Vorbild Skandinavien

Erste Wirte nehmen kein Bargeld mehr

+
Niels Damhus steht hinter seinem Konzept: „Als junges Unternehmen wollen wir digital vorangehen. Mit bargeldloser Zahlung kommt auch ihr schneller, effizienter und sauberer an euer Essen“, heißt es auf dem Aufsteller. 

DÜSSELDORF Wer im „Baba Green“ am Düsseldorfer Wehrhahn essen möchte, muss mit Karte zahlen.

Von Ines Arnold

Nur Bares ist Wahres. Dieser Weisheit können Ozan Baran und Niels Damhus gar nichts abgewinnen. Im Gegenteil, für die beiden Gastronomen ist es genau andersherum. Sie gehören in Düsseldorf zu den ersten, die Münzen oder Banknoten nicht mehr annehmen. Am 1. Oktober stellten Baran und Damhus in ihrem Restaurant „Baba Green“ am Wehrhahn auf Kartenzahlung um — akzeptiert wird alles bis auf American Express.

Mit dem Modell folgen die jungen Gastronomen dem Vorbild aus Skandinavien, aber auch in Berlin und Hamburg etabliert sich nach und nach vor allem in Coffeeshops und Selbstbedienungsrestaurants die No-Cash-Variante.

BARGELDLOS ZAHLEN

STUDIE Dass sich Kartenzahlung weiter durchsetzt, das Bargeld aber weiterhin als Zahlungsart koexistiert, verdeutlicht eine aktuelle Studie des EHI: Die Karten-Umsätze haben 2018 erstmals die Bar-Umsätze (48,3 Prozent des Gesamtumsatzes) getoppt, wenn auch knapp.

KLIMPERGELD Bargeld spielt weiterhin auch im Baba Green eine Rolle – der „Wunschbrunnen“ fürs Trinkgeld bleibt vorerst stehen.

VORWURF Einzelne Kunden hat das Bargeldlos-Konzept vergrault. Den Vorwurf, das Restaurant schließe damit Gruppen aus – Ältere oder Obdachlose – weist Damhus zurück: „Kunden, die keinen Zugang zu diesen Zahlungsmethoden haben, haben auch vorher unseren Laden nicht besucht.“

Die Erfahrungen sind zwar noch frisch, aber schon jetzt fühlen sich Baran und Damhus in ihrer Entscheidung bestätigt. Denn für sie überwiegen eindeutig die Vorteile. „Es ist das Modell der Zukunft“, sagt Baran. Ein hoher administrativer Aufwand fällt weg. „Wir müssen kein Kleingeld bei der Bank besorgen, die Einnahmen abends nicht zählen und zur Bank bringen“, zählt er auf. Damit werde auch ein Sicherheitsrisiko umgangen: „Früher stimmte die Kasse oft nicht, wir mussten Fehlbeträgen hinterherforschen und Mitarbeiter befragen“, sagt er.

Mittlerweile stehen Baran und Geschäftspartner Damhus nicht mehr selbst hinter der Theke, sie müssen sich auf ihr Personal verlassen. „Leider mussten wir auch schon schlechte Erfahrungen machen, ein Mitarbeiter hat in die Kasse gegriffen“, sagt Baran. Die Kassenabrechnung bereitet Baran seit der Umstellung auf Kartenzahlung nun kein Kopfzerbrechen mehr.

Gebühren sind längst kein Gegenargument mehr

Gegen die vielen Vorteile seien die Gebühren der digitalen Serviceprovider ein Klacks, sagt Baran. Die Zeiten, in denen es sich für Gastronomen oder Händler nicht oder nur ab einem bestimmten Betrag lohnte, Kartenzahlung anzubieten, sind in seinen Augen längst vorbei. Denn die Gebühren sind heute gedeckelt. Für Baran kommt auf der Haben-Seite hinzu: Die Gebühren, die Banken bei Bargeldeinzahlungen verlangen, spart er nach Abschaffung der Bargeld-Kasse ein.

Selbst auf dem Markt haben die Händler Kartenlesegeräte

Viele Kunden möchten jedoch auch noch mit Bargeld bezahlen Carina Peretzke vom Handelsverband kennt die Vorteile aus Sicht der Gastronomen und Händler. Der Kundenwunsch sei aber ein anderer: „Der Kunde will entscheiden, ob er mit Karte oder Bargeld bezahlt“, sagt sie. Nach wie vor hänge der Deutsche an seinem Bargeld: Das Bezahlen ist anonym, niemand kann nachverfolgen, wo der Kunde was gekauft hat. Außerdem meinen Bargeldbefürworter, mit Scheinen und Münzen einen besseren Überblick über Ausgaben zu haben.

Dem Wunsch nach Flexibilität passt sich laut Peretzke auch die Handel- und Gastroszene nach und nach an. Restaurants, in denen ausschließlich mit Bargeld bezahlt werden kann, werden zur Rarität, im Einzelhandel gibt es kaum noch Mindestbeträge, an die Kartenzahlung gekoppelt ist. „In jedem Supermarkt kann der Joghurt mit Karte bezahlt werden“, sagt Peretzke. Selbst Bäcker statten ihre Filialen teils schon mit Kartenlesegeräten aus. Und sogar auf dem Markt am Carlsplatz bieten nach Angaben von Chef Heiner Röckrath mittlerweile fast alle Händler Kartenzahlung an.

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Knapp 70 Infektionen mit dem Norovirus in Wuppertal
Knapp 70 Infektionen mit dem Norovirus in Wuppertal
Innogy-Manager Günther nach Säure-Angriff: „Ich hätte sterben können“
Innogy-Manager Günther nach Säure-Angriff: „Ich hätte sterben können“
Die ungewisse Zukunft der Düsseldorfer Umweltspur
Die ungewisse Zukunft der Düsseldorfer Umweltspur
Unbekannte rammen Wuppertaler Wohnhaus und flüchten
Unbekannte rammen Wuppertaler Wohnhaus und flüchten

Kommentare

Das könnte Sie auch interessieren