Kultur

Ein Tanzmarathon unter der Schwebebahn

Vorfreude auf das Wundertal in Sonnborn: Die Compaigne war schon mal vor Ort.
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Vorfreude auf das Wundertal in Sonnborn: Die Compaigne war schon mal vor Ort.

Wuppertal. Tanztheater-Intendant Boris Charmatz startet in das neue Jahr.

Von Monika Werner-Staude

Monsieur Charmatz, wie haben Sie sich eingelebt?

Boris Charmatz: Ich wohne in Wuppertal und arbeite seit den letzten Wochen mit den Tänzerinnen und Tänzern intensiv im Schauspielhaus. Im Moment steht der Triple-Abend im Mittelpunkt, mit dem fantastischen Stück ‚Café Müller“, das für die weitere Entwicklung Pina Bauschs enorm wichtig war. Ich kann es nur zur Hälfte begleiten, weil ich eine Verpflichtung für einen Solotanzauftritt in Toulouse habe. Das ist schon etwas stressig mit einem Doppelkalender, aber 2023/24 habe ich nur noch einen.

Am 21. Januar feiert der Triple-Abend mit Café Müller, common ground[s] und Das Frühlingsopfer Premiere.

Charmatz: Für den Zuschauer ist es ein Triple-Abend – für mich ist es Café Müller, weil ich das Stück neu einstudiere. Nicht allein, sondern im Kollektiv mit Héléna Pikon und Barbara Kaufmann sowie meiner ehemaligen Assistentin. Ich habe die Idee, dass wir das Stück im Juni in Paris und in der nächsten Saison weiterentwickeln, dass andere Tänzerinnen und Tänzer die Rollen tanzen. Deshalb gibt es drei Besetzungen. Es geht darum, wie wir dieses Juwel weiterentwickeln, was wir mit ihm machen und wie wir mit ihm umgehen können. So werden Taylor Drury und Emma Barrowman Pina tanzen und auch Naomi Brito, die eine komplett andere Meinung als Trans-Tänzerin aus Brasilien hat. Alle drei sind fantastisch. Die Tänzerinnen und Tänzer, die früher mitgewirkt haben, etwa Héléna, machen natürlich auch mit. Ich bin neu hier und neugierig, sehe in der künstlerischen Zukunft mehrere Tänzer.

Außerdem gibt es das Projekt Wundertal.

Charmatz: Das besteht aus einem Happening auf der Sonnborner Straße mit dem ganzen Ensemble und Studierenden aus Essen, Wuppertal und Köln sowie Laien, auch solchen, die keine Tanzerfahrung haben. Das Projekt ist weit geöffnet, aber nichts für Kinder, sondern für Menschen ab 16 Jahre. Insgesamt 200 Mitwirkende. Ein Tanzmarathon über drei Stunden. Ein Abenteuer an der frischen Luft, bei schlechtem Wetter ein „Singing in the rain“, etwas wild vielleicht. Ich mag das. Die Struktur stammt aus meinem Projekt „Sea Change“, das ich 2021 für das Manchester International Festival geschaffen habe. Jetzt ist es eine Geste für Wuppertal, in der Stadt und unter der Schwebebahn. Ich mag die Straße, sie war Drehort im Film „Alice in den Städten“, obwohl sie ein Trauma hat, weil sie an einer Mauer endet.

Wundertal umfasst weitere Veranstaltungen.

Charmatz: Ja, Wundertal umfasst in der Zeit 21. bis 29. Mai eine Reihe von Events und Stücken: Vielleicht gibt es ein Straßenfest, eine Party im Anschluss an die Straßen-Performance in Sonnborn. Außerdem wird „Palermo-Palermo“ vom 26. bis 29. Mai in der Oper aufgeführt. Und dazwischen gibt es weitere Projekte in und ums Opernhaus.

Sind Sie als Tänzer zu erleben?

Charmatz: Das ist mehr als wahrscheinlich. Ich möchte mich so auch der Stadt vorstellen.

Verraten Sie schon etwas zur Spielzeit 2023/24?

Charmatz: Wir arbeiten viel daran. Aber im Moment stehen Café Müller und Wundertal im Vordergrund. Ich schaue auch viel bei den Proben zu, etwa bei „Agua“, die Leitung habe andere. Ich habe zwei Tänzerinnen/Tänzer aus Paris mitgebracht, die jetzt zur Compagnie gehören. Zur nächsten Saison kommen weitere. Und wir haben angefangen, an einem Stück zu arbeiten, das für September ansteht. Zum Glück habe ich durch die gute Planungsvorarbeit von Bettina Wagner-Bergelt und Roger Christmann Zeit, um weiter alles hier kennenzulernen.

2023 besteht das Tanztheater 50 Jahre.

Charmatz: In diesem Jahr sind wir beide 50 Jahre alt (Charmatz hat Anfang Januar gerundet, Red.). Das Tanztheater hat eine legendäre Geschichte, das ist außerordentlich und einzigartig. Auch dass die Compagnie nach dem Tod von Pina Bausch weitermacht, sich weiter entwickelt. Das ist wie ein Wunder für mich. Das muss gefeiert werden – in der nächsten Saison, mit mehreren Projekten, vielleicht auch ins nächste Jahr hinein, wenn wir beide 51 sind.

Und das Pina Bausch Zentrum.

Charmatz: Da arbeiten wir eng mit Bettina Milz zusammen. Sie hat ihr Büro bei uns. Im Moment geht es um Preisgerichte beim Architekturwettbewerb. Die Entwicklung der Architektur ist mir sehr wichtig. „Wundertal“ ist ein Beitrag zur Vorbereitung des Zentrums und wird im Rahmen der Vorlaufphase gefördert, wie auch der Triple-Abend bei dem wir mit der Foundation kooperieren. Generell arbeiten wir eng mit Bühnen und Sinfonieorchester zusammen. Wuppertal ist in Bewegung, die Stadt ändert sich.

Drei Institutionen, geeint im gemeinsamen Ziel, dem Tanz: Das Tanztheater Wuppertal Pina Bausch, die Pina Bausch Foundation und die Weg-bereiter des Pina Bausch Zentrums, deren Vorlaufphase unter Leitung von Bettina Milz steht, arbeiten zusammen. Mit einer „fantastischen Energie“, betont Intendant Boris Charmatz, wie die drei Musketiere: „Einer für alle, alle für einen“. Der Franzose leitet seit August das Tanztheater, seine Übergangsspielzeit „mit zwei Kalendern“ geht gerade in die zweite Halbzeit.

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