Erwin Bowien: Beseelte Visionen von fernen Landschaften

von Erwin Bowien
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von Erwin Bowien

Solingen. Mit 180 Arbeiten zeigt das Museum Baden die größte Ausstellung, die allein einem Maler gewidmet ist: Die Retrospektive über das Werk von Erwin Bowien (1899-1972) hat die 100. Wiederkehr seines Geburtstages zum Anlass.

Als "ungewöhnliche Leistung für das Solinger Kulturleben" bezeichnete Museumsdirektor Dr. Rolf Jessewitsch den gewaltigen Kraftakt des Freundeskreises Bowien, die Bilder - fast ausschließlich aus Privatbesitz und von über fünfzig Leihgebern - aus dem In- und Ausland zusammenzuholen. Das ist zuallererst das Verdienst der Malerin Bettina Heinen-Ayech, Schülerin Bowiens, intimste Kennerin seines Werks und unermüdlich darin, seinen Rang als europäischen Künstler zu manifestieren. 180 Arbeiten in drei Etagen des Museums: Das ist auch ein Kraftakt für die Betrachter. Glücklicherweise sind die Bilder weitgehend thematisch sortiert. Das macht den Lebensweg des Malers deutlich. Heinen-Ayech weiß von seinen großen Reisen nach Island, Norwegen, Frankreich, Algerien und in die Schweiz. Dort entstand eine Fülle von Landschaftsbildern, die Bowien in freier Natur malte: beseelte, stimmungsvolle Bilder ohne Provinzialität, Visionen von Landschaften, fern jeder Aggression. Sie spiegeln in Darstellung und farblicher Palette das jeweilige Lebensgefühl eines Sprach- und Lebensraums wider. Nichts ist illustrativ erzählt, sondern Ausdruck einer ganz persönlichen Impression.

Bowien war ein hervorragender Pastellmaler, und das herauszustellen, ist das besondere Anliegen von Bettina Heinen-Ayech. Belege sind viele Landschaftsbilder, aber auch Porträts, die ganz auf das Wesen der Dargestellten abgestellt sind. Das Interieur, in dem sie sich befinden, ist meist sehr reduziert. "Bo", wie seine Freunde den Maler nannten, liebte es, Distanz zu halten. Es war beseelt von Geschautem, Erlebtem. Besonders innig kommt es bei dem Pastell eines toten jungen Mannes zum Ausdruck. Das Bildnis hat nichts Erschreckendes, es ist das Gesicht eines Menschen, wie man ihn in Erinnerung behalten will. Das Vergeistigte drückt sich in der kobaltblauen Aura aus, die das Antlitz umschwebt. Bettina Heinen-Ayech gibt morgen, 10. Oktober, 11.15 Uhr eine Einführung in das Werk Bowiens.

Erwin Bowien: "La Grand` Place de Bruxelles", Pastell 1957

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