Altstadt

Corona bedroht Düsseldorfs Top-Attraktion

Die Ratinger Straße am Mittwochabend vor dem Feiertag: Wo es normalerweise knüppelvoll wäre, herrschte Leere. ?Foto: Melanie Zanin
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Die Ratinger Straße am Mittwochabend vor dem Feiertag: Wo es normalerweise knüppelvoll wäre, herrschte Leere.

Ohne Enge und ohne Party sind viele Läden in ihrer Existenz bedroht – Wirte haben aber noch Hoffnung.

Von Alexander Schulte und Andreas Krüger

Düsseldorf. Normalerweise wäre in der Altstadt seit Mittwochabend die Hölle los gewesen. Ein langes Brücken-Wochenende und Sommerwetter: Da hätten sich Düsseldorfer und „Touris“ von den Junggesellenabschieden bis zu den Fußballvereinstouren nur so geknubbelt rund um die Bolker Straße. Stattdessen ist vor und in den Kneipen fast nichts los. Wie lange können die Gastronomen diese Flaute aushalten? Ja, ist das Geschäftsmodell Feiern an der längsten Theke der Welt prinzipiell bedroht? Zugespitzt: Droht Düsseldorf seine wohl bekannteste Attraktion zu verlieren?

Klar ist: Viel, wenn nicht alles wird davon abhängen, wann die Coronaschutzverordnung mit ihren Kontaktbeschränkungen und den Sicherheitsabständen aufgehoben wird. Düsseldorfs Oberbürgermeister Thomas Geisel ist vorsichtig: „Das kann im Moment niemand seriös vorhersagen, es scheint mir aber, dass es in diesem Jahr wohl keine Rückkehr zur Normalität geben wird“. Insofern sorgt er sich schon „um die Altstadt, wie wir sie kennen“, zumal die zweite Frage sei, ob die Leute sich wieder so eng auf die Pelle rücken mögen, wie das im Mittwochs- oder Wochenend-Altstadtleben angesagt war.

Diese grundsätzliche Angst hat Peter König nicht: „Das Partyvolk in der Altstadt wird sich nicht großartig verändern. Es wird noch einige Zeit dauern, aber dann ist alles wieder so wie früher“, glaubt der Füchschen-Inhaber.

Allerdings geht er auch davon aus, dass einige Kneipen wegen Corona auf der Strecke bleiben werden. „Schwer werden es Betriebe haben, wo es eng ist und nur Bier verkauft wird.“ Und: Insolvenzen könnten längere Leerstände nach sich ziehen, fürchtet König, weil das Risiko für große Investitionen derzeit zu hoch sei. Für das Füchschen, das mehrfach im Jahr zur Feier-Hochburg wird, ist er halbwegs unbesorgt, man habe eine stabile Kalkulation mit niedrigeren Umsätzen für die nächsten zwölf Monate aufgestellt.

„Wir sollten vorsichtig sein, wenn wir nochmal schließen müssen, wäre das für viele der Genickbruch.“
Thea Ungermann

Peter Klinkhammer ist da nervöser. „Wenn der Mindestabstand längere Zeit vorgeschrieben bleibt, kann ich schließen“, sagt der Inhaber des „Spiegel“, einer Institution auf der Bolker Straße. Klinkhammer ärgert, „dass die Politik uns keine Perspektive aufzeigt, da kommt nichts“. Dennoch: Das Ende des Altstadtlebens sieht er noch nicht gekommen, wohl aber müssten einige ihr Konzept anpassen: „Vielleicht bieten Diskotheken bald auch Speisen an.“

Isa Fiedler, Inhaberin des „Knoten“ und langjährige Sprecherin der Altstadt-Wirte, hofft, dass endlich ein „Rettungspaket Gastronomie“ geschnürt wird: „Die Soforthilfe ist nicht an die Betriebskosten, sondern an der Zahl der Mitarbeiter gekoppelt, was nicht viel Sinn ergibt.“ Was die Wirte außerdem dringend benötigten, sei ein Zeitplan. „Wir wissen ja gar nicht, für welchen Zeitraum wir mit den Vermietern verhandeln müssen“, sagt sie.

Bleibt die Frage, ob es in absehbarer Zeit wieder so feucht-fröhlich hoch hergeht wie vor Corona. Ja, ob das überhaupt wünschenswert ist. Längst schon hat sich bei vielen Düsseldorfern ein gewisser Altstadt-Überdruss wegen des grassierenden Sauftourismus’ breit gemacht. Allerdings bei Weitem nicht so wie in Köln, wo Einheimische die Altstadt wegen der Touristen möglichst komplett meiden. Die Düsseldorfer fühlen sich dagegen schon mit den Hausbrauereien und Traditionskneipen verbunden. Darauf setzt auch Isa Fiedler: „Wenn die Menschen wieder dürfen, dann werden sie auch kommen. Die Sehnsucht nach Party und Abwechslung ist immer da.“

Ähnliches hofft Dino Cesljas, „denn eine digitale Altstadt funktioniert nicht“. Er betreibt eine ganze Reihe von Läden in der Altstadt (u.a. Ballermann, Schweine Janes, Hausbar, El Lazo): „Die Situation ist ernst, aber die Altstadt wird mit ihrer Vielfalt bestehen bleiben“, sagt er, fügt freilich hinzu: „Wenn die Gesellschaft das möchte.“

Thea Ungermann von der Brauerei Schumacher erinnert daran, dass die Altstadt schon viele Krisen überstanden hat. Warnt aber zugleich eindringlich vor der Gefahr einer zweiten Virus-Welle: „Wir sollten sehr vorsichtig sein, wenn wir nochmal schließen müssen, wäre das für viele der Genickbruch.“

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