Projekt

Düsseldorf plant Gemüseanbau auf Hausdächern

Der Anbau von Gemüse in Hochbeeten am Straßenrand liegt im Trend. In Düsseldorf sollen in ähnlicher Form Gewächshäuser auf Hausdächern am Carlsplatz entstehen. Dazu läuft nun eine Studie. Symbolfoto: Leon Hohmann
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Der Anbau von Gemüse in Hochbeeten am Straßenrand liegt im Trend. In Düsseldorf sollen in ähnlicher Form Gewächshäuser auf Hausdächern am Carlsplatz entstehen. Dazu läuft nun eine Studie.

Düsseldorf. Vertical Gardening: Eine Studie soll die Machbarkeit von Gewächshäusern am Carlsplatz untersuchen.

Von Stephan Eppinger

Der Trend geht klar in Richtung nachhaltige Ernährung, immer mehr stehen Qualität und Regionalität im Fokus. Eine große Herausforderung gerade für dicht besiedelte Räume. Die Stadt Düsseldorf ist sehr aktiv in diesem Bereich und entwickelt neue Konzepte für die Innenstadt. So wird eine vertikale Indoor-Farm direkt am Carlsplatz untersucht, die nach dem Vorbild des Oberhausener Altmarktgartens ressourcenschonend pflanzliche Lebensmittel produziert. Im Auftrag der Stadt Düsseldorf erstellt das Fraunhofer Umsicht Institut aktuell eine Machbarkeitsstudie. Diese soll im Dezember vorliegen.

Anders als in der konventionellen Landwirtschaft werden beim sogenannten Vertical Farming Gemüse, Salat oder Kräuter nicht auf Feldern, sondern beispielsweise an Fassaden oder auf Gebäudedächern angebaut. „Gerade die großen Dachflächen innerstädtischer Gebäude bieten gute Voraussetzungen, um platzsparend zu produzieren“, erklärt Volkmar Keuter, Leiter der Machbarkeitsstudie.

Kunden wünschen sich mehr regionale Produkte

Südlich der Altstadt liegt mit dem Carlsplatz der älteste noch betriebene Marktplatz der Stadt. Das Angebot ist riesig: Es gibt allerlei Exotisches, aber auch immer mehr regionale Produkte zu kaufen. Dieser Trend deckt sich mit dem wachsenden Wunsch der Kundschaft nach einer größeren Auswahl nachhaltig produzierter Lebensmittel. Dazu beitragen könnte in Zukunft eine Indoor-Farm direkt am Carlsplatz. Neben dem Carlsplatz werden bei der Machbarkeitsstudie auch Verknüpfungen und Synergieeffekte zu anderen Standorten betrachtet.

Gut 30 Kilometer nördlich zeigt der Altmarktgarten in Oberhausen eine Variante, wie die geplante Indoor-Farm in Düsseldorf aussehen könnte. Nach dem am Fraunhofer Umsicht entwickelten In-Farming-Konzept werden dort seit 2019 landwirtschaftliche Produkte auf dem Dach des Jobcenters angebaut. Der Anbau erfolgt hydroponisch, die Pflanzen werden also erdfrei durch eine wässrige Lösung ernährt. „So wird sichergestellt, dass die Pflanzen genau die Wasser- und Nährstoffmenge zugeführt bekommen, die sie zum jeweiligen Zeitpunkt benötigen“, sagt Volkmar Keuter, Leiter der Abteilung Ressourcen und Umwelt am Fraunhofer Umsicht. Zudem befinde sich der Standort sehr zentral, wodurch lange Lieferketten entfallen, Transportkosten minimiert und der Verkehr entlastet wird. Die hergestellten Produkte sind dadurch nicht nur qualitativ hochwertig, sondern auch nachhaltig.

„Die großen Dachflächen innerstädtischer Gebäude bieten gute Voraussetzungen, um platzsparend zu produzieren.“

Volkmar Keuter, Leiter der Machbarkeitsstudie am Frauenhofer Umsicht Institut

Im Altmarktgarten wird jedoch nicht nur produziert, er ist gleichzeitig auch Forschungsobjekt des Fraunhofer Umsicht. Ein interdisziplinäres Forscherteam entwickelt die gebäudeintegrierte Landwirtschaft weiter und arbeitet an neuen Technologien. Denn die Nutzung bestehender Strukturen – in diesem Fall das Dach – ist das eine. Das andere sind die technischen Komponenten, zu denen neben einer optimalen Beleuchtung vor allem die Nutzung der vorhandenen Ressourcen zählen. Das Gebäude liefert nämlich Abwärme und Abwasser, die für das Pflanzenwachstum eingesetzt werden können.

Bürger sollen an den Plänen beteiligt werden

Neben einer detaillierten Standortanalyse und der Formulierung konkreter Ziele wird es auch eine Beteiligung der Bewohner sowie der ansässigen Händler geben. „Eine breite Öffentlichkeitsbeteiligung bereits während des Erarbeitungsprozesses ist Auftrag und Ziel aller Beteiligten und Voraussetzung für den Erfolg und die Akzeptanz bei den Anwohnern, der Düsseldorfer Bürgerschaft und den heutigen und zukünftigen Kunden dieser Altstadtinstitution“, betont Cornelia Zuschke, Beigeordnete für Planen, Bauen, Wohnen und Grundstückswesen, unter deren Regie das Vorhaben steht.

Wuppertal

In Wuppertal ist ein ähnliches Projekt geplant. Dort soll ein zentrales Gebäude in der Elberfelder Innenstadt eine umfangreiche Fassadenbegrünung erhalten. Diese Pläne verfolgen die neuen Besitzer Robert Düssel und Ulrich Volmer des sogenannten C-Carrés am Neumarkt. Der Bau, „der Kern der Innenstadt“, soll ein Hingucker werden. Begrünte Fassade, Photovoltaik, Dachbegrünung, vor allem auf großen Terrassenflächen, zählt Düssel auf. Die beiden Wuppertaler wollen einen siebenstelligen Betrag in die 1969 eröffnete Immobilie investieren. Bis zur Umsetzung wird es aber noch etwas dauern, sagen die neuen Eigentümer. -est-

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