Endlos-Schlusswort: Prozess verlängert

Angeklagte Katzenhalterin wehrt sich

Von Dirk Lotze

Solingen/Wuppertal Vor dem Wuppertaler Landgericht hat eine 40 Jahre alte Angeklagte aus Solingen im Strafprozess um die Haltung von 62 Katzen in einer Mietwohnung so lange ihr Schlusswort gehalten, dass die Richterinnen und Richter einen zusätzlichen Verhandlungstag für die Urteilsverkündung anberaumen mussten. Ursprünglich sollte das Verfahren bereits vorige Woche abgeschlossen sein. Die Frau wehrt sich mit einer Berufung gegen eine Bewährungsstrafe samt Tierhaltungsverbot.

Nach einer Durchsuchung im Dezember 2018 sagten Zeugen, dass 40 der Katzen auf nur 12 Quadratmeter Fläche eingezwängt gewesen seien. In einem Raum der Wohnung hätten sich die Katzentoiletten befunden – bei fürchterlichem Gestank. Tierärztliche Berichte beschrieben die Katzen als verdreckt, mit verfilztem Fell, Entzündungen und ansteckenden Krankheiten. Unkastrierte Tiere sollen gemeinsam gehalten worden sein – daraus folgten Kämpfe um Futter, Revier und Fortpflanzungspartner.

Die Angeklagte habe im Kühlschrank Medikamente aufbewahrt, die nur von Tierärzten hätten verwendet werden dürfen. Aufgefallen war sie, weil sie kranke Tiere als „gesund, gechipt, geimpft“ über das Internet verkauft haben soll. Sie ist mehrfach vorbestraft wegen Betrugs, außerdem wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte.

Die Staatsanwaltschaft hat beantragt, die Berufung als unbegründet zu verwerfen. Das „letzte Wort“ steht Angeklagten im Strafprozess vor dem Urteil zu. Viele verzichten, schließen sich mit einem knappen Satz ihrem Anwalt an, bekräftigen ihre Unschuld oder bitten um Entschuldigung.

Angeklagte zitiert aus einem Hefter voller Anzeigen

Die 40-Jährige türmt seit Prozessbeginn für jeden Sitzungstag mehrere Papierberge vor sich auf. Im letzten Wort fragte sie gleich eingangs ihren Anwalt: „Können wir Videos zeigen?“ Der winkte ab und schüttelte den Kopf. Die Frau zitierte aus einem Hefter voller Anzeigen gegen sich und wies die Vorwürfe als haltlos zurück. Als ihr Anwalt sie nach den ersten 90 Minuten ansprach, erwiderte sie: „Sie haben doch gesagt, ich kann sprechen, so viel ich will.“

Der Vorsitzende Richter antwortete darauf sachlich: „Nicht unbedingt. Irgendwann gehen wir vielleicht nach Hause.“ Er fügte hinzu: „Wenn Sie so lange reden, kann es sein, dass irgendwer mal eine Pause braucht. Das schneidet Ihnen nicht das letzte Wort ab.“

Der Prozess wird am Freitag, 19. November, fortgesetzt.

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