Elberfeld

Demo nach Todesfall in Polizeigewahrsam

Die Initiative „Gerechtigkeit für Giórgos“ hat eine Demonstration in Elberfeld veranstaltet. Vor den zentralen City-Arkaden haben etwa 200 Menschen teilgenommen. Foto: Stefan Fries
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Die Initiative „Gerechtigkeit für Giórgos“ hat eine Demonstration in Elberfeld veranstaltet. Vor den zentralen City-Arkaden haben etwa 200 Menschen teilgenommen.

200 Teilnehmer kamen zu der Demonstration in Elberfeld

Von Juri Lietz

Wuppertal. Warum stirbt ein Mensch in Polizeigewahrsam? Und warum erfährt die Öffentlichkeit erst Tage später davon? Und warum findet ein hochrangiger Politiker, dass einem solchen Fall keine mediale Relevanz zusteht? Fragen wie diese wurden nun bei einer Demonstration in Elberfeld unter dem Motto „Gerechtigkeit für Giórgios“ vorgebracht.

Der 25-Jährige war am Morgen des 1. November am Brausenwerth nach einer Auseinandersetzung festgenommen worden und kurze Zeit später in Gewahrsam im Landgericht gestorben, nachdem ein Arzt ihm Blut hatte abnehmen wollen – laut Justizministerium an einem Herzinfarkt in Verbindung mit Drogen. Von der Festnahme gibt es Videos, aufgenommen von der Schwester des Verstorbenen, mit der er zuvor feiern gewesen war.

Für die Veranstaltenden der Demo sind die Umstände des Todes aufklärungsbedürftig. Initiator Araz Ardeyali sagt: „Wenn Giórgios mit seiner Schwester nach Hause gegangen wäre, hätte er dann auch einen Herzstillstand erlitten? Sicherlich nicht.“ Auch der Rückschluss auf Drogen ärgerte die Demonstrierenden – ein toxikologisches Gutachten stehe schließlich noch aus. Obwohl bisher nur ein Verdacht auf Konsum besteht, richten sich die Ermittlungen bereits gegen Drogendealer, nicht aber gegen die Polizei, in deren Obhut der Mann starb. Vertreter migrantischer Communities sprachen bei der Kundgebung vor dem Hauptbahnhof deshalb über Vorurteile, die ihrer Meinung nach oft zu vorschnellen Schlüssen seitens der Behörden führten.

So appellierte beispielsweise Naciye Alpay bei der Demo: „Wir haben als interessierte Menschen die Aufgabe, diesen Fall zu begleiten.“ Sie betonte den Wunsch nach ehrlicher Aufklärung: „Egal, was der Fall mit sich bringt: Man kann nicht zur Tagesordnung übergehen.“ Das aber ist der Vorwurf, weil erst eine Woche später darüber informiert wurde.

Einige ideologische Parolen konterkarieren die Demo

Der Demonstrationszug durch die Innenstadt, dem sich rund 200 Menschen anschlossen, war allerdings von einigen ideologischen Parolen geprägt, weshalb dazu aufgefordert werden musste, beim Thema zu bleiben. Auch griechische Teilnehmende, besonders betroffen, mussten ihre Sichtbarkeit zwischenzeitlich sichern. Es gab Zwischenkundgebungen sowohl an der Hofkamp-Wache als auch am Landgericht, wo der junge Mann gestorben war. Hier wurden Blumen und Kerzen niedergelegt.

Die Schwester des Verstorbenen trat selbst auch ans Mikrofon: „Danke für eure Unterstützung. Ich möchte nur wissen, warum mein Bruder gestorben ist.“

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