Im Gespräch

Bergische Oberbürgermeister diskutierten zum Thema „Globalen Wandel lokal gestalten“

Die drei bergischen Oberbürgermeister Tim Kurzbach, Uwe Schneidewind und Burkhard Mast-Weisz (v. l.) diskutierten unter anderem mit Isabel Riedel (2. v. l.), Pressesprecherin des Forums, und Sophia Merrem, Regionalpromotorin Bergisches Land.
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Die drei bergischen Oberbürgermeister Tim Kurzbach, Uwe Schneidewind und Burkhard Mast-Weisz (v. l.) diskutierten unter anderem mit Isabel Riedel (2. v. l.), Pressesprecherin des Forums, und Sophia Merrem, Regionalpromotorin Bergisches Land.

Bergisches Land. „Wir müssen aufpassen, dass wir nicht zu einer Elitediskussion verkommen.“

Von Waltraut Rass

Mit diesem Satz machte der Solinger Oberbürgermeister Tim Kurzbach (SPD) klar, dass es bei dem Thema „Globalen Wandel lokal gestalten“ um jeden einzelnen Bürger geht – egal, aus welcher Schicht. Die Sorgen um die aktuellen Krisen seien groß und gingen bis in den Mittelstand hinein. Die Bewegung müsse in die gesamte Gesellschaft getragen und dürfe nicht nur zwischen den Experten diskutiert werden.

Die drei Oberbürgermeister des bergischen Städtedreiecks waren der Einladung des Forums „Globale Verantwortung und eine Welt“ gefolgt und am Freitag nach Elberfeld ins Nachbarschaftsheim Wuppertal gekommen. Die Dialog-Veranstaltung trug den Titel: „Globalen Wandel lokal gestalten – wie machen wir im Bergischen die Welt zu einem nachhaltigeren und gerechten Ort?“ Unter den 37 weiteren Besuchern waren etwa Lehrer, Aktivisten, Wirtschaftsvertreter sowie Mitglieder von Vereinen und Organisationen, die sich mit Fairem Handel oder Städteplanung befassen.

Zunächst wurde jedem der drei Oberbürgermeister eine Frage gestellt, die sie innerhalb des Plenums beantworten sollten. Die erste Frage ging an Wuppertals OB Uwe Schneidewind: „Wie kann eine Kommune die internationale Zusammenarbeit zu Klimaschutz und Klimaanpassung fördern und unterstützen?“ Schneidewind erwähnte die Kooperation mit dem globalen Süden, hier insbesondere mit Nicaragua (Städtepartnerschaft), die immer ein guter Katalysator sei. „Wir haben in der Bergischen Universität in einem Bereich wirklich viele Netzwerke im globalen Süden, bei denen es um konkrete Zusammenarbeit zum Beispiel im Bereich Gewässerschutz und Abwässer geht.“ Hier sei mit chinesischen Kommunen eng zusammengearbeitet worden.

„Wie kann man trotz Inflation und steigender Kosten die Menschen für das Thema nachhaltiger und fairer Handel gewinnen und mitnehmen?“, lautete die Frage an Remscheids OB Burkhard Mast-Weisz (SPD). Er erzählte aus seinem Alltag. Von einem Fußball-Kollegen, der Marktleiter eines Einzelhandel-Unternehmens sei. Dieser sagte zu dem Politiker: „Weißt du, dass wir immer mehr Discounter-Produkte in unseren Markt aufnehmen müssen, weil sonst die Leute weglaufen und nicht mehr wiederkommen, weil sie es sich nicht mehr erlauben können?“ Stichwort Inflation, Energie, vieles mehr.

Der Bekannte erzählte außerdem von einem Kunden, der wegzieht, weil er sich die Miete nicht mehr leisten könne. Die Menschen hätten unheimliche Sorgen vor der Inflation, vor Energiekostensteigerungen, die sich in den Vorauszahlungen niederschlagen. Sie stellten sich die Frage: „Was können wir uns noch erlauben?“ Er frage sich zum Beispiel: „Gehört nicht Energie wie Wasser als Grundbedürfnis in öffentliche Hand?“

Kurzbach lässt sich von den Nachrichten nicht mehr zulullen

Weiterhin sieht es Mast-Weisz als Aufgabe an, durch Information und Kommunikation die Menschen zu überzeugen, sich für Produkte aus dem Fairen Handel zu entscheiden. „Dies muss nicht nur von anderen erwartet werden, sondern wir müssen selber zeigen, dass wir dasselbe tun. Das betrifft nicht nur Kaffee und Zucker, sondern auch andere Produkte, die nachhaltig geschaffen sind – beispielsweise Elektromobilität.“

Die Frage an Tim Kurzbach lautete: „Demokratie auf dem Rückzug, Kriege und Extremismus – wie kann internationale Partnerschaft bestehen bleiben und dem entgegenwirken?“ Kurzbach sagte, er wolle sich von immer neuen Horrormeldungen nicht mehr unterkriegen lassen. „Ich habe mich von einer Droge leiten lassen: Nachrichten!“ Er habe jeden Morgen sechs Zeitungen gelesen, dann die Nachrichten auf dem Handy. Er lese nach wie vor morgens Zeitung, lasse sich aber nicht mehr ständig „zulullen“. Er möchte sich vom Positiven leiten lassen: „Es gibt viel Schönes, was mich motiviert“.

Kurzbach will sich von Krieg und Terror nicht kleinkriegen lassen. „Es gibt Krisen hierzulande und weltweit, doch mutige Menschen brauchen Lösungen.“ So habe es für die Corona-Krise keine Blaupause gegeben und es habe gezeigt, dass man Fehler machen dürfe. Dennoch sei die Krise gemeistert worden. „Der größte Fehler ist, wenn man nichts macht.“

Birgit Timmermann aus dem Publikum zeigte offen ihre Kritik an den Statements der Oberbürgermeister. „Mir geht das alles viel zu langsam.“ Es müsste endlich mal der Turbogang eingelegt werden, gerade, wenn es den Leuten nicht so gut ginge.

Im weiteren Verlauf der Veranstaltung gab es einige Anregungen aus dem Publikum. Bernhard Erkelenz aus Solingen gab zu bedenken, der Faire Handel sei nur ein Feigenblatt, es gäbe heute nur einen Anteil von fünf Prozent von fair gehandelten Artikeln, 95 Prozent seien unfair gehandelt. Er setze sich bereits seit 50 Jahren für den Fairen Handel ein. Hier antwortete Burkhard Mast-Weisz, dass es die Möglichkeit gäbe, verstärkt regionale Produkte zu kaufen.

Gerhard Wohlauf aus Wuppertal machte deutlich, dass der Markt versagt habe und die Grenzen des Wachstums erreicht seien. Es bedürfe einer viel tieferen Kapitalismuskritik, da es eine strukturelle Unwucht zwischen dem globalen Süden und dem Norden gäbe. „Wir erleben, dass das demokratische Wirtschaftsmodell nicht zur Demokratisierung anderer Länder führt“, sagte der Wuppertaler.

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