Bis zum 6. März

Stadtmuseum Düsseldorf präsentiert Ausstellung „Geschichte der Dinge“

Exponate der Ausstellung: eine Plakette und eine Büste von König Friedrich Wilhelm III. von Preußen und eine Büste von Auguste Fürstin von Liegnitz als Beispiel von NS-Raubkunst, alle Erwerb 1939. Foto: Landeshauptstadt Düsseldorf/Melanie Zanin
+
Exponate der Ausstellung: eine Plakette und eine Büste von König Friedrich Wilhelm III. von Preußen und eine Büste von Auguste Fürstin von Liegnitz als Beispiel von NS-Raubkunst, alle Erwerb 1939.

Wanderausstellung zur Herkunft von Objekten in NRW-Sammlungen.

Von Stephan Eppinger

Düsseldorf. Das Stadtmuseum Düsseldorf, Berger Allee 2, präsentiert bis zum 6. März die Ausstellung „Geschichte der Dinge. Zur Herkunft von Objekten in nordrhein-westfälischen Sammlungen“. Thema der Wanderausstellung des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe ist die Provenienzforschung, das Erforschen der Herkunft und der Geschichte von Objekten. Die Schau bietet den Besuchern Gelegenheit, dieses Forschungsgebiet in all seinen Aspekten kennenzulernen. Zahlreiche NRW-Museen haben die Ausstellung mit Leihgaben unterstützt.

Es bleibt die Hoffnung, dass mehr Licht in diesen ungewöhnlichen Fall gebracht werden kann.

Sigrid Kleinbongartz, Leiterin des Stadtmuseums

Der Fall Gurlitt, Bronzen aus dem ehemaligen Königreich Benin oder die Elgin Marbles von der Akropolis – diese Aufzählung macht die Spannbreite aktueller Provenienzforschung deutlich. Während bei vielen Ausstellungen zum Thema Provenienzforschung meist nur ein Sammlungsbereich, ein Sammler oder ein Museum im Fokus steht, widmet sich diese Ausstellung erstmals in Deutschland dem gesamten Themenbereich: Insgesamt zehn Kapitel beschäftigen sich mit den unterschiedlichen Entzugskontexten wie zum Beispiel NS-verfolgungsbedingtem Entzug, Kolonialismus oder DDR-Unrecht, mit verschiedenen Objektgruppen wie Judaika, aber auch mit Akteuren und Strukturen.

Die zentrale Frage lautet: Woher kommt das Objekt? Dabei kann die LWL-Ausstellung mit 50 Leihgaben nicht immer Antworten oder konkrete Lösungen präsentieren. Die Ausstellungsobjekte laden die Besucherinnen und Besucher dazu ein, sich selbst mit dem Thema auseinanderzusetzen.

Anhand der Leihgaben aus NRW und darüber hinaus erzählt die Ausstellung Lebens- und Erwerbsgeschichten, die schwierige Kapitel der deutschen Geschichte berühren. Die Ausstellungsvorbereitung selbst ist ein Beispiel dafür, wie die aktive Auseinandersetzung positive Zeichen setzen kann: „Angestoßen durch eine Leihanfrage von uns, konnte die Herkunft eines rituellen jüdischen Sedertellers im Hellweg-Museum in Unna recherchiert werden. Die kontaktierten rechtmäßigen Eigentümer bestimmten schnell, dass er als Dauerleihgabe im Museum verbleiben soll“, sagt Kuratorin Ute Christina Koch.

Nicht immer führen Recherchen jedoch so zuverlässig zu einem Ergebnis. Eine schwarze Münzkassette und die in ihr befindlichen Münzen, Medaillen und Plaketten werfen im Stadtmuseum vielschichtige Fragen zur Provenienz auf. „Silbermünzen aus jüdischem Besitz“ wurden 1939 als Zugang im Inventarbuch des Stadtmuseums Düsseldorf eingetragen.

Ein NS-verfolgungsbedingter Entzug ist höchst wahrscheinlich, doch weder lassen sich die Münzen des Konvoluts heute eindeutig identifizieren noch deren Vorbesitzer feststellen. „Die aus verschiedenen europäischen Staaten stammenden Münzen spielten für das Sammlungsprofil des Stadtmuseums in der Vergangenheit offensichtlich keine Rolle. Daher wurden sie bis in die 90er-Jahre nur als Tauschobjekte genutzt“, fasst die stellvertretende Leiterin des Stadtmuseums, Sigrid Kleinbongartz, ihre Forschungen zusammen.

Heutzutage wäre ein solcher Umgang undenkbar. „Es bleibt die Hoffnung, dass im Zuge weiterer kritischer Prüfungen mehr Licht in diesen ungewöhnlichen Fall gebracht werden kann.“ Die Münzkassette wird im Rahmen der Ausstellung gezeigt.

Weitere Objekte der Ausstellung stehen stellvertretend für kritisch zu prüfende Provenienzen. So stammt aus dem Museum Wilnsdorf (Kreis Siegen Wittgenstein) der Gedenkkopf eines Oba, des politischen und rituellen Oberhauptes im Königreich Benin, mit einer allerdings unbedenklichen Herkunft. Dieser wurde vermutlich Mitte des 20. Jahrhunderts in Nigeria hergestellt.

„Mit dieser Ausstellung wollen wir die Besucher ermutigen, sich mit diesem Thema, ob im eigenen Lieblingsmuseum oder zu Hause, auseinanderzusetzen“, erklärt Kuratorin Verena Burhenne. „Gerade abseits der ,großen Kunst’ übersieht man schnell, dass auch hier ein verfolgungsbedingter Entzug möglich ist“, ergänzt ihre Kollegin Koch. „Uns war von Anfang an wichtig, möglichst die ganze Bandbreite darzustellen, also verschiedene Entzugskontexte oder auch Objektgruppen bis hin zu Alltagsgegenständen.“

Zur Ausstellung ist eine App verfügbar, mit der sich auch außerhalb der Museen Näheres zu allen Themenbereichen und Kapiteln erfahren lässt. Die App stellt (fast) alle Objekte vor und ergänzt sie um begleitende Dokumente wie Fotos und Briefe. Diese liefern weitere Hintergrundinformationen zu Herkunft, Vorbesitzern und den Wegen, die diese Exponate genommen haben.

Des Weiteren stellt die App auch begleitende Handreichungen und Leitfäden zur Provenienzforschung zur Verfügung. Ein Katalog vertieft und erweitert die Themenbereiche und zeigt ausgewählte Ausstellungsobjekte. Die App ist für Android und iOS kompatibel und kann in den entsprechenden Stores kostenlos heruntergeladen werden. Der Katalog zur Ausstellung ist im Stadtmuseum zum Preis von 15,90 Euro erhältlich.

Vom Tigerprinz zur Leningrader. Hier finden Sie das Programm der Düsseldorfer Tonhalle im Februar.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Osterholz in Wuppertal: Aktivisten-Camp wird heute geräumt - Rodung startet
Osterholz in Wuppertal: Aktivisten-Camp wird heute geräumt - Rodung startet
Osterholz in Wuppertal: Aktivisten-Camp wird heute geräumt - Rodung startet
Utopiastadt: Blaupausen-Wettbewerb bringt Ideen für leere Halle
Utopiastadt: Blaupausen-Wettbewerb bringt Ideen für leere Halle
Utopiastadt: Blaupausen-Wettbewerb bringt Ideen für leere Halle
DSDS-Sieger singt im Bergischen Land
DSDS-Sieger singt im Bergischen Land
DSDS-Sieger singt im Bergischen Land

Kommentare