Protest zeigt Wirkung

Burger Landstraße: 20 Bäume bleiben stehen

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Der Landesbetrieb hat die geplanten Fällungen nach Bürgerprotest zurückgestellt. (Archivfoto)

Der Landesbetrieb räumt eine Schonfrist bis Oktober 2020 ein. Dies sei eine Konsequenz aus den anhaltenden Bürgerprotesten.

Von Kristin Dowe

Solingen. Diese Nachricht dürfte viele Bürger freuen, die gegen die geplanten und teilweise schon vollzogenen Baumfällungen an der Burger Landstraße protestiert hatten: Die 20 verbleibenden Bäume, die für die Fällung vorgesehen waren, bleiben vorerst stehen. Das teilt der zuständige Landesbetrieb Straßen NRW mit. Ursprünglich sollten 35 Bäume beseitigt werden, 15 davon sind bereits gefällt.

Der Aufschub sei auch eine Konsequenz aus den anhaltenden und lautstarken Protesten, räumt Susanne Schlenga, Sprecherin von Straßen NRW, auf Nachfrage ein. „Uns ist bewusst, dass die Kommunikation mit der Stadt Solingen in Bezug auf die Arbeiten sehr unglücklich gelaufen ist“, sagt Schlenga. „Nach einigen internen Diskussionen haben wir den Entschluss gefasst, die Bäume in dieser Fällsaison noch stehenzulassen.“

Grundsätzlich behielten die Baumkontrolleure von Straßen NRW die betroffenen Ahornbäume aber streng im Auge. Die laufende Fällsaison endet Ende Februar und beginnt wieder im Oktober. Allerdings würden die Baumkronen in der nächsten Vegetationsphase „umfangreich zurückgeschnitten“, kündigt Schlenga an. Dieser Schritt sei wegen der dort verlaufenden Oberleitungen alternativlos.

Auch bedeute der Aufschub nicht, dass die Bäume nun mit Sicherheit nicht gefällt werden – vielmehr werde ab Oktober in jedem Einzelfall entschieden und die Situation neu bewertet. „Die Bäume haben an der Burger Landstraße leider aus mehreren Gründen einen schlechten Standort“, erklärt Schlenga. So seien sie dort zwischen Radweg und Straße regelrecht eingepfercht, so dass sich das Wurzelwerk nicht so ausbreiten kann, wie es bei einem gesunden Baum notwendig sei. Der hohe Versiegelungsgrad der Straße sowie der rege Autoverkehr auf der Burger Landstraße seien weitere Faktoren, die die Bäume unter Stress setzten. „Die Lebenserwartung eines Baumes ist dort einfach nicht so hoch wie auf einer freien Wiese“, so Schlenga weiter.

Mitarbeiter von Straßen NRW hätten zuletzt immer wieder Totholzbildung an den Bäumen beobachtet. „Wenn ein Ast nicht mehr richtig versorgt wird, stirbt er ab und kann dann auf die Straße stürzen.“ Dies sei nicht nur ein Symptom dafür, dass der Baum angeschlagen ist, sondern auch eine ernstzunehmende Gefahr für den Straßenverkehr. „Uns ist klar, dass die Bäume viele wichtige Aufgaben erfüllen. Sie haben für Autofahrer eine Leitfunktion und auch eine beruhigende Wirkung. Deshalb machen sich unsere Baumkontrolleure die Entscheidung für oder gegen eine Fällung niemals leicht.“

Entscheidung über Fällung ist oft eine Gratwanderung

Dies bestätigt Gerhard Schmidt, Ingenieur für Landespflege, der als Baumkontrolleur für Straßen NRW im Einsatz ist. Bei problematischen Bäumen wie an der Burger Landstraße müsse er bei jedem einzelnen Baum eine oft schwierige Entscheidung treffen. „Denn wir haben auch die Vorgabe der Verkehrssicherungspflicht.“ Kommt es durch herabfallende Äste oder gar einen umstürzenden Baum zum Unfall, kann der Landesbetrieb haftbar gemacht werden. „Die Bäume an der Burger Landstraße müssen jetzt ihren Lebenswillen beweisen“, sagt Schmidt.

Die Baumfällungen

PROTEST Die für Anwohner und auch die Stadt unangekündigten Fällungen an der Burger Landstraße hatten für Empörung gesorgt. In der Folge hatte sich die Gruppe „Solinger schützen Straßenbäume“ formiert, der fast 400 Mitglieder angehören. Auch an der Burgtalstraße wurde gefällt.

REAKTION Über den Aufschub freut sich auch Enrique Pless, Vorsitzender des Beirats Untere Naturschutzbehörde in Solingen. „Sollte es dennoch zu Fällungen kommen, sollte der Landesbetrieb sich unbedingt um Nachpflanzungen bemühen.“

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