Baden bleibt verboten

Das Ökosystem hat sich erholt: Wupper ist in einem guten Zustand

Seit 1980 leben wieder Fische in der Wupper. Der Wupperverband registriert inzwischen 32 Fischarten im Fluss.
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Seit 1980 leben wieder Fische in der Wupper. Der Wupperverband registriert inzwischen 32 Fischarten im Fluss.

Wuppertal. Interstitial: Das ist gewissermaßen das Flussbett, also die Lücken zwischen dem Kies auf dem Boden eines Fließgewässers.

Von Alina Komorek

Hier wimmelt es vor Leben, hier wuseln Insekten, Larven und Kleinstlebewesen herum, hier ist Bewegung drin. Das war aber nicht immer so. Vor einigen Jahrzehnten wimmelte hier nicht mehr viel, denn einst war die Wupper ein Abwasserfluss. Früh wurde die Wasserkraft der Wupper genutzt, später wurde das Wasser zum Bleichen von Garnen verwendet und schließlich wurde die Wupper zur Kloake, in der Abwässer von Färbereien, Metall- und Chemiebetrieben landeten.

Das hat sich aber geändert, berichtet Ilona Weyer vom Wupperverband: „Die Wupper hat sich in den vergangenen Jahrzehnten positiv entwickelt, der einstige Abwasserfluss hat sich zum Lebensraum für zahlreiche Arten, darunter Lachse und Forellen, Eisvögel, Wasseramseln und Biber, gewandelt. Die Wupper ist heute sogar als Lachslaichgewässer ausgewiesen.“ Die Wupper hat sich als Ökosystem erholt, auch wenn seit der Mitte des 19. Jahrhunderts die intensive Nutzung durch die Industriebetriebe ihre Spuren hinterlassen habe. Inzwischen aber, da stimmt Helmut Wuttke vom Bergischen Fischereiverein und Vorsitzender der Fischereigenossenschaft Mittlere Wupper dem Wupperverband zu, handelt es sich bei der Wupper „alles in allem um ein gutes Gewässer“. Es seien nur noch wenige Schadstoffe zu finden. Die Fische aus der Wupper könne man bedenkenlos verzehren. Ihm bereite eher die aktuelle Wasserknappheit Sorgen, und auch den Renaturierungen der Wupper steht er eher skeptisch gegenüber. „Das sieht optisch schön aus, aber die Natur braucht ein bis zwei Jahre, bis sie sich an diesen Stellen wieder erholt hat.“

Fließgewässer und damit auch das Kiesbett erholen sich selbst, bestätigt auch Sven Funke als Teamleiter Altlastensanierung der Stadt Wuppertal. Aber: „Es gibt viele ehemalige Betriebe in Flussnähe und wir untersuchen viele altlastenverdächtige Flächen“, erklärt er. „Außerdem gab es hier noch große Auenbereiche, die überschüttet wurden mit allem, was die Menschen damals nicht mehr brauchten. Diese Flächen sind aber nur altlastenverdächtig – das braucht die Bestätigung durch eine Untersuchung.“

Gereinigtes Abwasser wird in die Wupper eingeleitet

Dass das Baden in der Wupper verboten ist, hat nach Angabe von Funke andere Gründe, die nichts mit den altlastenverdächtigen Stellen zu tun haben. So heißt es vom Wupperverband: „Dennoch kann die Wupper als Fluss in einem Ballungsgebiet den Anforderungen an ein Badegewässer gemäß EU-Richtlinie nicht gerecht werden. Zum Beispiel wird aus den Klärwerken des Wupperverbandes gereinigtes Abwasser in die Wupper eingeleitet. Bei starken Niederschlägen können Abschläge aus Regenüberlaufbecken in die Wupper und ihre Nebenbäche gelangen.“

Das Team Altlastensanierung habe auch nach dem Unwetter im vergangenen Jahr einige Untersuchungen an „empfindlichen Stellen wie auf überschwemmten Kinderspielplätzen“ vorgenommen. Vor allem in der Kohlfurth und in Beyenburg sei aufgespültes Sediment zurückgeblieben, die Böden und auch der Schlamm an diesen Stellen sei untersucht worden. „Schadstoffe waren in geringen Mengen enthalten – aber nicht so hoch, wie man es erwartet hätte“, erklärt Funke. Er könne sich nicht vorstellen, dass man durch das Baden in der Wupper – das natürlich trotzdem nicht erlaubt ist – über die Haut Schadstoffe aufnehmen könnte. „Nehmen wir das Beispiel Blei“, sagt er. „Im Schlamm nach dem Hochwasser sind 170 Milligramm Blei pro Kilogramm gefunden worden – auf Kinderspielflächen sind 200 Milligramm pro Kilogramm toleriert.“

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