Personalnot

Erziehermangel lässt den Kita-Ausbau stocken

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WUPPERTAL In Wuppertal sind derzeit 55 Stellen in Kindergärten nicht besetzt, weil sich kein Personal findet.

Von Daniel Neukirchen

Der laufende Kita-Ausbau in Wuppertal wird der Stadt für die nächsten Jahre dutzende Neueröffnungen bescheren. Doch im Wettrennen mit dem wachsenden Bedarf steht die Verwaltung inzwischen vor einer weiteren Hürde: Es gibt nicht genügend Erzieher auf dem Arbeitsmarkt. Von 720 Vollzeitstellen, die im Stadtgebiet zu besetzen sind, liegt die Abdeckung derzeit lediglich bei 665, so Stadtbetriebsleiter Michael Neumann. Und der Bedarf steigt und steigt. Bereits im Winter sollen an der Hatzfelder Straße sechs neue Kinder-Gruppen an den Start gehen, im Sommer 2019 vier Gruppen im Neubau an der Ahrstraße im Elberfelder Süden. „Dann fehlen uns wieder 25 neue Leute“, sagt Michael Neumann.

Dass der Erzieher-Mangel den Ausbau des Kita-Angebots aktiv bremst, lässt sich in den jüngsten Einrichtungen an der Kleestraße in Oberbarmen, der Rudolfstraße in Unterbarmen und der Staubenthaler Straße in Ronsdorf beobachten. Die Häuser, deren Bau insgesamt mehr als zehn Millionen Euro gekostet hat, bieten eigentlich jeweils Platz für sechs Gruppen, verfügen im aktuellen Kita-Jahr aber nur über zwei Gruppen. „Das hat teils pädagogische Gründe, liegt aber auch daran, dass wir keine Erzieher finden“, sagt Sozialdezernent Stefan Kühn. Er bestätigt: „Der Ausbau geht dadurch langsamer voran als er eigentlich gehen könnte.“

Fluktuation der Stellen ist in Wuppertal besonders hoch

Die Fluktuation der Stellen ist in Wuppertal besonders hoch. In diesem Jahr verzeichnete die Stadt zwar 60 Neueinstellungen – läuft der Vollbesetzung aber trotzdem hoffnungslos hinterher. „Wir führen jede Woche Bewerbungsgespräche“, sagt Michael Neumann. Die größte Konkurrenz, so Stefan Kühn, sind nicht etwa die anderen Kita-Träger, sondern andere Berufe. Besonders unattraktiv am Erzieherberuf ist die schulische Ausbildung. Die Anwärter müssen drei Jahre ohne Bezahlung die Schulbank drücken. Da bleibt vielen nur die Bafög-Finanzierung, die mit einer entsprechenden Verschuldung verbunden ist. 

„Ungewöhnliche Methoden“ bei der Erziehersuche

NEUBAU

Die Stadt bietet derzeit 9633 Kindern einen Kita-Platz – was nicht ausreicht. Zahlreiche weitere Neubau-Projekte stecken daher in der Pipeline. Unter anderem an der Bromberger Straße, wo noch in diesem Jahr die Bagger rollen sollen, an der Baumstraße, wo ab kommendem Frühjahr gebaut werden soll, an der Dahler Straße, wo spätestens im Spätsommer 2019 ein Ersatzbau entsteht und an der Grafenstraße, wo für 2020 ein Bau anvisiert ist.

Relativ neu ist die duale Ausbildung, bei der die Azubis eine Vergütung erhalten. Doch die praxisintegrierte Erzieherausbildung (PIA) war in diesem Jahr trotz rechtlicher Grundlage in Wuppertal nicht möglich, weil im Berufskolleg Kohlstraße entsprechende Lehrkräfte fehlten. „Wieder Fachkräftemangel“, so der Kommentar von Neumann. Der Lichtblick: In 2019 sollen erstmals 20 bis 25 Erzieher hier ihre Ausbildung mit Praxisbezug beginnen können. Trotzdem wird es weiterhin ein paralleles Ausbildungssystem geben.

Laut Stefan Kühn geht die Stadt bereits mit „ungewöhnlichen Methoden“ auf Erzieher-Suche. So werde sogar über geschaltete Anzeigen um Kindergärtner geworben. Zusätzlich schwärmt die Stadt in Schulen und Berufsbörsen aus, um den Jugendlichen das Berufsbild früh schmackhaft zu machen. Auch ein Imagefilm sei geplant, so Stadtbetriebsleiter Neumann. Er weist darauf hin, dass durch die starke Fluktuation in den Einrichtungen die Aufstiegschancen sehr gut seien. 68 Kitas, das bedeute 68 Leitungspositionen und 68 Stellvertreterposten.

Bezahlung schlecht und Betreuungsschlüssel zu hoch

Die Gewerkschaft Verdi kritisiert schon seit längerem die Zustände im Erzieher-Beruf. Während die Anforderungen und der Anspruch der Eltern in den vergangenen Jahren extrem gestiegen seien, sei die Bezahlung schlecht und der Betreuungsschlüssel zu hoch. Silke Iffländer, stellvertretende Geschäftsführerin des Verdi-Bezirks Düssel-Rhein-Wupper erinnert: „Das Ergebnis des jüngsten Tarifstreits war nur ein Kompromiss. Da geht noch etwas.“ Zudem habe die Stadt Wuppertal als attraktiver Arbeitgeber noch „Luft nach oben“ was die Vereinbarkeit von Familie und Beruf angehe. Iffländer: „Da könnte es eine höhere Flexibilität geben.“

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