Opfer durchlebte Martyrium

Brandstiftung in Haan: Lange Haftstrafen

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Laut Staatsanwaltschaft setzten die Täter am 31. Mai 2017 das Haus des Opfers in Haan am Hermann-Löns-Weg in Brand. 

HAAN/WUPPERTAL Gericht verurteilte vier Angeklagte. Das Opfer (84) durchlebte ein Martyrium in seinem Haus.

Von Dirk Lotze

Für schweren Raub und Brandstiftung im Haus eines 84 Jahre alten Rentners in Haan müssen vier Angeklagte ins Gefängnis. Das Landgericht Wuppertal verurteilte einen 35 Jahre alten Mann zu elf Jahren und sechs Monaten Haft. Ein 41-Jähriger soll für siebeneinhalb Jahre ins Gefängnis. Zwei weniger belastete Angeklagte, ein 40 Jahre alter Mann und eine 45-jährige Frau, wurden zu drei Jahren und zehn Monaten beziehungsweise zwei Jahren und neun Monaten verurteilt. Der Vorsitzende Richter stellte in seinem Urteil fest: „Sie haben Ihr Opfer gezielt in Todesangst versetzt.“

Laut Staatsanwaltschaft drangen der 35-Jährige und der 41-Jährige sowie ein weiterer, mutmaßlicher Komplize am 31. Mai 2017 in das große Haus des 84-Jährigen ein. Sie hätten ihm eine Tasche über den Kopf gezogen, so dass er nichts mehr sah. Von dem Senior hätten die Angreifer mit massivem Druck immer mehr Geld gefordert: Sie würden ihm Finger abschneiden oder ihn lebendig in zwei Hälften teilen, sollen sie gesagt haben.

Dem Urteil zufolge brachten die Angeklagten das Opfer schließlich gefesselt und fast nackt auf seine Terrasse, verspritzten an mehr als 20 Stellen Brandbeschleuniger und legten Feuer. Der Hausbesitzer berichtete, er habe sich ohne Sicht eine Böschung hinabrollen lassen. Er habe die Hitze gespürt. Die Angeklagten entkamen zunächst. Die Beute: rund 400 Euro und eine Uhr.

Das Haus ist bis heute unbewohnbar. Der Vorsitzende Richter bezeichnete die Tat als Martyrium für den 84-Jährigen: „Das ist eine Tat von einer Brutalität, die wir noch nicht gesehen haben.“

Bewährung ist ausgeschlossen – Revision ist aber noch möglich

Laut Zeugen hatte eine Spaziergängerin die Ermittler auf die Angeklagten gebracht: Die Frau habe ein verdächtiges Auto im Wohnviertel gesehen. Die Spur habe zum mutmaßlichen Drahtzieher geführt, einem Mitarbeiter des städtischen Tiefbauamts. Er soll bei der Arbeit den Tatort ausspioniert haben. Er ist der Mann der 45-jährigen Angeklagten und muss sich in einem eigenen Verfahren in Hagen verantworten – wegen mutmaßlicher Überfälle auf Geldtransporter.

STRAFE

RAUB Die Tat, die das Gericht feststellte, bricht mehrere Strafgesetze. Je nach Schuld war Strafe zwischen 5 und 15 Jahren Gefängnis möglich.

BEWÄHRUNG Gefängnisstrafe kann bis zur Höhe von zwei Jahren zur Bewährung ausgesetzt werden.

Die Staatsanwaltschaft hatte zunächst offenlassen müssen, wer von den Angeklagten im Haus war und wer von außen unterstützte. Das klärte das Gericht im Prozess durch Aussagen der Angeklagten. Als Erster hatte der 40-Jährige gesprochen. Der Richter kommentierte: „Er hat sich oft auf Gedächtnislücken berufen. Und teils dachten wir, er würde seinen Beitrag runterspielen. Aber was er gesagt hat, stimmte. Alle drei Angeklagten, die Angaben gemacht haben, sagten die Wahrheit.“

Demnach sollte das Feuer mögliche DNA-Spuren vernichten. Die 45-jährige Frau bestätigte, dass sich die Gruppe mehrfach an einer Spielhalle getroffen und dort Pläne besprochen hatte. Der 41-Jährige benannte den Namen eines weiteren, mutmaßlichen Täters. Nach diesen Angaben nahm die Polizei vergangenen Freitag einen Mann fest. In seinem Haus sollen Waffen gefunden worden sein. Die mögliche Tatbeteiligung dieses Mannes untersuchen nun Ermittler.

Gestern erschienen mehr als 20 Besucher im Saal. Das Gericht verstärkte vorsorglich die Sicherheitsvorkehrungen. Für einen Teil der Verhandlung schlossen die Richter die Öffentlichkeit aus, um die neuen Ermittlungen zu schützen.

Der 35-jährige Angeklagte schwieg. Ihm verdeutlichte der Richter: „Die vier Jahre, die Ihr Mitangeklagter besser weggekommen ist als Sie, hat er sich durch seine Angaben verdient. An Ihrer Mittäterschaft gibt es keinen Zweifel.“ Das belegten WhatsApp-Nachrichten. Alle vier Angeklagten sind nicht vorbestraft. Bewährung ist ausgeschlossen. Alle können jedoch Revision einlegen. Die Frau ist vorerst in Freiheit.

Der Geschädigte verfolgte die Begründung neben seinem Anwalt. Das Urteil kommentierte er nicht.

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