Prozess

Cannabis-Gärtner ernten Haftstrafen

Im vergangenen Dezember räumte die Polizei die Plantage nahe der Schwebebahnstation Westende. Archivfoto: Tim Oelbermann
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Im vergangenen Dezember räumte die Polizei die Plantage nahe der Schwebebahnstation Westende.

Plantage in Wuppertal hatte sich über vier Etagen erstreckt

Von Anne Palka

Wuppertal. Im Gerichtsprozess um eine Cannabis-Plantage auf vier Stockwerken ist ein Urteil gefallen. Fünf Angeklagte wurden zu Haftstrafen von drei Jahren und neun Monaten verurteilt, ein einschlägig vorbestrafter Angeklagter zu vier Jahren und drei Monaten. Sie hatten gestanden, sich in einem Haus an der Friedrich-Ebert-Straße nahe der Schwebebahnstation Westende um die illegalen Pflanzen gekümmert zu haben.

Die Plantage gegenüber des Bayer-Werks war im vergangenen Dezember entdeckt worden, nachdem ein Zeuge die Polizei darauf aufmerksam gemacht hatte, dass die Fenster mit blauer Folie abgeklebt waren. Bei einer Durchsuchung fanden Polizeibeamte nicht nur die Angeklagten im Alter zwischen 24 und 32 Jahren vor. Sie stellten auch 500 Cannabis-Pflanzen sicher, deren Ernte laut Anklage zwischen 160 und 230 Kilogramm Marihuana ergeben hätte, mit einer Wirkstoffmenge von 27 bis 38 Kilogramm THC. Einige hatten Dolden. Eine Ernte habe es jedoch noch nicht gegeben.

Sechs Männer kamen unabhängig voneinander aus Albanien

Die sechs Männer waren unabhängig voneinander aus Albanien nach Europa gereist, in der Hoffnung, dort Arbeit zu finden. Ihre Anwälte schilderten die wirtschaftlich schwierigen Situationen, aus denen sie gekommen seien: Einer habe Geld für eine Operation des kranken Vaters verdienen wollen, ein anderer habe sein zweites Kind erwartet, aber die Miete der Wohnung nicht mehr zahlen können. In Deutschland seien sie dann angeworben worden. Ein Angeklagter habe beispielsweise an einem Kiosk in Düsseldorf einen Landsmann getroffen, der ihm Arbeit versprochen und nach Wuppertal gebracht habe. Es gehe um einfache Aufgaben. Dass es sich um eine illegale Tätigkeit handelte, soll er zu diesem Zeitpunkt noch nicht gesagt haben.

Sie hätten einen Fehler gemacht, sagten die Angeklagten mit Hilfe einer Dolmetscherin vor der Urteilsverkündigung. Das sei ihnen bewusst und werde nicht wieder vorkommen, entschuldigten sie sich. Die Staatsanwältin sagte, dass allen das Ausmaß mit der großen Menge an Pflanzen bewusst gewesen sein müsse.

In dem Haus an der Friedrich-Ebert-Straße sollten sich die Männer für wenige Tage um die Cannabis-Pflanzen kümmern. Einer sei seit zwei Tagen vor Ort gewesen, ein anderer seit fünf. Sie arbeiteten und schliefen dort. Die Bedingungen in den Schlafräumen seien schlecht gewesen, sechs sich unbekannte Menschen auf engem Raum, mit Gerümpel und Gestank. Die Plantage sei hingegen sehr professionell betrieben worden, mit Beleuchtung und Belüftungssystem.

Lohn für einen Tag illegaler Arbeit: 20 bis 70 Euro

Den Angeklagten seien 700 Euro für eine Woche oder zwischen 20 und 70 Euro für einen Tag Arbeit angeboten worden. Letztendlich erhielten sie ihn nicht und verbrachten die vergangenen sieben Monate in Untersuchungshaft. Auch die nächste Zeit werden sie im Gefängnis sein. Sie wurden wegen Drogenbesitzes und Beihilfe zum Handel verurteilt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Ihre Anwälte hatten für Bewährungsstrafen plädiert. Ihre Mandanten hätten lediglich „gärtnerische Tätigkeiten“ durchgeführt, die Pflanzen jedoch nicht besessen oder Marihuana verkaufen wollen.

Sie seien „von den eigentlich zu bestrafenden Personen angelockt“ worden, sagte ein Anwalt. Wer die Hintermänner waren, bleibt unklar. Sie konnten nicht ermittelt werden. Kontaktdaten hätten die Angeklagten nicht gehabt. Neben den Cannabis-Pflanzen fanden die Polizisten in dem Haus auch eine halbautomatische Pistole mit zehn Schuss Munition. Sie lag in einem Socken griffbereit auf einem Regal im Schlafbereich. An ihr konnten DNA-Spuren von zwei Angeklagten nachgewiesen werden. Für sie hatte die zuständige Staatsanwältin in ihrem Plädoyer höhere Haftstrafen von fünf Jahren und drei Monaten gefordert.

Hintergrund

Im verhandelten Fall ging es um Drogenbesitz und -handel. Dabei liegt der Strafrahmen laut Staatsanwältin bei einer Freiheitsstrafe zwischen einem und 15 Jahren, in minderschweren Fällen zwischen drei Monaten und fünf Jahren.

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