsversicherung verweist. Die entsprechenden rund 280 Euro sind inzwischen auf Baums Konto, doch er will das nicht auf sich beruhen lassen. „Es geht mir dabei nicht ums Geld, es geht mir um die Moral“, sagt er.

Was ihn und seine Frau Sabine so sehr empört: Eine Reiserücktrittsversicherung konnte er bei seiner gesundheitlichen Prognose gar nicht abschließen. Und ihre kurzfristige Reiseabsage hatte einen für ihn akut lebensbedrohlichen Grund. Doch von vorn: „Als Hochzeitsreise hatten Sabine und ich eine Kreuzfahrt auf dem Rhein gemacht. Das hat uns so gut gefallen, dass wir auf die Reise auf der Donau gekommen sind und sie für den 3. bis 7. Dezember gebucht haben“, erzählt Baum. Zuvor waren beide auf La Palma und dort erlitt er am Ende November einen epileptischen Anfall. Die Diagnose noch vor Ort wies auf einen Hirntumor hin, eine Metastase, die sich gebildet hatte. Nun musste alles sehr schnell gehen. 22. November Rückflug nach Deutschland, 23. November Bestätigung der Diagnose im Uni-Klinikum in Essen mit der Maßgabe, so schnell wie möglich zu operieren. Am 24. November sagte das Paar daraufhin die Donaureise ab. Jetzt der wichtigste Teil. Die Operation am 2. Dezember in Essen ist erfolgreich verlaufen. Bis auf einen Bluterguss unter dem Auge hat Baum keine erkennbaren Beeinträchtigungen davongetragen.

Eine Übertragung der Reise wäre möglich gewesen

Doch die Angelegenheit mit A-Rosa will er nicht auf sich beruhen lassen. „Ich wäre ja bereit gewesen, mich auf 50 Prozent Erstattung einzulassen. Wir haben auch angeboten, die Reise stattdessen Ende Dezember zu machen, doch dort ist man nicht darauf eingegangen.“ Die Antwort, die er von der in Rostock ansässigen A-Rosa Flussschiffahrt GmbH bekommen hat, ist freundlich, aber in der Sache unerbittlich. „Zunächst einmal freuen wir uns sehr, dass Herr Baum die Operation gut überstanden hat, und wünschen ihm schnelle Genesung“, schreibt A-Rosa-Pressesprecherin Annika Schmied und verweist dann auf die Reisebedingungen: „Eine Umbuchung ist bei uns im Tarif „Premium alles inklusive“ bis 30 Tage vor Reiseantritt möglich, was eine sehr großzügige Regelung ist. Danach ist es immer noch möglich, die Reise auf eine andere Person zu übertragen, was unser Service-Center auch angeboten hatte.“ Grundsätzlich empfehle man den Abschluss einer Reiserücktrittsversicherung.

Auf die nochmalige Anmerkung, dass für Jens Uwe-Baum eine solche Möglichkeit nicht bestanden habe, antwortete Annika Schmied wieder schnell, aber ebenso bedauernd: „Vielen Dank für Ihre persönliche Anmerkung, die ich natürlich gut verstehen kann. Wir fühlen sehr mit Familie Baum mit, wünschen ihnen alles Gute und hoffen, dass sie noch viele gemeinsame Reisen miteinander erleben können.“

Für Jens Uwe-Baum klingt insbesondere die Formulierung „großzügige Regelung“ makaber.

Zur Person

Jens-Uwe Baum ist 58 Jahre alt und selbstständiger Sanierer. Sein Leben lang war er sportlich, engagierte sich seit 2007 als Schiedsrichter im Fußballkreis Wuppertal-Niederberg. 2017 wurde er nach dem Tod von Burkhard Wegmann Kreis-Fußball-Obmann. Er führt seine Tätigkeit auch nach Bekanntwerden seiner Krebserkrankung fort. Seit zehn Jahren agiert Baum als Box-Ringrichter. Letztmalig bei der Nacht der Löwen im März in der Uni-Halle. Dort gab er in einer bewegenden Rede seinen Abschied aus dem Ring bekannt.

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