„Das ist die Tarifpolitik der Zukunft“

Assessor Michael Schwunk (links), Leiter der VBU-Rechtsabteilung, und Rechtsanwalt Dr. Uwe Kirchhoff (rechts) wurden neu in die VBU- Geschäftsführung aufgenommen. Prof. Wolfgang Kleinebrink (mitte) ist seit 1. April Sprecher der Geschäftsführung. Foto: Anna Schwartz
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Assessor Michael Schwunk (links), Leiter der VBU-Rechtsabteilung, und Rechtsanwalt Dr. Uwe Kirchhoff (rechts) wurden neu in die VBU- Geschäftsführung aufgenommen. Prof. Wolfgang Kleinebrink (mitte) ist seit 1. April Sprecher der Geschäftsführung.

Die neue Geschäftsführung der Vereinigung Bergischer Unternehmerverbände im Interview

Das Gespräch führte Andreas Boller

Zum Tarifabschluss hat der Arbeitgeberverband Gesamtmetall ein Erklärvideo veröffentlicht. Das dauert mehr als fünf Minuten. Wer behält da noch den Überblick?

Wolfgang Kleinebrink: Bei der Vereinigung Bergischer Unternehmerverbände handelt es sich um eine Dachorganisation. Ein Dach, unter dem sich zehn Arbeitgeberverbände finden. Die Durchschnittsgröße der von der VBU vertretenen Betriebe liegt bei rund 100 Arbeitnehmern. Daher ist die Frage berechtigt, wie kleinere Unternehmen mit den Ergebnissen der Tarifverhandlungen umgehen. Wir treten an die Mitgliedsunternehmen mit entsprechenden Seminaren heran, auch in Form von Webinaren. Wir vermitteln die Ergebnisse der Tarifverhandlungen so, dass sie auch jeder, der nicht jeden Tag mit Arbeitsrecht beschäftigt ist, umsetzen kann. Wir bieten Webinare speziell für Personaler an, aber auch für Führungskräfte. Außerdem bieten wir zum Beispiel einen von Michael Schwunk entwickelten Tipp der Woche.

Michael Schwunk: Der Tarifvertrag ist nur scheinbar kompliziert, weil es ein Transformationstarifvertrag ist. Die Industrieunternehmen stecken im Transformationsprozess. Was in diesem Tarifabschluss so toll gelungen ist, ist das Baukastensystem. Es geht um freiwillige Angebote, nimmt man diese Optionen heraus, ist es ein relativ einfacher Tarifvertrag. Mit der Corona-Beihilfe ist im Grunde fast schon das Finanzielle erledigt.

Uwe Kirchhoff: Es handelt sich um eine Win-Win-Situation für Arbeitnehmer und Arbeitgeber, weil die Transformation, der Strukturwandel auf diese Weise begleitet wird.

Die Ziffer vor und hinter dem Komma spielt nicht mehr die entscheidende Rolle?

Schwunk: Im Zentrum des Interesses der Gewerkschaften steht die Begleitung des Transformationsprozesses, die Gestaltung der Zukunft. Das klappt in einer guten Sozialpartnerschaft. Dieser Tarifabschluss ist beispielhaft.

Kirchhoff: Nur wenn wie hier beide Verhandlungspartner eine gute Lösung finden, ist es ein erfolgreicher Abschluss.

Kleinebrink: Wir verhandeln Mindestleistungen. Wenn jemand etwas draufsatteln will, kann er das jederzeit tun.

Kann man die Einigung im Bereich Metall als positives Signal für andere Branchen bewerten?

Schwunk: In der Krise zeigt sich die Stärke der Tarifautonomie.

Kirchhoff: Das war jetzt der Abschluss Metall. Es muss sich zeigen, ob ein erfolgreicher Abschluss auch in anderen Bereichen möglich ist.

Kleinebrink: Es kommt auf die Gewerkschaft an. Es gibt welche – ich sage das jetzt einmal pointiert – die machen Mitgliederwerbung durch Radau. Da sieht das unter Umständen anders aus.

Schwunk: Im Großhandel liegen die Forderungen auf dem Tisch, da müssen wir sehen, wie sich das entwickelt. Das Problem ist, dass es einigen in der Branche gut geht, aber bei denen, die die Gastronomie beliefern, sieht es in der Pandemie schlecht aus.

Kleinebrink: Es ist wichtig, das Mittel zu finden, das alle vertretbar hinnehmen können. Dies ist das Kunststück im Tarifvertrag.

Was macht den Abschluss für die Metall- und Elektroindustrie so besonders?

Schwunk: Die Corona-Beihilfe gleicht die gestiegenen Belastungen der Arbeitnehmer in der Pandemie aus. Erstmalig ist es zudem mit diesem Abschluss gelungen, dass Firmen, denen es in der Krise schlechter geht und die eine gewisse Rendite nicht erreicht haben, Leistungen weglassen können.

Kirchhoff: Eine kleine Rendite wird dabei aber anerkannt, damit entsprechende Unternehmen investieren können.

Ist eine solche Klausel ein Novum in der Tariflandschaft?

Kirchhoff: Regelungen für den jeweiligen Betrieb im Baukastensystem, das ist aufwendiger, aber es ist die Tarifpolitik der Zukunft. Die Beratung durch die VBU ist übrigens über den Mitgliedsbeitrag abgegolten, es ist nicht so, dass mit dem Anruf wie bei einer Anwaltskanzlei schon die Uhr tickt.

Kleinebrink: Wir wollen noch stärker für die Mitgliedschaft in der VBU und die Akzeptanz des Arbeitsrechts werben. Wir wollen den Unternehmen zeigen, wie man mit dem Arbeitsrecht arbeiten kann. Das ist ein strategisch betriebswirtschaftlicher Ansatz. Unser neuer Slogan lautet: „VBU - viel mehr als eine Anwaltskanzlei“. Unsere Arbeitswirtschaftler beschäftigen sich mit Arbeitsschutz, mit dem Gesundheitsschutz oder mit Schichtsystemen. Wir befassen uns mit strategischen Überlegungen: Wie baue ich mein Unternehmen betriebswirtschaftlich auf. Was die VBU anbietet, ist ein Dreiklang. Wir informieren unsere Mitgliedsunternehmen – digital und in Präsenzveranstaltungen. Wir beraten die Unternehmen und vertreten sie gegenüber den Gewerkschaften, den Behörden und vor Gericht – bis hin zum Bundesarbeitsgericht.

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