Uniklinik Düsseldorf

Neues Leben: Mehr als 200 Herztransplantationen

Prof. Dr. Artur Lichtenberg (Direktor der Herzchirurgie, v. l.), Norbert Longerich (früherer Patient und Ansprechpartner der Selbsthilfegruppe Organtransplantierter NRW) sowie Prof. Dr. Udo Boeken (Oberarzt in der Herzchirurgie und chirurgischer Leiter des Herz-Transplantationsprogramms am UKD). Foto: Uniklinik Düsseldorf
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Prof. Dr. Artur Lichtenberg (Direktor der Herzchirurgie, v. l.), Norbert Longerich (früherer Patient und Ansprechpartner der Selbsthilfegruppe Organtransplantierter NRW) sowie Prof. Dr. Udo Boeken (Oberarzt in der Herzchirurgie und chirurgischer Leiter des Herz-Transplantationsprogramms am UKD).

Teamleistung ist die Voraussetzung für den Erfolg in Düsseldorf.

Von Stephan Eppinger

Düsseldorf. Über 200 Patienten haben im Universitätsklinikum Düsseldorf (UKD) seit Wiederaufnahme des Herztransplantationsprogramms im Jahr 2010 ein Spenderherz erhalten. „200, das ist nicht nur eine Zahl“, sagt Prof. Dr. Artur Lichtenberg, Direktor der Klinik für Herzchirurgie. „Wir sehen 200 komplex erkrankte Menschen mit einer langen Erkrankungsvorgeschichte, die von uns versorgt werden konnten.“

Von der Entnahme bis zur Implantation des Spenderherzens sollten maximal vier Stunden vergehen.

Prof. Dr. Udo Boeken

Verschiedene Faktoren tragen dazu bei, dass ein Herz-Transplantationszentrum erfolgreich arbeiten kann. „Es fängt damit an, dass wir umfassend und sorgfältig prüfen, ob ein Spenderorgan auch optimal zum vorgesehenen Empfänger passt“, erläutert Prof. Dr. Udo Boeken, Oberarzt in der Herzchirurgie und chirurgischer Leiter des Herz-Transplantationsprogramms am UKD.

Neben dem chirurgischen Eingriff sind auch die interdisziplinäre Vorbereitung und Nachsorge der Patienten entscheidend für die Behandlungsqualität - und ein hochengagiertes Team. „Dass wir so vielen Menschen helfen konnten, liegt auch an der guten fach- und berufsgruppenübergreifenden Kooperation“, sagt Lichtenberg.

PD Dr. Ralf Westenfeld, Leiter Abteilung Herzinsuffizienz, und PD Dr. Stephan Urs Sixt, Oberarzt in der Anästhesie, bestätigen das: „Die Patienten profitieren von diesem fachübergreifenden Ansatz, der uns die Möglichkeit gibt, die jeweilige Situation der Betroffenen aus vielen Perspektiven zu beleuchten und gute Lösungen zu finden.“

Zudem kommt es auch auf die Unterstützung durch die Selbsthilfe Organtransplantierter NRW an. „Ohne die dort geleistete bemerkenswerte ehrenamtliche Arbeit könnten wir hier als eines der größten Transplantationszentren Deutschlands nicht so gut arbeiten“, betont Lichtenberg.

Norbert Longerich ist Ansprechpartner der Selbsthilfegruppe Organtransplantierter, die Menschen mit massiven Herzerkrankungen vor und nach Transplantationen berät. Er selbst hat in der Silvesternacht 2015/2016 an der Uniklinik Düsseldorf ein Spenderherz erhalten, nachdem er drei Jahre mit einem Kunstherz durchs Leben ging. Nun widmet er seine Zeit den Betroffenen. „Wir können in vielen Fällen die Angst nehmen, weil wir selbst vieles erlebt haben“, sagt Longerich.

Sorgen bereitet ihm derzeit, dass sich aktuell viele Patienten mit ausgeprägter Herzschwäche aus Angst vor einer Coronavirus-Infektion nicht zum Arzt trauen. „Wir arbeiten massiv daran, die Leute zu überzeugen, medizinische Hilfe in Anspruch zu nehmen.“ Longerich hat selbst erfahren, wie gut das Herz-Transplantationszentrum funktioniert. „Wir Patienten profitieren davon, dass wir hier engagierte Menschen haben, die Tag und Nacht im Einsatz sind.“

Wenn durch Eurotransplant ein geeignetes Spenderorgan für einen Patienten gemeldet wird, müssen in sehr kurzer Zeit viele Zahnräder perfekt ineinandergreifen. „Das Spenderherz wird immer durch die implantierende Klinik entnommen“, erklärt Boeken. Das bedeutet, dass im Fall einer anstehenden Operation zwei dreiköpfige Operationsteams zur Verfügung stehen müssen, von denen das eine sich auf den Weg zum Organspender macht.

„Von der Entnahme bis zur Implantation des Spenderherzens sollten maximal vier Stunden vergehen. Danach werden die Ergebnisse deutlich schlechter.“ Wichtig ist eine perfekte Logistik, bei der das Transplantationszentrum Unterstützung von der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) erhält. Sie organisiert den Transport des OP-Teams zur Organentnahme und den Rücktransport zum Transplantationszentrum.

Kunstherz kann Wartezeit überbrücken

Ein weiterer Faktor für die positive Entwicklung des Herz-Transplantationsprogramm ist das gut etablierte Kunstherzprogramm, das parallel zu den Transplantationen vor gut zehn Jahren wieder aufgenommen worden ist. Patienten mit massiver Herzschwäche finden hier einen Ansprechpartner zur mechanischen Kreislaufunterstützung – entweder, um das Herz vorübergehend zu entlasten, oder als Überbrückung bis zu einer Transplantation.

Die Spezialisten arbeiten hier mit den modernsten Geräten und sind aufgrund der Teilnahme an vielen Multicenterstudien mit den aktuellsten Technologien vertraut. Über das Kunstherzprogramm sind viele der Patienten, für die zu einem späteren Zeitpunkt eine Transplantation in Frage kommen könnte, schon bekannt.

Berufsgruppen

Die Kardiologie, die Anästhesiologie und Intensivmedizin, die Herzchirurgie sowie die Teams der OP- und Anästhesiepflege bis hin zu den Pflegeteams auf den Stationen sowie weitere Berufsgruppen spielen eine wichtige Rolle, um die sehr kurzfristig angesetzten Transplantationsoperationen möglich zu machen und die Patienten gut zu versorgen.

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