Der neue Wupperpark Ost hat Potenzial

Der neue Platz liegt zentral auf dem Weg zwischen Hauptbahnhof und Elberfelder Innenstadt. Foto: Stefan Fries
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Der neue Platz liegt zentral auf dem Weg zwischen Hauptbahnhof und Elberfelder Innenstadt.

Stadtplatz wird hauptsächlich als Durchgang genutzt – Für den Sommer sehen Menschen dort aber mehr Möglichkeiten

Von Miriam Karout

Wuppertal Der Wupperpark Ost hinter dem Impf-Pavillon am Döppersberg ist im Gegensatz zur Innenstadt an diesem kalten Winternachmittag ein ruhiger Ort. Ein älterer Herr schweift in Gedanken vertieft um die Beete, ab und an laufen Passanten in Richtung Bushaltestelle. Das einzige Geräusch macht die Schwebebahn, die über die Wupper zischt. Vielleicht ist der Wupperpark Ost noch nicht bei den Menschen angekommen, vielleicht ist es bei den niedrigen Temperaturen aber auch einfach zu kalt. Nur wenige verharren, bleiben auf den Bänken sitzen. Am frühen Nachmittag finden sich ein paar Schüler ein: Freundinnen, die aus einer Nudelbox essen, ein junges Pärchen, das sich etwas auf dem Handy anschaut und ein junger Mann, der raucht und telefoniert.

Vor dem Café Cosa unterhalten sich zwei rauchende Männer. Ein Blick durch die Glasscheibe nach drinnen verrät: Auch hier ist heute nicht allzu viel los. „Es kommen einige Gäste, viele gehen gegen Mittag aber wieder“, berichtet Gerda Altenberg, die in dem Café arbeitet. Ihren Namen hat die Redaktion geändert. Gerade eben hat jemand eine Essensspende abgegeben. Frisches Brot, eine Wurst und andere Lebensmittel liegen noch auf dem Tresen. „Es kommen sehr viele Spenden an. Gerade zur Weihnachtszeit, die Menschen sind sehr gutherzig“, meint Altenberg. Das habe sie positiv überrascht. Die Gäste aber seien noch ein wenig „blockiert“ wegen der 2G-Regelung.

„Ich glaube, es muss sich noch ein bisschen mehr rumsprechen.“

Gerda Altenberg, Café Cosa

Zwischendurch ist die Frequenz aber hoch, dann sind acht Gäste gleichzeitig da. Sie trinken ein heißes Getränk, nutzen die Toiletten, lesen ein Buch oder leihen es aus. „Die Gäste fliegen auf die Bücher“, berichtet Altenberg. Alkohol wird nicht ausgeschenkt, aber die Gäste dürfen eigenen mitbringen. Für ein friedliches Miteinander muss die Hausordnung eingehalten werden. Außerdem können drogenabhängige Menschen ihre Spritzen gegen saubere tauschen. Hunde sind willkommen, man achte aber darauf, dass es im Rahmen bleibt.

Das Café Cosa hat Stammgäste. Ungefähr sieben oder acht Leute kämen täglich vorbei, manche wöchentlich. Aber auch andere Gäste besuchen das Café, „auf einen Kakao zwischen den Zügen“. Jeder ist willkommen. „Ich glaube, es muss sich noch ein bisschen mehr rumsprechen“, so Altenberg. Den ein oder anderen neugierigen Blick durch die Glasscheibe gibt es auch an diesem Tag, denn die Passanten sind ebenfalls von den Büchern angetan.

Altenberg findet, der Platz vor dem Café sei gelungen. Vor allem die Grünflächen und die hellen Lampen. Aktuell ist der Park wohl mehr ein Durchgang als ein Aufenthaltsort. Häufiger sehe sie auch Mütter mit Kindern, die mit den Steinen der Beete spielen. Im Sommer werde der Ort sicherlich mehr genutzt.

Das meint auch Markus Schuberth von der Wuppertal Touristik im Pavillon, der den „Eingang“ zum Wupperpark Ost bildet. Für die Wuppertal Touristik sei der Standort positiv, weil er direkt am Bahnhof liege. Durch die Laufkundschaft habe man eine höhere Frequenz. Das moderne, luftige Gebäude spreche viele an, sei ein Aushängeschild für die Stadt Wuppertal.

Das temporäre Impfzentrum bringt auch neugierige Blicke. „Viele kommen hier rein und wollen sich hier impfen lassen“, sagt Schuberth schmunzelnd. Die Zwischennutzung des Pavillons als Impfstelle findet er wichtig.

Noch ist der Wupperpark Ost ruhig. „Das Potenzial wird sich erst im Sommer zeigen“, meint Schuberth. Die Terrasse mit Aussicht auf die Schwebebahn werde ein toller Ort zum Kaffee trinken sein. Den Zwischenraum zwischen Café Cosa und der Touristik sieht er als freundlich gestaltet. Mit den bepflanzten Inseln sei es einladender Ort.

Viele sind auf der Durchreise

Aktuell ist er aber hauptsächlich ein Durchgang. Auf der Durchreise sind hier viele. Er sei zum ersten Mal hier, sagt ein Mann, der in Richtung Pavillon eilt. Er habe heute einen Impftermin. Eine Passantin muss schnell in die Stadt. Jugendliche stellen ihre Shopping-Tüten auf Bänken ab, um wenige Minuten später weiterzuziehen. Eine Truppe mit Mountainbikes versammelt sich kurz und radelt dann davon. Über die ovalen Beete hüpft ein Junge, seine Mutter schiebt einen Kinderwagen. „Der Platz ist optisch ansprechend mit seinen organischen Formen“, meint Marlies Schindler.

„Ich kann mir vorstellen, dass hier ein guter Punkt zum Aufhalten ist“, ergänzt ihr Mann Wolfgang Schindler. Das Ehepaar ist aus Wermelskirchen zu Besuch, sie waren im Von der Heydt-Museum und ziehen nun weiter.

Der Wupperpark Ost hinterlässt einen positiven Eindruck. Mal abgesehen von der brüchigen Mauer. „Man hat gleich alle Elemente hier, mit der Schwebebahn, der Wupper“, analysiert Wolfgang Schindler. Seine Frau findet es schön, dass die alten Bäume integriert wurden. Sie sprechen aus Erfahrung, weisen darauf hin, dass sie im Bereich Stadtplanung tätig waren. Als Besucher können sie sich vorstellen, dass der Platz tolle Möglichkeiten für die schöne Jahreszeit bieten wird.

Der Wupperpark Ost wird – wie viele öffentliche Plätze und Parks – vom Wetter bestimmt. Es fängt an zu regnen und die Menschen huschen noch schneller. Mittlerweile sind auch die Bänke alle leer und selbst die Wartenden vor dem Impfzentrum suchen einen Unterschlupf unter dem vorstehenden Dach des Pavillons. Bis sich das wahre Potenzial des Wupperparks zeigt, wird es wohl noch dauern.

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