Wuppertal / Solingen

Circular Valley stärkt Plastic Fischer

Start-up gehörte zur ersten Gruppe der Initiative für Kreislaufwirtschaft – seitdem hat sich für die Gründer viel ergeben

Karsten Hirsch ist einer der Gründer von Plastic Fischer.

Von Nina Mützelburg

Bergisches Land. Sie waren ein Start-up der ersten Gruppe im Wuppertaler Projekt Circular Valley im vergangenen Jahr: die in Solingen gegründete Plastic Fischer GmbH, die ihren Sitz inzwischen in Köln hat. Damals hatten die drei Gründer ihre Idee vorgestellt, wie sie stark verschmutzte Flüsse vom Plastik befreien wollen.

Damit haben sie so viel Eindruck gemacht, dass sie noch am letzten Tag den ersten Vertrag unterschrieben haben. „Die Firma Knipex um Geschäftsführer Gustav Putsch haben wir so überzeugt, dass sie uns direkt ihr Vertrauen geschenkt haben. Das hat mich sehr beeindruckt“, erinnert sich Karsten Hirsch.

„Ohne das Circular Valley hätten wir nie den Zugang zu einem solchen Netzwerk gehabt“, so der Gründer weiter. Denn auf Knipex sollten bereits einige weitere Unternehmen folgen, wie Nadler Feinkost und die Allianz Versicherung.

Mit Plastic Fischer wollen Karsten Hirsch, Moritz Schulz und Georg Baunach ein Problem lösen, das im Urlaub förmlich an ihnen vorbeigeschwommen ist. Auf einem Trip nach Vietnam waren die Drei erschüttert, wie verschmutzt das Mekongdelta ist. Dafür muss es doch eine Lösung geben, dachten sie sich und entwickelten den sogenannten Trashboom.

Die schwimmenden Zäune bestehen aus Rohren und Gittern und filtern den Unrat aus dem Wasser. Anschließend kann dieser getrocknet und sortiert werden. Der Großteil ist nicht recycelbares Plastik. Das sind häufig Tüten, die aus mehreren Kunststoffschichten bestehen.

Diese Art Plastik wird dann an thermische Verwertungsanlagen weitergeleitet. Dort wird es mit Energierückgewinnung verbrannt. Das ist ein anerkanntes Verfahren und besser, als den Müll auf Deponien für ewig zu lagern. Weltweit könnte die Technologie der Plastic Fischer zum Einsatz kommen, denn das Problem der verschmutzen Flüsse gibt es in vielen Ländern.

Ganz besonders schlimm ist es in Indien und Indonesien. Hier sind die Trashbooms bereits im Einsatz. Rund 55 Mitarbeiter konnte das Start-up vor Ort zum Plastikfischen einstellen und gibt damit der lokalen Bevölkerung die Möglichkeit zu arbeiten.

„Wir arbeiten nach der Drei-L-Initiative. Sprich: Wir bieten eine ,Low-tech-Lösung’, die ,lokal’ auf ,Low-Cost-Ebene’ produziert werden kann. Uns war es ganz wichtig, ein einfaches System zu entwickeln, das überall skalierbar ist“, führt Karsten Hirsch aus.

Schwimmende Zäune, die sogenannten Trashbooms, halten den Müll in den Flüssen auf.

Denn Plastic Fischer verdienen ihr Geld nicht mit dem Verkauf ihrer Technologie. Die ist als Open Source jedem frei zugänglich. Das Unternehmen schließt Verträge mit Firmen, die sie für jede herausgefischte Tonne Plastik bezahlen oder auch ganze Standorte für eine bestimmte Zeit finanzieren. Die Unternehmen zahlen 1000 Euro pro Tonne. Dadurch werden alle Kosten des Unternehmens und seiner Mitarbeiter getragen.

Im vergangenen Jahr haben die Plastic Fischer 30 Tonnen Plastik aus den Flüssen geholt. In diesem Jahr sollen es schon 300 werden, 212 sind es bereits. Momentan bauen die Gründer mit Mitarbeitern vor Ort zwei weitere Standorte auf. „Wir arbeiten immer mit den Menschen vor Ort zusammen. Sie kennen die Menschen und die Kultur dort“, sagt Karsten Hirsch.

Momentan sucht er weitere Unternehmen für die Finanzierung. „Die Regierungen in den Ländern sind leider keine Option. Die interessieren sich nicht für die verschmutzten Flüsse“, sagt der Gründer.

www.plasticfischer.com

„Wir arbeiten
immer mit den
Menschen vor Ort zusammen.“

Karsten Hirsch, Gründer

Rubriklistenbild: © Plastic Fischer

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