Wuppertaler Zoo

Debatte um Bili: „Bonobos sind ein bisschen wie Hooligans“

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Bonobo Bili hatte inzwischen auch einige positive Kontakte zu seinen Artgenossen im Wuppertaler Zoo.

WUPPERTAL Die Integration von Bonobo Bili macht Fortschritte. Der Wuppertaler Zoodirektor Arne Lawrenz nutzt zur Veranschaulichung einen ungewöhnlichen Vergleich.

Von Katharina Rüth

Bonobo Bili wird von seinen Artgenossen im Wuppertaler Zoo nicht nur gebissen. Vermehrt gibt es auch positive Kontakte. Und das bestärkt Zoodirektor Arne Lawrenz und die anderen Experten, die sich mit Bili befassen, darin, dass sie den eingeschlagenen Weg weitergehen wollen: Der junge Affenmann soll in die Gruppe der Bonobos integriert werden.

Seit Wochen wird Bilis Schicksal sehr emotional diskutiert. Tierrechtler machen dem Zoo Vorwürfe, weil Bili durch Angriffe aus der Gruppe blutige Wunden davontrug. Als Bilder im Internet veröffentlicht wurden, kam es zuDemonstrationen vor dem Zoo. Die Tierrechtler fordern, Bili an eine Affen-Station in Großbritannien zu geben. Zudem erhielt Direktor Arne Lawrenz sogar Morddrohungen.

Alles wird mit anderen Bonobo-Experten diskutiert

Beim Besuch unserer Zeitung im Menschenaffenhaus ist Bili mit Mato allein in dem Raum mit Glasscheibe, durch die die Zoobesucher sie beobachten können. Nebenan turnen die übrigen Bonobos über Baumstämme und Seile. Arne Lawrenz erklärt, dass sie die Gruppe öfter trennen: „Das ist in der Natur auch so, da würde ein einzelner Affenmann sich am Rande der Gruppe aufhalten und Freundschaften schließen.“

VORGEHEN

ÖFFENTLICHKEITSARBEIT Arne Lawrenz sieht die große Medienpräsenz auch als Chance, Wissen über die Bonobos zu vermitteln. Deshalb spricht er mit allen, die ihn kritisieren und erklärt das Vorgehen des Zoos.

FACHLEUTE Er sei überzeugt, dass der Zoo richtig handelt, sagt Arne Lawrenz, weil andere Experten ihnen Recht geben, darunter Fachleute aus den neun europäischen Zoos, die Bonobos halten, die Zooverbände, das Jane Goodall Institut und das Max-Planck-Institut für Primatologie.

Die Zusammensetzung der Extra-Gruppe wechsele, damit nicht ein Mitglied der Gruppe mit Bili ausgestoßen werde. Dabei gebe es nicht nur mit Mato, den ältesten Mann der Gruppe, positive Kontakte. Auch einer der Zwillingsjungen aus der Gruppe habe schon mit Bili gespielt und die beiden hätten sich gelaust. Und wenn die Weibchen heiß seien, hätten sie auch nichts gegen engeren Kontakt. „Bonobos sind ein bisschen wie Hooligans“, sagt Lawrenz, „stark in der Gruppe, aber einzeln ganz lieb“.

Bili und Mato klettern über Baumstämme, nehmen sich Gemüse vom Boden. Dabei reichen sie sich Stücke zu, später kommt es auch zu intensiverem Austausch: Sie lausen sich, kuscheln und es gibt auch sexuelle Kontakte zwischen den beiden Männchen – für Bonobos alltäglich. Und für Lawrenz eines der Zeichen dafür, dass die Integration funktionieren kann: „Die positiven Aktionen nehmen zu“, sagt Lawrenz. Das wissen die Zoo-Mitarbeiter, weil drei Kameras auf das Gehege gerichtet sind.

Ein Gremium von Fachleuten entscheidet über Bili

Ihre Beobachtungen diskutieren sie mit den Experten des Haltungs- und Zuchtprogramms für Bonobos. Denn es ist nicht der Wuppertaler Zoo allein, der über Bili entscheidet, sondern ein Gremium von Fachleuten. Das habe auch entschieden, dass Bili nach Wuppertal kommt, um hier den Männeranteil der Gruppe zu verstärken.

Mato ist mit mehr als 50 Jahren überdurchschnittlich alt. Weil es in Bonobo-Gruppen stets mehrere Männchen geben sollte, kam Bili. Der hat auch genetisch beste Voraussetzungen, gesunde Nachkommen zu zeugen. Damit in den Zoos eine stabile Population der Art lebt, die in der Natur bedroht ist.

Wann Bilis Integration gelungen ist, könne er nicht sagen, betont Lawrenz. „Das kann ein halbes Jahr dauern, vielleicht auch ein ganzes Jahr.“ Vielleicht bleibe er immer am Rande der Gruppe. Aber allein könnten Bonobos nicht leben.

Bilis Verletzungen hätten einige Besucher erschreckt, für Zoodirektor Lawrenz sind sie normal, er kennt auch schlimmere. Er hat schon früher Bonobos in eine Gruppe integriert, kennt diese Aggressionen. „Das ist Natur“, betont er. „Es ist die Frage: Wo wollen wir hin?“ Er malt das Zerrbild eines Zoos aus, in dem Löwen vegane Wurst essen und alle Tiere an Menschen gewöhnt sind, damit man sie streicheln kann. Er findet, gerade heute, da viele Menschen kaum Kontakt zur Natur haben, sollten Zoos sie ihnen zeigen.

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