Letzte Ruhe

Der seltsame Friedhof in Schöller

Während der evangelische Teil (r.) belegt ist, ist der städische Teil des Schöller Friedhofs unter den Bäumen leer und die Kapelle wegen Baufälligkeit geschlossen.
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Während der evangelische Teil (r.) belegt ist, ist der städische Teil des Schöller Friedhofs unter den Bäumen leer und die Kapelle wegen Baufälligkeit geschlossen.

Wuppertal. Kapelle dicht, Parzellen frei: Auf diesem städtischen Friedhof wird seit 70 Jahren niemand beerdigt

Von Martin Gehr

Die Situation ist seltsam: Der Wuppertaler Ortsteil Schöller besitzt einen eigenen Friedhof. Er befindet sich am Schöllerweg und besteht aus zwei Teilen: Für die eine Hälfte ist seit 2017 das Verwaltungsamt des Kirchenkreises Niederberg zuständig, zu dem die Evangelisch-reformierte Gemeinde Gruiten-Schöller gehört. Der andere Teil wird vom Grünflächenamt der Stadt Wuppertal verwaltet. Während der kirchliche Teil etwa 100 Gräber aufweist und ganz normal Beisetzungen stattfinden, sind die städtischen Parzellen komplett leer. Dort existiert kein einziges Grab, die Fläche liegt brach. Und das seit 70 Jahren.

Thomas Eiting, Pressesprecher der Stadt Wuppertal, weiß, warum: Laut dem Grünflächenamt gebe es jährlich maximal zwei Beerdigungsanfragen für Schöller. „Diese verweisen wir schon wegen der besseren Infrastruktur an den protestantischen Teil des Friedhofs, was auch bislang ohne Beschwerden geblieben ist.“ Für den städtischen Teil stünden Bestattungen in keinem Verhältnis mehr zum Aufwand.

Für Trauerfeiern wird die Dorfkirche genutzt

Weil eine höhere Bevölkerungsdichte vermutet wurde und die Stadt deshalb Erweiterungsflächen plante, kaufte sie in den 50er Jahren einen Teil des Friedhofs ab. Doch seitdem wurde dieser Teil nie belegt. Die Parzellen, zu denen durch die Bäume kaum Licht dringt, bilden eine vermooste Fläche. Hinter dem Tor führt eine gepflasterte Zufahrt zur Trauerkapelle, die einst von der Stadt errichtet wurde. Auf dem Vorplatz stehen acht Gießkannen und eine schiefe Laterne. Die Kapelle konnte zwar bei Bedarf angemietet werden, ist seit etwa drei Jahren aber aufgrund von Baufälligkeit gesperrt. Die Evangelische Gemeinde nutzt stattdessen die Dorfkirche.

„Wenn wir die weitere Fläche verwenden wollten, müssten wir den städtischen Teil und damit auch die Kapelle zurückkaufen“, sagt Anja Fritz, Presbyterin der Evangelischen Kirche im Rheinland. „Aber einerseits wollen wir keine baufällige Kapelle, die uns Kosten beschert, die wir nicht aufbringen können. Und andererseits ist unsere eigene Freifläche groß genug.“ Die protestantische Seite hat eine Größe von 2000 Quadratmetern, während der städtische Teil 1000 Quadratmeter besitzt. Ein Grund sei auch, dass es mittlerweile mehr Urnenbeisetzungen gebe, die weniger Platz verbrauchen. Früher habe der Anteil an Sargbeisetzungen 80 Prozent betragen, so Fritz weiter.

Die Presbyterin lebt seit fast 50 Jahren im Ortsteil Schöller und empfindet die Situation des brachliegenden Friedhofs wie viele Anwohner als normal. Die Stadt lässt das Gelände zudem pflegen und regelmäßig mähen, während für den kirchlichen Teil Friedhofsgärtner Martin Hoffmann aus Wülfrath-Düssel zuständig ist. Einzig die Zukunft der Kapelle scheint ungewiss, doch „das wird entschieden werden müssen, denn auch der beste Beton hält nicht ewig durch.“

Prominente Gräber

Unter den 100 Gräbern des Friedhofs in Schöller findet sich auch das Grabmal der Familie Hermann Oetelshofen, die zu den gleichnamigen Kalkwerken in Dornap gehören, sowie Gräber der Nachfahren des Astronomen Johann Friedrich Benzenberg, der in Schöller aufwuchs. Der evangelische Friedhof wurde 1873 eingeweiht. Zuvor diente der Kirchgarten direkt vor der Pfarrkirche als Gemeindefriedhof. Einige historische Grabsteine sind dort noch erhalten.

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