Tierpflege

Ein Tag im Wuppertaler Zoo: Von A wie Ausmisten bis U wie Ultraschall

Alexandra Dulinski wagt sich ans Waschen. Die Dusche ist eine Form des Trainings für die Elefanten.
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Alexandra Dulinski wagt sich ans Waschen. Die Dusche ist eine Form des Trainings für die Elefanten.

Redakteurin Alexandra Dulinski hat im Elefantenhaus mit angepackt. Dabei lernte sie auch die zu dem Zeitpunkt noch hochschwangere Tika kennen. Das Jungtier ist nun frisch auf der Welt.

Von Alexandra Dulinski

Aufgeregte Nervosität herrscht bei den Elefantenpflegern im Zoo: Spontan haben sie einen Ultraschall bei Elefantendame Tika anberaumt. Seit Tagen haben sie Tika im Blick – und führen routinemäßig zwei Mal pro Woche einen Ultraschall durch. „Das Progesteron, das Schwangerschaftsschutzhormon, ist aber jetzt deutlich gesunken“, sagt Filipe von Gilsa, Teamleiter des Elefanten- und Affenreviers. Ein Hinweis für ihn und seine Kollegen, dass die Geburt kurz bevor steht.

Das Jungtier ist zur Welt gekommen - Es hat noch keinen Namen

Das Team versammelt sich, die Tierärzte werden dazugerufen. Trotz Aufregung geht es ruhig zu – das Team ist eingespielt. Zwei Assistentinnen legen Tierärztin Saskia Dreyer einen Schutzkittel um. Ihr Arm liegt bereits in in einem Folienüberzug, die Einweghandschuhe kleben die Assistentinnen mit Klebeband rund um das Handgelenk fest – die Vorbereitung für die Untersuchung.

„Wie bei einer Kuh mache ich den Ultraschall über den Enddarm. Das dient nicht dazu, das Jungtier zu sehen, sondern den Gebärmutterhals“, erklärt die Ärztin. Im Ultraschall sieht sie, ob dieser schon geöffnet ist. „Die Hormonwerte, die während der Schwangerschaft höher sind, sind abgefallen. Das passiert kurz vor der Geburt“, erklärt Saskia Dreyer.

Während sich die Ärztin angekleidet hat, haben die Tierpfleger Tika für die Untersuchung vorbereitet. An zwei Füßen werden Ketten angelegt – zur Sicherheit von Saskia Dreyer, die bei der Untersuchung direkt hinter dem Tier steht. Gekonnt greif sie in Tika hinein: Mit geübten Griffen befreit sie den Enddarm von Kot. Im Gehege ist es dabei ganz ruhig, nur das Tröten der anderen Elefanten ist zu hören. Konzentration liegt in der Luft. Und dennoch scheinen sowohl die Tierpfleger als auch Tika selbst entspannt.

Tierärztin Saskia Dreyer (l.) und Stefanie Lucki, Tiermedizinische Fachangestellte, führen den Ultraschall bei Tika durch.

Auf dem Bildschirm, den Stefanie Lucki, tiermedizinische Fachangestellte, hält, sind für den Laien nur dunkle Schemen zu erkennen. „Da kommt die Blase zum Vorschein. Das ist das Schwarze. Das Weißliche ist der Gebärmutterhals. Die Mitte ist schwärzer als zuvor“, beschreibt Dreyer leise. Eine Veränderung ist für sie sichtbar: Der Gebärmutterhalsschleimhaut ist verdickt, Flüssigkeit hat sich angesammelt. Dreyer: „Das sind Hinweise, dass es bald losgeht.“

Der Ultraschall, so erklärt sie, findet regelmäßig statt. Er soll ein Training für das Tier sein, damit die Ärzte problemlos eingreifen können, sollte bei der Geburt etwas schiefgehen. „Wir können bei der Geburt gegensteuern, falls der Elefant Unterstützung braucht, vielleicht müssen wir dann Medikamente geben. Wir haben bei Elefanten weniger Möglichkeiten als bei anderen Tieren, weil wir keinen Kaiserschnitt durchführen können. Bei der Masse hält keine Naht“, sagt Dreyer.

Wann das Elefantenjunge kommt, bleibt für das Team noch ein Rätselraten. Nach der Untersuchung greift Saskia Dreyer zum Telefon, ruft Zoodirektor Arne Lawrenz an, berät sich. Einer wird die Nacht im Elefantengehege verbringen und Wache halten.

Spontanität gehört bei den Tierpflegern zum Alltag – sie müssen schnell reagieren können. Gestartet hat der Tag um 7.30 Uhr noch ganz routinemäßig. „Der erste, der da ist, schaut nach den Tieren, guckt, ob alles in Ordnung ist. Die Elefanten bekommen eine frische Portion Heu“, berichtet Tierpflegerin Vanessa Hagedorn.

Mit Schaufel und Harke ziehen die Tierpfleger los

Dann geht es los. Geschäftigkeit herrscht im Elefantenhaus, es riecht nach Elefant, Heu und Kot – ein Duft, der sich in der Kleidung festsetzen wird. Mit Schaufel und Harke schwärmen Filipe von Gilsa, Vanessa Hagedorn, Claus Kühn und Lena Peters aus, um das Außengelände auszumisten. Sie spielen sich gegenseitig zu, schieben mit der Harke die großen Kotkugeln auf die Schaufel des anderen. Schnell ist klar: Die Arbeit geht in die Muskeln, die Hinterlassenschaften wiegen ordentlich.

