„Damals waren wir hier Vorreiter“

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Anja Spilker (l.) und Sigrid Sommer-Goymann unterstützen Eltern nach dem Verlust eines Kindes. Foto: Anna Schwartz

Seit 20 Jahren kümmert sich das Wuppertaler Sternenkinder-Team um Eltern, die ihr Kind vor oder kurz nach der Geburt verloren haben.

Von Tanja Heil

Wuppertal. Eine Schwangerschaft ist für die meisten Eltern eine Zeit der Vorfreude und Erwartung. Umso schlimmer trifft es sie, wenn das Kind im Mutterleib oder während der Geburt stirbt. In Wuppertal kümmert sich seit 20 Jahren das Sternenkinderteam in solchen Fällen um die Eltern. Das Jubiläum feiert das Team am Samstag, 5. Oktober, mit einer Aktion in der Citykirche Elberfeld.

1999 waren es Ordensschwestern der Landesfrauenklinik, denen das große Leid verwaister Mütter auffiel. Damals wurden Frühgeburten einfach mit dem Krankenhausmüll entsorgt. Niemand sprach mit den Frauen, das Thema wurde tabuisiert. Dabei sind solche Fälle gar nicht so selten: Beinahe jede fünfte Schwangerschaft endet laut Experten mit dem Verlust des Kindes.

In Wuppertal organisierten damals die Ordensschwestern gemeinsam mit dem Pfarrer und Zocher Bestattungen eine würdevolle Abschiedsfeier. „Damals waren wir in Wuppertal Vorreiter“, erzählt Sigrid Sommer-Goymann, Leiterin des Sternenkinderteams am Helios-Klinikum. Heute arbeitet sie eng mit Anja Spilker zusammen, der Leiterin der Sternenkinderambulanz der Bethanien Diakonissen-Stiftung am Bethesda-Krankenhaus.

Eltern können nun würdevoll Abschied nehmen

Gemeinsam organisieren sie dreimal im Jahr eine gemeinsame Bestattungsfeier für alle verstorbenen Kinder in der Citykirche Elberfeld – mit viel Musik, Luftballons und Kerzen. Zocher stellt dann einen hübsch bemalten Sarg zur Verfügung, in den alle Kinder hineingelegt werden. „Die Eltern suchen sich vorher ein Tuch aus, in dem ihr Kind bestattet wird, und können auch Spielzeug oder Plüschtiere hineinlegen, Geschwisterkinder ein selbst gemaltes Bild“, erklärt Sigrid Sommer-Goymann.

Ihr ist es wichtig, den Eltern viel Zeit für die Verabschiedung zu geben, ihnen mit Ritualen Kraft zu geben. Im ersten Moment wollen viele Eltern Abstand gewinnen, das verstorbene Kind nicht sehen. „Aber dann frage ich, ob sie nicht doch ein Händchen oder das Gesicht sehen wollen – später sind die Eltern dann immer froh, dass sie das gemacht haben“, erzählt die Kinder-Intensivschwester und Elternberaterin. Immer wieder erlebt sie, dass auch die Großmütter der verstorbenen Kinder die Fassung verlieren, weil sie selbst die gleiche Situation vor vielen Jahren auch schon erlebt haben; nur hatten sie damals keine Möglichkeit, sich in Würde von ihrem Kind zu verabschieden. Seit ein paar Jahren ist eine Bestattung auch von Sternenkindern gesetzlich vorgeschrieben.

Betroffen sind rund 800 Eltern im Jahr in Wuppertal. Bei manchen sind schon am Beginn der Schwangerschaft keine Herztöne mehr zu hören, bei anderen erst ganz am Ende. Manchmal ist ein Kind so krank, dass klar ist, dass es die Schwangerschaft nicht überlebt. Besonders schlimm sind die Fälle, wo das Kinderzimmer eingerichtet und alles vorbereitet ist und das Kind dann während der Geburt oder kurz danach stirbt.

Am zweiten Sonntag im Dezember brennen Kerzen für Sternenkinder

Außer den Gesprächen und den Gottesdiensten gibt es in Wuppertal das Sternenkinder-Café, das jeden ersten Donnerstag im Monat um 19.30 Uhr in der Auferstehungskirche am Bergischen Ring stattfindet. Zum „World Wide CandleLightning Day“ am zweiten Sonntag im Dezember veranstaltet das Sternenkinderteam ebenfalls in der Citykirche einen Gottesdienst um 19 Uhr.

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