Freizeit

Per Draisine die Trasse entdecken

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Die Fahrten mit der Draisine sind bereits über die Grenzen Wuppertals bekannt. 

WUPPERTAL Rolf Dellenbusch und seine Mitstreiter sorgen für den Betrieb am Loh – und freuen sich auch über viele Gäste von außerhalb.

Von Manuel Praest

Schwarzfahren gilt nicht. „Die Fahrscheine bitte“, ruft Rolf Dellenbusch und lacht. Kurz angehalten, das Stück Pappe aus der Geldbörse geholt, Stempel mit Datum drauf, und die Besucher haben ihr Andenken an ein ganz besonderes Trassenerlebnis: Die Fahrt mit der Draisine. Vom Bahnhof Loh geht es bei schönem Wetter mehrmals in der Woche los. Ein Vergnügen, das längst über Wuppertals Grenzen hinaus bekannt ist.

„Werbung brauchen wir gar nicht“, sagt Rolf Dellenbusch von der Arbeitsgruppe (AG) Eisenbahngeschichte in der Wuppertalbewegung. „Das hat sich einfach rumgesprochen.“ Eigentlich sei es vor Jahren nur darum gegangen, zumindest einen kleinen Teil der Gleise und damit den Bahncharakter der Trasse zu erhalten. Der Großteil der Schwellen war damals nämlich schon entsorgt worden. „Das hier ist mit der letzte Bereich, wo noch Gleise liegen“, erklärt Dellenbusch.

Die Jungfernfahrt mit der Draisine absolvierten die Mitglieder am 5. Juni 2010, als das erste Teilstück der Nordbahntrasse eingeweiht wurde. Eigentlich waren Fahrten von da an nur ein paar Mal im Jahr geplant. Die Nachfrage war aber so groß, dass daraus eine regelmäßige Einrichtung wurde – und der AG kaum noch Zeit für andere Aufgaben bleibt. Denn alles laufe ehrenamtlich, betont Dellenbusch. Auch die Fahrten sind umsonst, man freue sich aber natürlich über Spenden. Wichtig sei die Authentizität, betonen die Mitglieder. Dazu gehören eben die originalgetreuen Fahrscheine ebenso wie ein an die DB-Pläne erinnernder großer gelber Fahrplan im Schaukasten am Bahnhof oder Lautsprecherdurchsagen: „Vorsicht an Gleis 3, der Zug fährt durch.“

Der Service, gerade vor Fahrtantritt, dürfte aber deutlich besser sein als bei der Deutschen Bahn. Monika Reusch und Renate Fischer kümmern sich um die Besucher, die zum Beispiel am Bahnsteig warten müssen. „Wir sind die Hostessen“, sagen die beiden schmunzelnd.

Die Vorbereitungen der Fahrt gehen gut und gerne eine Stunde vor Fahrtbeginn los – in den Tiefen des Bahnsteigs. Unter der Klappe, wo einst die mittlerweile zugeschüttete Fußgängerunterführung vom Bahnhof Loh endete, ist zum Beispiel Infomaterial zur Nordbahntrasse und der Draisine gelagert.

Ideen für die Zukunft: Draisinen im E-Betrieb

„Viele Wuppertaler, die Besuch von außerhalb haben, gehen mit ihm Draisinefahren“, erklärt Dellenbusch. Aus England waren zum Beispiel neulich Mitfahrer dabei. Und ein Jungesellinnenabschied machte auch schon am Loh Station. Überhaupt werde das Angebot super angenommen.

Unterwegs müssen die Fahrer immer wieder winken, vor allem Kindern. „Die finden das natürlich auch ganz toll, selbst zu fahren – und das ganze Drumherum.“ Da die Strecke mehrere Gleise umfasst, ist zum Beispiel das Weichenstellen vonnöten. „Läuft heute butterweich“, ruft Norbert Fischer, einer der Mitstreiter.

RUND UM DIE DRAISINE

TEAM Etwa 20 Ehrenamtler sorgen für den Draisinenbetrieb.

WARTUNG Die Dekra übernimmt die jährliche Wartung der Draisine.

FAHRTEN Die Draisine fährt in den Sommermonaten an jedem Wochenende sonntags zwischen 14 und 17 Uhr ab Bahnhof Loh, Gleis 3. Die Fahrten sind kostenlos.

TERMINE Besondere Termine auf Anfrage:

wuppertalbewegung. de/draisine/anfrage

Die Draisine, die in einer Garage schräg gegenüber des alten und mittlerweile zum Schmuckstück umgebauten ehemaligen Stellwerks Loh geparkt wird, wurde vor Jahren durch die Firma Schaeffler gebaut, extra angepasst an die Bedürfnisse der AG. Das umständliche Umheben des Fahrzeugs etwa entfällt. „Unsere kann in beide Richtungen fahren“, ist Dellenbusch froh.

Hin und zurück sind es zusammen gut drei Kilometer, zwei Mitfahrer müssen immer in die Pedale treten. Ein großer Spaß – aber durchaus anstrengend. Wer glaubt, Bahntrassen seien eher nicht steil, wird eines Besseren belehrt. „Meistens wird sich deshalb abgewechselt“, erklärt Siegfried Springorum von der Arbeitsgruppe.

Denn die Steigung ist nicht ohne. „20 Höhenmeter auf 730 Metern Strecke.“ Die merkt man recht schnell in den Beinen. Die Rückfahrt entschädigt aber für mögliche Strapazen, denn bergab nimmt die gut 800 Kilogramm schwere Draisine ordentlich Fahrt auf – ohne dass jemand nachhelfen muss.

Für die Zukunft haben Dellenbusch & Co. noch einige Pläne. Der Fuhrpark soll zum Beispiel vergrößert werden. Vorausschauend hat man die Garage schon größer angelegt. Möglicherweise soll die neue Draisine im E-Betrieb laufen.

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