Sobald das Außengelände vorbereit ist, dürfen die Elefanten wieder nach Draußen. „Dann beginnt für uns die Hauptarbeit, die Reinigungsarbeiten im Haus“, erklärt Vanessa Hagedorn. Mit Besen schieben die Tierpfleger altes Heu und Mist in die Raummitte, spielen so Filipe von Gilsa zu. Laut rattert sein Radlader, mit dem er den Mist aufgreift und abtransportiert. „Wir müssen zügig arbeiten, damit wir Zeit für das Training haben“, sagt Hagedorn. Denn auch die Besucherhalle müssen die Tierpfleger in Schuss halten, bereits am Nachmittag wird wieder ausgemistet und am Abend gleich noch einmal.

Dann erhält Filipe von Gilsa einen Anruf. „Der Wupperverband liefert Äste“, ruft er seinen Kollegen zu. Ein Luxus, wie er sagt und ein echter Glücksfall. Denn die Elefanten fressen die Rinde der Äste besonders gern. Insgesamt 100 bis 150 Kilo Futter braucht ein Elefant am Tag, zwei Rundballen Heu mit jeweils 250 bis 300 Kilo gehen pro Tag weg. Die abgeladenen Äste verursachen jede Menge Dreck. „Ich mag es nicht, wenn es so unaufgeräumt aussieht“, sagt Vanessa Hagedorn und greift zum Besen.

Das Training ist für die Tiere besonders wichtig. Dazu gehört das Waschen der Tiere. Warm und dick fühlt sich die Haut der Elefanten unter der Handfläche an. Die kleinen Bürsten schrubben über die Haut der Dickhäuter, warmes Wasser spült die Seife wieder ab. Die Tiere genießen die Prozedur sichtlich. „Für uns ist es wichtig, jedes Tier am Tag in der Bewegung zu sehen. Sie zeigen unterschiedliche abgefragte Kommandos, mit denen wir sehen können: Bewegt sie sich normal, hat sie vielleicht eine kleine Verletzung?“, erklärt Vanessa Hagedorn.

Mutter Sweni und Jungtier Tsavo sind mit dem Duschen an der Reihe. Hier ist Vorsicht geboten für Zoo-Fremde. „Sweni liegt zwar, aber wenn mit dem Jungtier etwas sein sollte, wird sie mit den Beinen Schwung holen, um aufzustehen. Ich muss genau im Blick haben, was Tsavo macht, aber auch was Sweni und alle anderen Elefanten machen.“ Tierpfleger Claus Kühn ist Swenis Trainer, der sich voll auf Sweni konzentriert. Vanessa Hagedorn hat derweil alles im Blick. „Ohr!“, ruft Claus Kühn, Sweni hört auf Kommando – eine warme Ohrdusche hat was.

Das Duschen ist Training für die Tiere. So können die Pfleger an die Tiere heran, um Blut abzunehmen. Bei der trächtigen Tika passiert das zurzeit täglich. Ganz ruhig liegt sie auf dem Boden, Vanessa Hagedorn tritt an ihr Ohr heran. „Die Blutabnahme machen wir selber. Das geht am besten, wenn der Elefant auf der Seite liegt. Dann füllen sich relativ schnell die Venen und ich kann sehr einfach mit der Nadel hineineinstechen“, erklärt sie. Tika wird die Blutabnahme spüren. Für sie sei das aber kein großes Ding. Zwei Kanülen füllen sich schnell. Filipe von Gilsa wirft Tika immer wieder Futter zu: Ablenkung und Belohnung zugleich.

Jeder Elefant tickt anders

Charakter und Erziehung sind zwei wesentliche Dinge, die das Wesen eines Elefanten ausmachen. „Das ist wie bei Kindern“, sagt Filipe von Gilsa. Und jeder Elefant tickt anders. So auch Tooth, der Elefantenbulle, der abseits der Herde gehalten wird. Hier arbeiten die Pfleger im geschützten Kontakt – stets ist ein Gitter zwischen ihnen und dem Tier.

Claus Kühn hält dem Bullen einen Stab mit einem Tennisball hin – Tooth bewegt sich darauf zu, wartet auf ein Kommando. „Man benutzt für das Training ein sogenanntes Target. Eins, mit dem man den Bullen stationiert, und eins, mit dem man zeigt, was er machen soll“, erklärt der Pfleger. „Lean“, ruft Claus Kühn und Tooth lehnt sich zur Seite. „Turn“, schallt es über den Hof und Tooth dreht sich. Er grummelt laut – ein Zeichen, dass er sich wohlfühlt. Die Kommandos erfolgen auf Englisch, denn so wurde der Elefantenbulle aus einem Zoo in den Niederlanden übernommen. Zuvor lebte er in einem Tierpark in England.

Weil Tooth nicht in einer Gruppe aufgewachsen ist, musste er im Grünen Zoo erst einmal lernen, sich als Bulle durchzusetzen. „Wenn er Stress hat, muss er den loswerden. Er kann mit dem Stress nicht umgehen“, erklärt Claus Kühn. Anders war das bei seinem Vorgänger Tusker. „Der wusste, dass er der Chef ist.“

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