Manfred Rekowski

„Die Zukunft der Kirche hängt nicht an mir“

Manfred Rekowski am Samstag bei der Amtseinführung des neuen Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland. Foto: Hans-Jürgen Bauer/dpa
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Manfred Rekowski am Samstag bei der Amtseinführung des neuen Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland.

Manfred Rekowski ist als Präses der Evangelischen Kirche in den Ruhestand verabschiedet worden.

Das Gespräch führte Michael Bosse

Wuppertal. Acht Jahre lang war Manfred Rekowski Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, stand der 63-Jährige als leitender Geistlicher an der Spitze der zweitgrößten Landeskirche Deutschlands. Am Samstag wurden der frühere Superintendent des Kirchenkreises Wuppertal mit einem Gottesdienst aus dem Amt verabschiedet und sein Nachfolger Thorsten Latzel als Präses eingeführt. Im Gespräch zieht Rekowski ein Fazit und blickt ein wenig voraus.

Herr Rekowski, wie ist Ihre Gefühlslage kurz nach dem Abschied aus dem Amt?

Manfred Rekowski: Das Amt des Präses ist eines, das mit sehr vielen Verpflichtungen und Terminen verbunden ist. Man muss viel kommunizieren. Ich habe die Aufgaben eines Präses acht Jahre lang sehr gerne erfüllt, aber jetzt habe ich auch ein Gefühl der Erleichterung. Wenn ich in den Kalender gucke und sehe, dass es da Lücken gibt, ist das schon eine ganz neue Erfahrung.

Haben Sie sich für den Ruhestand schon etwas vorgenommen, haben Sie bestimmte Pläne?

Rekowski: Zum einen bin ich noch bis Mai Vorsitzender der Kammer für Migration und Integration der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Im privaten Umfeld möchte ich die Kontakte zu Familie und Freunden wieder intensivieren; da musste ich wegen meines Präses-Amtes doch Kompromisse machen. Und dann bin ich ja auch noch Großvater, das ist auch eine sehr schöne Aufgabe, wenn man Kinder aufwachsen sieht, ohne selbst die Verantwortung dafür zu haben. In der Freizeit werde ich mich dem Garten widmen. Im dienstlichen Bereich habe ich mir vorgenommen, dass ich in meiner Gemeinde Wichlinghausen-Nächstebreck bei Gottesdiensten hin und wieder Predigten halten werde. Es ist mir ja ein Herzensanliegen, von der Liebe Gottes zu den Menschen zu sprechen. Zu meiner Arbeit in der Gemeinde gehörten aber immer auch praktisch-diakonische Dinge: wie Möbeltransporte für Flüchtlinge oder die Arbeit im Eine-Welt-Laden. Das Gemeindeleben braucht ja immer Menschen, die sich ehrenamtlich einbringen.

Die Nachfrage nach kirchlichen Angeboten ist ungebrochen.

Manfred Rekowski

Was war für Sie der Anlass, vor dem Erreichen der Pensionsgrenze in den Ruhestand zu gehen und es bei einer Amtszeit zu belassen?

Rekowski: In der Tat hätte ich noch eine halbe Amtszeit machen können. Ich hatte aber von Anfang an entschieden, dass für mich nach einer Amtszeit Schluss ist. Leitungsämter in der evangelischen Kirche werden ja immer nur auf Zeit übertragen. Es macht demütig und bescheiden, wenn man weiß: Die Zukunft der Kirche hängt nicht an mir! Ich finde zudem, dass ein Wechsel guttut und neue Bewegung bringt.

Welche Erfahrungen nehmen Sie aus Ihrer Arbeit als Präses mit?

Rekowski: Mein Motto für die Arbeit war: ‚Lernen durch Begegnung‘. Ich habe sehr viele Menschen und Orte besucht und Gespräche geführt. Das hat mich inspiriert. Durch eine Jugendsynode vor zwei Jahren haben wir zudem den jungen Leuten mehr Gehör in unserer Kirche verschafft. Das hat richtig viel Bewegung gebracht - auch für die Kirchenleitung, in der jetzt zwei 26-Jährige sitzen. Auch die Begegnungen mit Flüchtlingen – zum Beispiel in Malta oder im griechischen Lager Idomeni – haben mir gezeigt, dass es die Aufgabe der Kirche ist, Lobbyistin für Menschen und Menschlichkeit zu sein.

Wie schätzen Sie derzeit die Situation der Kirche ein, die Lage war sicherlich schon einmal einfacher?

Rekowski: Salopp gesagt: Die Nachfrage nach kirchlichen Angeboten ist ungebrochen. Gerade in Pandemiezeiten ist festzustellen, dass Menschen einen Ort brauchen, wo sie ihre Sorgen und Ängste zur Sprache bringen können. Der Bereich der Seelsorge ist enorm gefragt. Aber es gibt natürlich auch die Vorwürfe wegen sexuellen Missbrauchs. Auch in der evangelischen Kirche hat es leider solche Fälle gegeben. Wenn das Vertrauen von Menschen, die Schutz suchen, so missbraucht wird, hat das verheerende Auswirkungen auf die Opfer und es schadet massiv dem Auftrag und der Glaubwürdigkeit der Kirche. Und angesichts der finanziellen Herausforderungen der kommenden Jahre ist auch klar, dass sich die Kirche in ihren Strukturen und Arbeitsformen verändern muss.

Zur Person

Die Wurzeln von Manfred Rekowski liegen im polnischen Masuren. Im Alter von fünf Jahren verlässt er mit seiner Familie Polen und siedelt in die Bundesrepublik über. Erste Stationen dort sind Gladbeck und Lohmar-Honrath (Rhein-Sieg-Kreis). Rekowski studierte nach dem Abitur in Bethel, Marburg, Bochum sowie Wuppertal Theologie. 1986 wurde er Pfarrer in der Kirchengemeinde Wuppertal-Wichlinghausen. Parallel dazu war er von 1993 bis 2011 Superintendent in Wuppertal, zunächst des Kirchenkreises Barmen und dann, nach der von ihm vorangetriebenen Fusion, des Kirchenkreises Wuppertal. Von 2011 bis 2013 leitete er als Oberkirchenrat die Personalabteilung im Landeskirchenamt in Düsseldorf.

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