Kreislaufwirtschaft

Circular Valley nimmt bei Vorwerk Fahrt auf

Volkmar Schlink, Carsten Gerhardt, Konrad Buck, Sven Stein, Michael Keil und Christian Höher (v.l.) stellen die Räumlichkeiten für den Circular Economy Accelerator auf dem Vorwerk-Werksgelände in Laaken vor. Dort soll sich bald schon alles um neue Konzepte für die Kreislaufwirtschaft drehen. Foto: Circular Valley
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Volkmar Schlink, Carsten Gerhardt, Konrad Buck, Sven Stein, Michael Keil und Christian Höher (v.l.) stellen die Räumlichkeiten für den Circular Economy Accelerator auf dem Vorwerk-Werksgelände in Laaken vor. Dort soll sich bald schon alles um neue Konzepte für die Kreislaufwirtschaft drehen.

In einem ehemaligen Werksgebäude in Wuppertal-Laaken werden Lösungen gegen Müllberge und die Verschwendung von Ressourcen gesucht

Von Andreas Boller

Wuppertal Wenn eine Idee Gestalt annimmt, dann kann das ein faszinierender Prozess sein. Die Wuppertalbewegung hat mit der Schwarzbach- und Nordbahntrasse bereits großartige Ideen umgesetzt, die im wahrsten Sinne des Wortes für die Nutzer der Trassen erfahrbar sind. Das neue Projekt der Wuppertalbewegung heißt Circular Valley. Es packt das zentrale Problem der linearen Wirtschaft an. Der schonungslose Verbrauch von Rohstoffen und Ressourcen zerstört ökologische und ökonomische Kreisläufe und befeuert die globale Krise des Klimawandels.

Dem Ausverkauf der Erde will die Wuppertalbewegung das Projekt Circular Valley entgegenstellen. Projekte, die in Wuppertal entwickelt werden, sollen zu einer neuen Qualität der Kreislaufwirtschaft beitragen. Der Ort für diese Zukunftswerkstatt ist mit einem ehemaligen Werksgebäude auf dem Firmengelände von Vorwerk in Laaken gefunden.

Dort, wo mit dem Saugroboter und dem Thermomix weltweit gefragte Industrieprodukte entwickelt wurden, geht auf einer Fläche von rund 1000 Quadratmetern der Circular Economy Accelerator an den Start. „Wir machen es ganz wie bei der Nordbahntrasse und packen es an. Uns war es wichtig, die Räume, die uns Vorwerk zur Verfügung gestellt hat, schon jetzt zu beziehen, obwohl die erste Kohorte von Start-ups und Firmengründern coronabedingt eine virtuelle sein wird“, sagt Carsten Gerhardt, Vorsitzender der Wuppertalbewegung.

Produkte auf dem Prüfstand

Unter Accelerator versteht man einen Ort, wo neugegründete Firmen intensiv von Experten aus der Wirtschaft und Wissenschaft betreut werden. Die jungen Unternehmen werden dabei unterstützt, Ideen beziehungsweise Produkte auf den Prüfstand zu stellen und weiterzuentwickeln. „Wir werden uns dabei mit Themen aus der realen Welt beschäftigen. Die Tonnen an Abfall, die wir produzieren, die sind real“, so Carsten Gerhardt.

Als erste Gruppe (Kohorte) werden etwa 15 Start-ups an den Start gehen, die sich zuvor bewerben müssen und dabei einen Auswahlprozess durchlaufen. Auf sie wartet ein viermonatiges Programm, in dem sie mit hiesigen Unternehmen in Kontakt gebracht werden.

„Sie erhalten als Unternehmen eine Grundbesohlung. Es geht um Themen wie Patentschutz oder Marketing und vieles mehr, die ihnen von Experten aus der Region vermittelt werden. Und es geht dabei um die grundsätzliche Frage: Wie mache ich aus meiner Idee ein Geschäft“, erklärt Gerhardt.

Jeweils im Frühjahr und Herbst soll eine Kohorte an den Start gehen. Mit vier Monaten ist für die Teilnehmer der Zeitraum bewusst knapp bemessen. „Der persönliche Austausch untereinander spielt eine wichtige Rolle in der kreativen Phase. Wer sich bei uns bewirbt, der hat schon mehr als nur eine Geschäftsidee zu bieten.“

Gerhardt ist überzeugt, dass Circular Valley auch internationale Interessenten anlockt. Schließlich gebe es keinen vergleichbaren Accelerator für das Gebiet der Kreislaufwirtschaft. Den besonderen Reiz mache aus, dass Circular Valley auf einer breiten Plattform mit Unterstützern aus Wirtschaft und Wissenschaft - zum Beispiel der Bergischen Universität und dem Wuppertal Institut - aufbauen könne. Circular Valley verknüpft mehr als 100 Marktführer in der Region, die sich ihrerseits Impulse für ihre Unternehmen erhoffen dürfen.

Ab dem 15. Februar nimmt Circular Valley Bewerbungen für die erste Kohorte an. Gesucht werden Start-ups, die dazu beitragen wollen, Emissionen und Müll mithilfe neuer Technologien, einem veränderten Produkt-Design oder neuen Geschäftsmodellen zu vermeiden.

Wuppertals Oberbürgermeister Uwe Schneidewind sichert dem Projekt Circular Valley die Unterstützung der Stadt Wuppertal zu. „Die Unternehmen sind bereit einzusteigen, die Kreislaufwirtschaft soll einer der Schwerpunkte unserer zukünftigen wirtschaftlichen Ausrichtung werden. Das Projekt wird Unternehmen aus der gesamten Rhein-Ruhr-Region auf Wuppertal aufmerksam machen“, sagt Schneidewind.

Sollte eines der jungen Unternehmen Interesse zeigen, sich am Standort Wuppertal anzusiedeln, dann werde es an der weiteren Unterstützung der Firmen durch die Wirtschaftsförderung vor Ort nicht fehlen.

Als früherer, langjähriger Präsident des Wuppertal Instituts ist Schneidewind selbst ausgesprochener Experte auf dem Gebiet der Kreislaufwirtschaft.

Circular Valley

Zukunft wird in Wuppertal gemacht - so heißt die Losung von Circular Valley. Das Tal der Wupper gilt als Wiege der Industrialisierung. An die große Geschichte will Circular Valley anknüpfen und Wuppertal zur Ideenschmiede für die Kreislaufwirtschaft machen. Schirmherr ist NRW-Wirtschaftsminister Pinkwart.

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