Corona-Krise

Für die Clubszene „wird es richtig, richtig eng“

Mit blinkender Weihnachtsbeleuchtung rief sich der Kitchen Klub an der Aue im Dezember in Erinnerung. Foto: Stefan Fries
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Mit blinkender Weihnachtsbeleuchtung rief sich der Kitchen Klub an der Aue im Dezember in Erinnerung.

Noch steht nicht fest, ob alle Diskotheken in Wuppertal die Corona-Pandemie überstehen werden.

Von Hannah Florian

Wuppertal. Nicht seit Wochen, nicht seit Monaten, sondern seit bald einem Jahr kann in Wuppertaler Clubs nicht mehr getanzt werden. Im Kitchen Klub an der Aue konnte am 21. März 2020 zum letzten Mal gefeiert werden. Die Mauke erklärte am 13. März 2020, vorerst die Türen geschlossen zu halten. An Karneval Ende Februar ging es im Barmer Bahnhof noch rund, die darauffolgenden Veranstaltungen wurden nach und nach abgesagt. Im Sommer öffnete die Location zwischenzeitlich mit Bar-Konzept und Außenterrasse.

„Uns geht es natürlich beschissen, wie allen anderen auch“, berichtet Nicolas Moll von der Mauke an der Schloßbleiche. Schließlich müssen laufende Kosten wie Miete und Müllabfuhr trotz geschlossener Türen weiter gedeckt werden.

„Unsere Rücklagen haben wir aufgebraucht“

Den Großteil bringen die drei Inhaber über Soforthilfen und andere Finanzierungspakete vom Bund auf. „Unsere Rücklagen haben wir bereits in den ersten Monaten des Lockdowns aufgebraucht“, sagt Moll. Zwei Mal wurde die Mauke im Sommer an Privatpersonen für Geburtstagsfeiern vermietet. „Wir befinden uns in einer hilflosen Situation und stehen an einem Punkt, an dem wir uns entscheiden müssen, ob wir weitermachen oder nicht.“ Die Soforthilfen seien keine Dauerlösungen. Sie würden die Miete deckeln, aber nicht die Kosten für die Angestellten, hauptsächlich 450 Euro-Kräfte. Der Zeitpunkt, an dem der Club kapitulieren muss, hängt laut Moll unter anderem von der beruflichen Situation der Betreiber ab, die als Club-Besitzer nur nebenher tätig sind, und von weiteren Finanzierungspaketen. „Aber so wie es jetzt aussieht, muss Ende Februar, Anfang März eine Entscheidung her“, prophezeit er.

„Es wird richtig, richtig eng“, erklärt auch Melanie Hachel vom Underground an der Bundesallee. „Wir sind zwar mit einem guten Finanzpolster in die Krise gestartet, konnten im Sommer den Biergarten betreiben und im Herbst hatten wir als Kneipe geöffnet, aber es lohnt sich nicht wirklich.“ Ob 50 Leute gemütlich am Tisch sitzen und ein, zwei Bierchen trinken oder 200 Menschen feiern, mache sich in der Kasse deutlich bemerkbar.

Die Sofort- und Überbrückungshilfen würden, wie auch in der Mauke, zwar die Fixkosten decken, aber nicht die Personalkosten. „Dabei brauchen wir gerade im Kneipenbetrieb viel mehr Personal als sonst.“ Um Kosten zu sparen, halfen die Betreiber Melanie Hachel und Dirk Rudowsky mehr als üblich hinter der Theke mit. Seit sechs Jahren sind sie Mieter des Clubs, Vermieter ist die Stadt Wuppertal. Auf die Bitte um reduzierte Pacht machte die Stadt vor dem Lockdown ein Gegenangebot: Entweder dichtmachen und keine Pacht zahlen, oder ein Sonderkündigungsrecht von einem Monat. „Wir wollten beides nicht“, äußerte sich Hachel im November. „Wir haben zwei richtig, richtig gute Jahre hinter uns, aber wenn es so weitergeht, müssen wir im neuen Jahr eine Entscheidung fällen. Das Schlimme daran ist, dass niemand weiß, wie lange wir durchhalten müssen. Sonst würde ich ja einen Kredit aufnehmen.“

Kitchen Klub: Im Sommer geht´s wieder nach draußen

Nicht ganz so hart von der Krise betroffen scheint Paolo Frisella vom Kitchen Klub an der Aue. „Wir hoffen, dass wir Ende des Jahres 2021 den Klub wieder öffnen können, oder schon im Herbst“, blickt er optimistisch in die Zukunft. Und zwar am liebsten direkt als Disko – „sonst eben nur als Bar-Konzept“. Das hatte Frisella bereits im Oktober vorgehabt. Doch gerade als er die Tanzfläche mit ausreichend Tischen und Hygiene-Trennwänden bestückt hatte, kam der November-Lockdown dazwischen.

Im vergangenen Sommer verlegten Frisella und sein Mitstreiter die Party kurzerhand nach draußen und eröffneten auf dem Platz vor dem Tanztheater, direkt neben dem Cinemaxx, für ein paar Wochen den Kitchen Beach mit Sand und bunten Cocktails. Ähnliches hat Frisella auch 2021 vor. Genaueres verrät er aber nicht. „Die ein oder andere Sache ist in Planung, aber noch nicht spruchreif.“ Finanziell sagt er, komme er mit Reserven und Hilfen vom Bund auf jeden Fall über die Runden – „so lange, wie eben nötig. Auf jeden Fall bis Ende des Jahres 2021.“

„Wir fahren die ganze Zeit auf Sicht“, erklärt Maik Ollhoff vom Loch, das sich nicht als reiner Club, sondern auch als Kunst- und Kulturzentrum definiert – und deswegen weiterhin Projektförderung bezieht, unter anderem von der Stadt Wuppertal. „Wir werden 2021 etwas Budget zur Verfügung haben, aber davon werden wir nicht alle Angestellten zwölf Monate lang bezahlen können“, prophezeit er.

2020 habe das Loch einiges durch Crowdfunding-Aktionen und Soforthilfen auffangen können. Im September und Oktober öffnete es sogar für zwei Monate seine Türen, bot Veranstaltungen, die die Gäste an Vier-Personen-Tischen sitzend besuchen konnten. Neben bezahlten Angestellten stemmen Ehrenamtliche einen Großteil des Loch-Betriebs. Für sie wird auch 2021 eine Herausforderung. „Wir hoffen, im neuen Jahr mehr nach draußen gehen zu können“, legt Ollhoff seine Pläne offen. Entweder auf den Vorplatz des Lochs (Plateniusstraße), oder an anderen Orten. „Wir sind für Ideen dankbar.“ Bis dahin streamt das Loch regelmäßig Veranstaltungen wie seine Kult & Klang Sessions auf Youtube.

Hintergrund

Als sich der Bundesverband deutscher Diskotheken und Tanzbetriebe (BDT) im Oktober traf, standen laut Dehoga 94 Prozent der teilnehmenden Clubbetreiber kurz vor der Geschäftsaufgabe. Für sie reichten „die derzeitigen staatlichen Hilfen bei Weitem nicht aus. Den Clubbetreibern und Discothekenunternehmern geht die Luft aus“, betonte Knut Walsleben, Präsident des BDT.

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