Gastbeitrag

Breed and feed: Affen werden im Wuppertaler Zoo nicht verfüttert

Manche Tiere, wie zum Beispiel Antilopen, dürfen sich fortpflanzen, auch wenn der Nachwuchs später überzählig ist. Dieser dient dann als Futter für die Raubtiere. Bei den Affen ist ein solches Vorgehen hingegen nicht üblich. Foto: C. Philipp/Zoo
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Manche Tiere, wie zum Beispiel Antilopen, dürfen sich fortpflanzen, auch wenn der Nachwuchs später überzählig ist. Dieser dient dann als Futter für die Raubtiere. Bei den Affen ist ein solches Vorgehen hingegen nicht üblich.

Gibbons sollen eine mehrjährige Zuchtpause einlegen.

Von Dr. Lisa Grund, Zootierärztin

Wuppertal Die Weißhandgibbons mit ihren langen Armen und dem charakteristischen Gesang sind eine beliebte Tierart bei unseren Besucherinnen und Besuchern im Wuppertaler Zoo. In ihrer Heimat Asien ist die Art stark bedroht, deshalb wird die Zoopopulation von einem europaweiten Zuchtbuch organisiert. Ziel ist es, eine stabile und krisenfeste Reservepopulation aufzubauen und zu erhalten. Nachwuchs wird dafür dringend benötigt, jedoch gibt es noch nicht genug Gehegeplätze in den Zoos. Es kann also zum Problem werden, einen Platz für die Nachwuchstiere zu finden, wenn alle Zoos fleißig züchten.

Unser Pärchen in Wuppertal hat letztes Jahr ein Jungtier bekommen – ein toller Erfolg für das Zuchtbuch! Jetzt sollen die Tiere zunächst eine mehrjährige Zuchtpause einlegen, damit ihr Genmaterial nicht zu stark vertreten ist und damit kein Platzproblem entsteht.

Solche Anforderungen der Zuchtbücher sind keine Seltenheit. Bei manchen Tierarten, wie zum Beispiel Hirschen oder Antilopen, dürfen sich die Elterntiere dann trotzdem weiter fortpflanzen. Sollten die Nachwuchstiere später tatsächlich überzählig sein, können sie stressarm und tierschutzgerecht bei uns im Zoo getötet und ihr Fleisch als hochwertiges Futter für unsere Raubtiere genutzt werden. So stellt man sicher, dass die Elterntiere fruchtbar bleiben und die Aufzucht von Jungtieren erleben können, und vermeidet unerwartete Engpässe im europaweiten Bestand der Tierart. Es ist ein Kreislauf des Lebens innerhalb des Zoos.

Bei Affen ist dieses Vorgehen nicht üblich. Eine Tötung überzähliger Gibbons ist für unsere Gesellschaft bisher nicht denkbar, und man vermeidet diese Situation durch hormonelle Verhütung. Wenn im Zuchtbuch dann wieder Nachwuchs von unserem Pärchen gebraucht wird, müssen wir hoffen, dass das Weibchen ohne Komplikationen wieder fruchtbar wird. Sicher ist das aber nicht.

Unsere Verantwortung für den Artenschutz und für ein ganzheitliches Tiermanagement lässt uns über solche Fragen immer wieder nachdenken und wird uns auch in Zukunft noch beschäftigen.

Zur Person

Lisa Grund, seit 2017 im Wuppertaler Zoo, ist promovierte Fachtierärztin für Zoo- und Wildtiere und kommt aus Dortmund. Nach ihrem Abschluss 2013 in Leipzig forschte sie als Assistenzärztin im Duisburger Zoo für ihre Doktorarbeit über Blutparasiten bei Rentieren. Nach der Promotion ging sie in eine Dortmunder Praxis. Ihr Schwerpunkt dort: Vögel und Reptilien. An dieser Stelle schreibt sie regelmäßig über ihre Erlebnisse im Zoo. Seit dieser Woche sind dort wieder Besuche möglich.

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