Coronavirus

Brauhaus hat an der Krise schwer zu schlucken

Das Brauhaus ist ein Aushängeschild für Wuppertal. Mitgesellschafter Richard Hubinger hofft auf bessere Zeiten. Foto:
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Das Brauhaus ist ein Aushängeschild für Wuppertal. Mitgesellschafter Richard Hubinger hofft auf bessere Zeiten.

Corona-Pandemie und Ausfall der Schwebebahn machen dem Wuppertaler Gastronomie-Giganten zu schaffen.

Von Martin Lindner

Wuppertal. Es ist ein Leuchtturm der Gastronomie in Wuppertal: das Brauhaus in Barmen. Doch sein Licht droht aufgrund der Corona-Krise und des Dauerausfalls der Schwebebahn zu erlöschen. Große Sorgen macht den Betreibern, dass Gäste auch nach Lockerungen in der Gastronomie wegbleiben könnten.

Mit leuchtenden Augen erzählt Richard Hubinger, einer von drei Mitgesellschaftern des Brauhauses, von den Festen, die in dem markanten Ziegelsteingebäude im Herzen der Barmer Innenstadt gefeiert wurden – als 2000 Gäste, Schulter an Schulter, die Wände beim Public Viewing zur EM oder WM sowie an Karneval wackeln ließen. „Wir platzten aus allen Nähten“, so der Mitgesellschafter. Die Geschichten wirken wie aus der Zeit gefallen. „Die Warteschlange reichte bis hinters Rathaus“, denkt Hubinger lächelnd zurück. Doch auch Trauer mischt sich in seinen Blick. Wann diese Zeiten wiederkommen, in denen die Hütte rappelvoll war und 25 Security-Mitarbeiter am Einlass für Ordnung sorgten, weiß er nicht. Und ob dann noch die Schilder des Wuppertaler Brauhauses das Gebäude der ehemaligen Badeanstalt zieren, ebenso wenig.

Zwar fließen die staatlichen Hilfen, für die Hubinger sehr dankbar ist, auch weil er weiß, dass es sie in vielen anderen Ländern nicht gibt. Dennoch bereite ihm die Zukunft Sorgen: Wenn die strengen Corona-Beschränkungen fallen, und mit ihnen auch die finanzielle Unterstützung des Staates, muss er seinen Betrieb durch turbulentes Fahrwasser navigieren. Umfragen, aus denen er zitiert, ergaben, dass 80 Prozent der Menschen ein Lokal vorerst nicht aufsuchen würden, sobald sie wieder die Möglichkeit dazu hätten. Wegen des Virus. Für Gastronomen wie Hubinger ist dies eine Hiobsbotschaft. „Wir hätten große Mühe, bei der Wiedereröffnung den Betrieb aufrechtzuerhalten“, schwant ihm angesichts der hohen Kosten für seinen Betrieb nichts Gutes.

Mitarbeiter mussten in Kurzarbeit geschickt werden

Vor Corona hatte das Brauhaus jeden Tag geöffnet, bis auf wenige Feiertage. Mit dem Umsatz der vergangenen Biergartensaison zeigte sich Hubinger zufrieden. Jedoch fanden schon damals bei weitem nicht so viele Besucher wie in den Jahren davor den Weg in die Gaststätte. Derzeit müsste er alle seine Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken, zur Biergartensaison waren es rund die Hälfte. „Wir haben damals in Schichten und festen Gruppen gearbeitet, damit das Infektionsgeschehen nachweisbar wäre“, so der Brauerei-Chef.

Der Dauerausfall der Schwebebahn könnte sich neben der Corona-Krise als weiterer Sargnagel für das Wuppertaler Brauhaus erweisen. Als vor zwei Jahren schon einmal keine Bahnen hierher schwebten, wunderten sich die Mitarbeiter, wo plötzlich die Gäste blieben: Damals gab es deswegen rund 40 Prozent Umsatzeinbußen, rechnet Hubinger über den Daumen.

Ein Besuch im Brauhaus war vor Corona-Zeiten fester Bestandteil von Wuppertal-Touren. Auch seien oftmals Einheimische mit ihren Gästen von außerhalb gekommen, um ihnen die beeindruckende Lokalität zu zeigen und ihnen mitunter zu erzählen, dass sie dort vor vielen Jahren selber noch ihre Bahnen im Schwimmbecken gezogen haben.

Verkauf von Flaschenbier wurde eingestellt

In dem nahezu Vierteljahrhundert seines Betriebs hat das Brauhaus einige Höhen und Tiefen erlebt. Das Tagesgeschäft sei mit den 1000 Sitzplätzen generell wirtschaftlich nicht einfach zu stemmen, auch weil man keine großen Möglichkeiten habe, die Lokalität zu verkleinern, wenn weniger los ist. Ebenso haben sich Trinkgewohnheiten verändert: „Zwei Bier zum Mittagessen gibt es vielleicht noch in Bayern“, so Hubinger.

Firmenveranstaltungen fallen komplett ins Wasser, ebenso andere Feste wie Abibälle oder Hochzeiten. Aber auch Leute, die sonst gerne im Brauhaus zu Gast sind, haben ihr Ausgehverhalten verändert und blieben eher zuhause. Dabei sei das Brauhaus im ehemaligen Schwimmbad geradezu prädestiniert für die Einhaltung der Corona-Schutzmaßnahmen: Die Fläche ist mit 2000 Quadratmetern geeignet, um genügend Abstand zwischen den Gästen zu wahren, die Deckenhöhe beträgt 14 Meter. Bis sich die Lage jedoch wieder beruhigt hat und die Menschen ihr festes Vertrauen zurückgewonnen haben, dass sie unbeschadet ausgehen können, rechnet Hubinger mit wenig Chancen auf Aufschwung.

Auch das Bier, das das Wuppertaler Brauhaus in Eigenregie in riesigen Metalltanks – für die Gäste gut sichtbar bis unter die Decke der Halle – braut und in Flaschen abgefüllt verkauft, ist derzeit als Geschäftszweig weggebrochen. Der Abfüller habe sich in der Krise vom Markt verabschiedet, bedauert Hubinger. Und ein neuer, der den Bügelverschluss handhaben kann, sei nicht in Sicht. Das „flüssige Gold“, das derzeit in den Tanks liegt, wurde im Oktober gebraut. „Es ist vollkommen in Ordnung“, versichert Richard Hubinger – solange kein Sauerstoff an das alkoholische Getränk kommt. Aber nun liegt es erst einmal „auf dem Trockenen“.

Benni Oehl arbeitet schon seit 1999 im Brauhaus, das für ihn zu mehr als nur einer Arbeitsstätte geworden ist. Anfangs als Aushilfe tätig, ist er mittlerweile zum Schichtleiter aufgestiegen. „Ich liebe den Kontakt zu den Kunden und meinen Kollegen“, sagt er. Ohne das Brauhaus würde ihm etwas fehlen. Und vielen Wuppertalern sowie Gästen auch, für die das Brauhaus mehr ist als ein Ort, um sich die Kehle anzufeuchten. Es ist zu einem Stück Wuppertaler Kulturgut geworden.

Hintergrund

Das Brauhaus öffnete 1997 seine Pforten. Von 1882 bis 1993 war es eine Badeanstalt in der damals selbstständigen Stadt Barmen; sie gehörte zu den ersten deutschen Volksbädern. Nach aufwändigen Umbauarbeiten hauchte das Brauhaus dem denkmalgeschützten Gebäude neues Leben ein.

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