Energieversorgung

Brennholz: Nachfrage klar gestiegen

Auch der Holzenergiehof (im Bild Mitarbeiter Dominik Sträßer) verzeichnet eine verstärkte Nachfrage nach Brennholz.
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Auch der Holzenergiehof (im Bild Mitarbeiter Dominik Sträßer) verzeichnet eine verstärkte Nachfrage nach Brennholz. Foto: Andreas Fischer

Viele Menschen suchen Alternativen zum Heizen mit Gas.

Von Christian Töller

Wuppertal. Die steigenden Gaspreise und die Frage, wie die weitere Entwicklung wohl aussieht, treibt aktuell die Menschen um. Neben Möglichkeiten, den eigenen Verbrauch zu senken, beschäftigt auch die Frage nach Alternativen viele Bürger. „Dabei geht es vor allem um Elektroöfen“, berichtet Reinhard Loch von der Verbraucherzentrale NRW. So besorgen sich zahlreiche Menschen Radiatoren oder Konvektoren als Alternative zur Gasheizung oder als Notheizung für den Fall, dass die Gasversorgung einbricht.

Als Möglichkeit, Kosten zu sparen, sind Elektroheizungen jedoch keine sinnvolle Alternative. „Mit Strom zu heizen, ist teurer, als mit Gas zu heizen“, betont Reinhard Loch. „Das gilt auch dann, wenn das Gas sehr viel teurer wird.“ Zumal auch die Stromkosten steigen können. „Wer sparen will, muss die Heizung runterdrehen“, sagt Reinhard Loch. „Mit Ersatzlösungen wie Elektroheizungen ist das nicht zu schaffen.“

Das gilt auch für Holzöfen beziehungsweise Kamine. Denn nicht nur die Nachfrage nach Elektroöfen ist gestiegen, sondern auch die nach Kamin- beziehungsweise Brennholz. Dieses ist stellenweise bereits ausverkauft, so wie bei „Kaminholz Wuppertal“. „Die Nachfrage ist immens“, berichtet Inhaber Volker Mucha. Diese liege bei der zehnfachen Menge als bisher.

Die Nachfrage ist seit Februar, März deutlich gestiegen.

Markus Osthoff, Holzenergiehof Wuppertal

Den Anstieg in der Nachfrage kann Volker Mucha zeitlich genau benennen, nämlich mit dem Beginn der Gaskrise. Mucha betreibt seinen Kaminholz-Handel im Nebenerwerb. Das Holz stammt von Bäumen aus einem Privatwald. Die Preise konnte er stabil halten. Insgesamt sind die Preise für Kaminholz beziehungsweise Brennholz deutlich gestiegen, wie auch Reinhard Loch von der Verbraucherzentrale bestätigt. „Wir raten nicht dazu, sich einen Holzofen anzuschaffen, um billiger zu heizen. Das funktioniert nicht.“ Neben den gestiegenen Holzpreisen müssten auch weitere Kosten einbezogen werden. Insgesamt besitzen laut Loch aktuell zwischen acht und zehn Millionen Menschen einen Holzofen oder einen Kamin.

„Der Holzofen ist der klassische Zweitofen“, sagt Loch. Beachten müsse man auch, dass der Wirkungsgrad bei modernen, guten Holzöfen bei 75 bis 80 Prozent liegt, gegenüber 90 bis 95 Prozent bei Gasheizungen. Bei offenen Kaminen liegt der Wirkungsgrad bei 40 bis 45 Prozent, bei geschlossenen Kaminen immerhin bei 60 bis 65 Prozent.

Für viele Menschen scheinen Holzöfen oder Kamine dennoch eine beliebte Alternative oder zumindest Ergänzung zur Gasheizung zu sein. „Die Nachfrage ist seit Februar, Anfang März deutlich gestiegen“, bestätigt auch Markus Osthoff, Betriebsleiter Energie und Handel beim Holzenergiehof Wuppertal. Um 50 Prozent sei die Nachfrage gestiegen, diese habe sich auch räumlich ausgeweitet und komme nun teilweise bis aus dem Kölner Raum. Dabei steigt auch die Menge, die angefragt wird. „Die durchschnittliche Menge lag im vergangenen Jahr bei zwei bis drei Kubikmeter“, berichtet Osthoff. „Heute ist es die drei- bis vierfache Menge.“ Dabei verkauft der Holzenergiehof jedoch weiter auf dem Vorjahresniveau, um möglichst vielen Kunden Holz liefern zu können. „Wir unterstützen das Hamstern nicht.“

Durch die verstärkte Nachfrage kommt es auch zu Lieferengpässen. „Die Bestände sind knapp“, sagt Osthoff. Dabei kommt dem Holzenergiehof noch zugute, dass er über eine Trockenkammer verfügt, mit der „wir das Holz in sieben bis zehn Tagen anstatt wie normal in zwei Jahren trocknen können“.

Als Reaktion auf die gestiegene Nachfrage und die begrenzten Bestände hat der Holzenergiehof einen Newsletter eingerichtet, mit dem der Betrieb seine Kunden informiert, wann Holz wieder vorrätig ist. „Das ist für uns die fairste Lösung, denn so hat jeder Kunde die gleiche Möglichkeit, Holz kaufen zu können“, sagt Osthoff. Für ihr Brennholz müssen die Kunden jedoch tiefer in die Taschen greifen. „Die Preise sind um 30 bis 40 Prozent gestiegen“, berichtet Osthoff. Dabei spielen auch gestiegene Beschaffungs- und Produktionskosten eine Rolle. „Das Stammholz, aus dem wir das Brennholz fertigen, ist im Einkauf um bis zu 50 Prozent teurer geworden. Auch die Kosten für Strom und Benzin sind gestiegen.“ Eine weitere beliebte Alternative ist der Pelletofen, der ebenfalls nur als Ergänzung und nicht als Ersatz für Gas- oder Ölheizungen geeignet ist. „Wer noch keinen solchen Pelletofen hat, der bekommt diesen bis zum Winter nicht mehr eingebaut“, erklärt Reinhard Loch.

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