Elberfeld

Erstes queeres Zentrum in Wuppertal eröffnet

Oberbürgermeister Uwe Schneidewind (3. v. l.) mit Robyn Lang (v. l.), Christiane Freyer und Max Guder vom „Inside:Out“.
+
Oberbürgermeister Uwe Schneidewind (3. v. l.) mit Robyn Lang (v. l.), Christiane Freyer und Max Guder vom „Inside:Out“.

An der Hochstraße in Elberfeld soll es Platz für Treffen, Lesungen, Partys und Gremiensitzungen geben.

Von Leslie Jil Stracke

Wuppertal. „Inside:Out“ – so heißt das erste queere Zentrum Wuppertals, das nun in der Hochstraße 60 in Elberfeld eröffnet wurde. Das Zentrum soll Raum für Begegnungen, Austausch und Beratungsmöglichkeiten für queere Wuppertaler und ihre Freunde bieten. „Queer“ – das ist ein Sammelbegriff für Menschen verschiedenster sexueller und geschlechtlicher Orientierungen, zum Beispiel homosexueller oder Transmenschen.

Viele Gäste waren bei der Vorstellung und Einweihung des Zentrums dabei – unter ihnen auch Wuppertals Sozialdezernent Stefan Kühn, Gründungsmitglied des Vereins: „Der Ort hier ist für die Stadt etwas ganz Besonderes. Gerade für Jugendliche, für die hier auch Sexualpädagogik betrieben wird und Fragen rund um queere Lebensweisen von jungen Menschen geklärt werden können“, betont er. „Genau deshalb ist das hier ein gutes Dach und ein wichtiger Ort der Vernetzung für die queere Jugendarbeit in unserer Stadt.“

Was sofort auffällt, wenn man das Zentrum betritt: Hinter der Gestaltung des Raumes, in der sich die Farben des Regenbogens wiederfinden, steckt ein Konzept. Dafür war der Interiordesigner Tino Büchsenschütz verantwortlich. „Für mich war wichtig, einen Raum zu schaffen, in den man reinkommt und sich einfach willkommen fühlt – der also freundlich und hell ist und auch ein bisschen für Urlaubsstimmung sorgt“, erklärt er.

Inspiriert seien einige Elemente des Raumes von dem Logo des „Inside:Out“-Vereins, das aus Dreiecken in den Regenbogenfarben besteht. Der Regenbogen ist ein Kennzeichen der queeren Szene und beispielsweise auch in ihrer Flagge wiederzufinden. „Wir wollten auf alle Fälle die Regenbogenfarben integrieren, ohne klassisch den Regenbogen aufzugreifen, da uns das als zu plakativ erschien. Gemeinsam sind wir dann auf die Idee gekommen, dass wir die Wände bunt gestalten und die Dreiecke aus dem Logo quasi invertieren und als dekoratives Element in weiß an die Wand bringen.“

Eine besondere Herausforderung sei die geplante Multifunktionalität des Raumes gewesen. „Weil hier Veranstaltungen wie zum Beispiel Lesungen, Partys bis hin zu Gremiensitzungen stattfinden sollen, ist es oft ein bisschen schwierig, das dann ansprechend zu gestalten, da multifunktionale Möbel teilweise nicht so schön aussehen und wir hier auf keinen Fall eine Konferenzraum-Atmosphäre entstehen lassen wollten.“

Wuppertals Oberbürgermeister Uwe Schneidewind betonte bei der Eröffnungsfeier, wie das Zentrum zu einer Minimierung der Diskriminierung in Wuppertal beitragen kann. „Das ‚Inside:Out‘ hat ganz verschiedene Funktionen: Es ist auf der einen Seite ein Ort der Vernetzung all derjenigen, die in der Szene aktiv sind, was ganz wichtig ist für die Kräftigung der Szene selbst, aber auch nach außen hin. Was hier durch das gewaltige Engagement gemacht wurde – das ist klasse. Jetzt hier diesen Raum zu haben, ist natürlich ganz zentral, aber auf keinen Fall etwas, worauf wir uns als Stadt Wuppertal jetzt ausruhen können.“

Auch in der Politik der Stadt müsse der Fortschritt ankommen. „Es geht um einen Wechsel in den Köpfen. Wir haben eine Politik alter, weißer und in der Regel heterosexueller Männer, die den Geist dieser Stadt prägt. Das passt nicht mehr ins 21. Jahrhundert und auch nicht in die Großstadt des 21. Jahrhunderts.“

Die Idee für das queere Zentrum hatte Christiane Freyer, die zudem Vorsitzende des Vereins ist. „Ich habe es bislang bedauert, dass die Zusammenarbeit der queeren Community in Wuppertal nicht immer so funktioniert hat, wie ich es mir gewünscht habe“, berichtet sie. So sei die Idee entstanden, diese Zusammenarbeit selbst mit einer Gruppe von Menschen zu fördern – all das im Rahmen einer Teilnahme am Wuppertaler Bürgerbudget, bei dem das „Inside:Out“ im Jahr 2019 den fünften Platz belegte und 28 200 Euro erhielt, um das erste queere Zentrum Wuppertals aufzubauen.

Eine Idee, die nach der mehr als zweijährigen Planungsphase mit der Eröffnung des „Inside:Out“ zur Realität wurde.Um diese zu feiern, gab es zudem einen symbolischen Eröffnungsakt des Zentrums: Vorsitzende Christiane Freyer befestigte gemeinsam mit Interiordesigner Tino Büchsenschütz und Oberbürgermeister Uwe Schneidewind ein dekoratives Dreieck an einer Wand im Eingangsbereich. Es folgte ein angeregter Austausch aller Anwesenden.

www.inside-out-wuppertal.de

Bürgerbudget

Das Bürgerbudget bietet Wuppertalern die Möglichkeit, finanzielle Unterstützung für die Realisierung ihrer Ideen zu erhalten. Laut Homepage der Stadt seien die einzigen Vorgaben, um diese Ideen zu realisieren, dass sie nicht mehr als 50 000 Euro kosten, ihre Umsetzung innerhalb von zwei Jahren möglich ist und zum Wohl der Bürger beiträgt.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

'Ndrangheta-Prozess: Solinger bleibt in Untersuchungshaft
'Ndrangheta-Prozess: Solinger bleibt in Untersuchungshaft
'Ndrangheta-Prozess: Solinger bleibt in Untersuchungshaft
WM-Qualifikationslauf: Die hohe Schule des Gehorsams
WM-Qualifikationslauf: Die hohe Schule des Gehorsams
WM-Qualifikationslauf: Die hohe Schule des Gehorsams
Zwei Wohnhäuser brennen in Wuppertal - Feuerwehr steckt in zugeparkten Straßen fest
Zwei Wohnhäuser brennen in Wuppertal - Feuerwehr steckt in zugeparkten Straßen fest
Zwei Wohnhäuser brennen in Wuppertal - Feuerwehr steckt in zugeparkten Straßen fest
Foto-Ausstellung im Von der Heydt-Museum ist eröffnet
Foto-Ausstellung im Von der Heydt-Museum ist eröffnet
Foto-Ausstellung im Von der Heydt-Museum ist eröffnet

Kommentare