Café Cosa

Das Sozialcafé im neuen Wupperpark ist eröffnet

Die Leiterin des Café Cosa, Klaudia Herring-Prestin, hofft auf guten Zuspruch für den neuen Standort. Foto:
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Die Leiterin des Café Cosa, Klaudia Herring-Prestin, hofft auf guten Zuspruch für den neuen Standort.

Wuppertaler Drogenszene soll sich wieder aus der Elberfelder City verlagern

Von Daniel Neukirchen

Wuppertal. Nach fast drei Jahren Pause hat das Café Cosa an seinem neuen Standort im Wupperpark-Ost nun eröffnet. Damit verschwindet auch der Bauzaun – und das Gelände soll vom Döppersberg jenseits des neuen Pavillons von Wuppertal Marketing begeh- und erlebbar sein.

Das Sozialcafé für Süchtige war früher traditionell der Treffpunkt der Elberfelder Drogenszene. Früher im Köbo-Haus, später übergangsweise auf dem Kirchplatz, wo es immer wieder zu Konflikten mit den direkten Anwohnern kam. Nun trifft man sich am Kipdorf im Schatten der City-Arkaden.

Geplant ist allerdings, dass sich dieser Schwerpunkt ab sofort wieder verlagert. Klaudia Herring-Prestin, Leiterin von Café Cosa und Gleis 1, sagt dazu: „Wir können niemandem sagen, wo er sich aufzuhalten hat. Aber meine 14 Jahre Erfahrung sagen mir, dass das Angebot angenommen werden wird.“

Die Händler wurden ungeduldig

Spätestens seit Wuppertal Marketing am 25. Oktober die Türen geöffnet hat, seien ständig Anfragen gekommen, wann das Café Cosa denn endlich öffne. Die Süchtigen haben die Anlaufstelle vermisst. Aber auch die Händler rings um den Döppersberg wurden allmählich ungeduldig.

Direkt vor der Tür von Autec Hörgeräte am Kipdorf stehen an Freitagabenden regelmäßig 20 bis 30 Menschen aus der Drogenszene, berichtet Fachgeschäftsleiter Dennis Reimann. Laute Musik und Hundegebell würden bei den Messungen im Laden stören. Mitarbeiterin Ramona Breitenbach bemerkt, dass das mitunter auch schädlich fürs Geschäft sei: „Die Kunden trauen sich manchmal nicht rein.“ Und Reimann fügt hinzu: „Ich will den Leuten ja nichts Böses, aber wir würden uns schon glücklich schätzen, wenn sich die Szene verlagert.“ Die Hoffnungen ruhen auf der Neueröffnung. Denn: Im Café Cosa bietet sich den Süchtigen viel Raum mit Aufenthaltsqualität.

Kein Konsum vor Ort – aber saubere Spritzen

Durch die Verglasung des Neubaus, der optisch ein Zwillingsbruder des Marketing-Pavillons zum Döppersberg hin ist, ist der Eingangsraum mit der roten Theke hell und freundlich gestaltet. Im Café Cosa werden den Gästen warme Getränke zu niedrigen Preisen geboten, hier gibt es Toiletten und saubere Spritzen. „Der Drogenkonsum ist bei uns aber nicht gestattet“, macht Leiterin Klaudia Herring-Prestin deutlich. Der einzige Wuppertaler Konsumraum, in dem geduldet wird, dass Süchtige illegale Drogen konsumieren, befindet sich am Gleis 1 am Döppersberg. Das ist nur durch eine Ausnahmegenehmigung des Landes möglich.

Neben Herring-Prestin gibt es im Café Cosa zwei Stellen für Sozialarbeiter und dreieinhalb Stellen für sogenannte Arbeitsanleiter. Sie koordinieren die anderen Mitarbeiter des Cafés, die über Maßnahmen des Jobcenters beschäftigt werden.

Vielen Menschen fehlte durch den Wegfall des Suchtcafés eine Anlaufstelle. Herring-Prestin rechnet mit 150 Suchtkranken, die regelmäßig das Café ansteuern. Zusammenaddiert mit den Streetworkern und dem Gleis 1 erreiche man aber geschätzte 500 Süchtige in Wuppertal.

In der Cosa-Pause habe sich die Szene verändert, sagt Herring-Prestin. Da habe die Pandemie eine Rolle gespielt. In Lockdown-Zeiten waren ihre Kunden die letzten Menschen auf der Straße. Es sei eine schwere Zeit gewesen, einige Menschen seien gestorben oder ins Gefängnis gekommen.

Sozialdezernent Stefan Kühn glaubt, dass das Café Cosa in der Zeit der Abwesenheit im Kopf der Bürger einen neuen Stellenwert erlangt hat.

„Es geht auch darum, Belästigungen zu reduzieren.“

Sozialdezernent Stefan Kühn

Er sagt: „Aus den Fragen, warum das Café an dieser Stelle eröffnen muss, wurden die Fragen danach, warum es denn so lange dauert.“ Kühn sieht das als Beweis, dass das Café Cosa gebraucht wird: „Es geht ja auch darum, die Belästigungen für den öffentlichen Raum zu reduzieren.“ Klar ist: Die Drogenszene war im öffentlichen Raum am Döppersberg über drei Jahre sehr sichtbar. Doch ganz ist die Frage noch nicht geklärt: Was passiert mit dem neuen Wupperpark-Ost mit seinen schicken Pflanzen-Inseln und den bequemen Holzbänken, wenn die Drogenszene „einzieht“? Herring-Prestin will sich für eine Durchmischung auf dem Areal einsetzen: „Das soll ein Park für alle sein – wir tun dafür, was wir können.“ So wolle sie etwa auf die Szene einwirken, wenn sich zeige, dass plötzlich alle Sitzplätze des Wupperparks mit Süchtigen besetzt sind. „Jeder hat das Recht, sich hier aufzuhalten“, sagt Herring-Prestin. Auch wolle das Team aktiv auf die Sauberkeit in der Umgebung achten. So wolle die Leiterin etwa Paten für die bepflanzten Inseln benennen, die darauf achten, dass diese nicht in kürzester Zeit vermüllt werden.

Dezernent Kühn setzt ebenso auch auf eine „unterschiedliche Zusammensetzung“ im Park, der dazu einladen soll, einen neuen Blick auf Wupper und Schwebebahn zu genießen. Kühn: „Wenn die Bürger den Park zu ihrem Park machen, nützt das allen.“

Hintergrund

Park: Für den Wupperpark sind Kosten von fünf Millionen Euro kalkuliert worden. Laut Baudezernent Frank Meyer bleibe man unter dieser Summe. Die zwei Pavillons haben rund drei Millionen Euro gekostet.

Rückzugsort: Das Café Cosa ist geöffnet von 11 bis 19 Uhr. Der Café-Bereich braucht voraussichtlich noch einige Tage, bis er seinen provisorischen Charakter verliert – in der ersten Woche wird improvisiert.

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