Oldtimer-Fahrzeug

Die „Dicke Berta“ sucht ein neues Zuhause

Dirk Jacobs von der Feuerwehr Cronenberg sucht Platz für die Dicke Berta. Foto: Andreas Fischer
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Dirk Jacobs von der Feuerwehr Cronenberg sucht Platz für die Dicke Berta.

Sie war bei vielen Großeinsätzen dabei: Die Feuerwehr Cronenberg will das Oldtimer-Fahrzeug erhalten, hat aber keinen Platz.

Von Friedemann Bräuer

Wuppertal. Die „Dicke Berta“ leidet seit Jahren unter Wohnungsnot. Obwohl sie bei den verschiedensten „Gastfamilien“ im heimischen Cronenberg und in Remscheid untergebracht war, ging es immer wieder zurück in die ursprüngliche Heimat in der Wuppertaler Kemmannstraße, wo aber auch kein Platz für sie ist. Daher sucht die Feuerwehr wieder einmal dringend nach einer Unterkunft für sie. Denn auch an der Kemmannstraße herrscht drangvolle Enge in der Wagenhalle der Freiwilligen Feuerwehr.

Viel gesehen auf wenigen Kilometern

Die Dicke Berta, wie sie von „ihrem“ Personal liebevoll genannt wird, ist ein voluminöses Tanklöschfahrzeug aus dem Hause Mercedes von stattlichen 7,7 Metern Länge, 2,48 Metern Breite und drei Metern Höhe. Mit rund 34 Jahren gehört sie zur Altersgruppe der Oldtimer und nimmt ihren aktiven vierrädrigen Kameraden den Platz in der viel zu kleinen Wagenhalle weg.

Deshalb suchen die Angehörigen der Freiwilligen Feuerwehr vom Löschzug Cronenberg einen Platz für ihr „altes Schätzchen“. Das wurde im März 1987 zugelassen und bietet mit einer möglichen neunköpfigen Besatzungsstärke als W-6307 mit vorn und hinten angebauter Feuerlöschkreiselpumpe, seiner im Heck eingeschobenen Tragkraftspritze, seinen Steck-, Klapp- und Schiebeleitern einen imposanten Anblick.

„Unser technischer Dienst hält die Berta auch gut in Schuss“, verrät Löschzugführer und Brandoberinspektor Dirk Jacobs mit einem liebevollen Blick auf den Oldtimer, der bei einer Laufleistung von nicht einmal 30 000 km auf eine durchaus bewegte Vergangenheit zurückblicken kann. „Die Pumpe ist insgesamt 113 000 Stunden gelaufen“, so Dirk Jacobs.

Vom Gift-Großeinsatz in Schwelm bis zum Flugzeugabsturz

Er erinnert an den Lagerhallenbrand in Schwelm 1993, als mit Giftstoffen versetztes Löschwasser in die Schwelme gelaufen war und ein Fischsterben ausgelöst hatte. Die Freiwillige Feuerwehr Cronenberg war damals mit der „Dicken Berta“ im Einsatz und hat mehrere Tage lang Löschwasser aus der Schwelme herausgepumpt, wie Dirk Jacobs berichtet. „Auch nach dem Flugzeugabsturz 1988 in Remscheid war unser Fahrzeug vor Ort“, erinnert Jacobs, der der Berta jetzt ihr Pensionärsdasein von Herzen gönnt.

Das wird allerdings hin und wieder für angenehme Einsätze unterbrochen. „Bei Kameradenabschieden ist die Berta mit dabei. Und vor allem bei Hochzeiten der Angehörigen unseres Löschzuges transportiert sie die Braut.“

Und weil die Dicke Berta, die bis 2009 treu ihren Dienst am Menschen verrichtet hat, eine Löschfahrzeug-Persönlichkeit ist, mit der man Ehre einlegen kann, ist sie auch bei Oldtimer-Treffen von Artgenossen ein respektables Anschauungs-Objekt. „Deshalb wünschen wir uns für unsere Dicke Berta auch eine angemessene Unterkunft. Sie hat es verdient“, bekräftigt Dirk Jacobs und bittet Interessenten, sich mit ihm unter 0202/47 66 66 in Verbindung zu setzen.

Das Fahrzeug am Dönberg ist seit 1966 im Dienst

Noch ein paar Jährchen mehr hat das alte TLF 16 vom Löschzug Dönberg auf der voluminösen Karosserie. Das Magirus-Fahrzeug wurde nämlich 1966 von der damaligen Freiwilligen Feuerwehr Neviges in Dienst gestellt, ist aber seit der Gebietsreform 1975 ein verdienter Dönberger, der 25 Jahre bis 1991 seine Pflicht getan hat. 1983 war das Fahrzeug von den Mitgliedern des Löschzuges auf die damals neuen 1-Flaschen-Atemschutzgeräte umgerüstet worden, und nach seiner „Pensionierung“ standen ihm viele unruhige Wochen bevor. „Unsere Kameraden haben das TLF 16 in rund 5000 Arbeitsstunden total auseinander genommen und wieder in den ursprünglichen Zustand von 1966 versetzt“, berichtet Löschzugführer Peter Schnell.

Bei einem der jährlichen Feuerwehrfeste, einem Höhepunkt für ganz Dönberg, wurde das glänzende feuerrote Schmuckstück den staunenden Gästen vorgestellt und auch in den folgenden Jahren liebevoll gehegt und gepflegt.

Nachdem es in seinen Dienstjahren bei hohem Tempo „schnell wie Feuerwehr“ nur kurze Fahrten zum Einsatzort zurücklegen durfte, geht es nun zu Ausstellungen und Oldtimer-Treffen öfter auf große Fahrt. „Zuletzt war unser Oldie sogar in Österreich“, erzählt Peter Schnell.

Doch wie sein jüngerer Cronenberger Artgenosse hat auch der Dönberger Oldtimer kein festes Zuhause mehr in der heimischen Wagenhalle. „Aber es steht sicher und gut geschützt bei einem befreundeten Landwirt“, beruhigt Löschzugführer Schnell.

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