Besucher dürfen in Tomás Saracenos Stahlnetz unter der Kuppel klettern

Blick von oben: Auf dem Netz 35 Meter über dem Foyer können Besucher zu den riesiegen PVC-Kugeln gelangen.
+
Blick von oben: Auf dem Netz 35 Meter über dem Foyer können Besucher zu den riesiegen PVC-Kugeln gelangen.

Düsseldorf. "Wir wünschen Ihnen einen spannenden Aufenthalt im K21", begrüße Museumschefin Marion Ackermann die Besucher, die das dreistöckige Netzgebilde von Tomás Saraceno (39) unter der Kuppel des Ständehauses besteigen wollen. Auf dem Fußweg nach oben geht allerdings einigen die Puste aus. Schließlich kristallisieren sich die Mutigen heraus, die fest entschlossen waren, das Kunstwerk in luftigen Höhen (bis zu 35 Meter hoch) zu erklimmen.

Ein Kuriosum gleich am Anfang: Die Unerschrockensten, die sich wie im siebenten Himmel fühlen wollen, sind Frauen. Sie unterschreiben als Erste den Zettel mit einer Hand voll Sicherheitsmaßnahmen.

Grundsätzlich gilt für "In Orbit": Niemand darf jünger als zwölf Jahre sein. Jugendliche müssen eine schriftliche Erlaubnis der Eltern mit sich führen. Und: An der Aktion darf nur teilnehmen, wer in einen weißen Astronautenanzug schlüpft, Spezialschuhe überstülpt und Fotoapparate oder Mobiltelefone in einer Tasche verschwinden lässt. Brillenträger erhalten ein Brillenband.

Die Mutigen müssen unter anderem an David Wilke vom Sicherheitsdienst vorbei, der für seinen ungewöhnlichen Job auf anderthalb Jahre engagiert worden ist und die Leute kontrolliert. Am oberen Ende der Treppe assistiert Bärbel Grupe. Sie feuert an: "Die ersten Meter sind schwierig, weil die Netze vibrieren. Schauen Sie nicht auf die Füße! Einfach konzentrieren und weiter gehen! Nehmen Sie die Seile als Haltegurte!"

Selten sind Museumsbesucher so mutig, aufgeregt und atemlos gewesen wie diesmal. Ist die Luft noch so warm und stickig - sie überwinden ihre Angst und machen mit. "Am Anfang habe ich gedacht, ich halte es nicht aus. Aber dann fängt man an zu schweben. Ich habe ein Wolkenbad genommen", erklärt Jutta Meinhard-Kreuzer.

Und Sibylle Mensing, die aus Münster angereist ist, meint: "Ich habe voll auf die Netze und deren Schwingungen vertraut. Wer sich fit fühlt und schwindelfrei ist, sollte es unbedingt wagen."

Am Rande des Geschehens sitzt Bauingenieur Michael Wagner aus Frankfurt, dessen Firma an der Herstellung der spinnenartigen Rauminstallation beteiligt war. Er beruhigt die Aufgeregten, deren Adrenalinspiegel in die Höhe schnellt: "Die Kuppel ist so robust gebaut, dass nichts passieren kann. Wir haben fünf Pylonen eingebaut und im Boden verankert. Die Netze laufen über drei Ballons und sind in den Fußpunkten der Gitterschalen befestigt."

Dietrich Koska, Kanzler der Kunstakademie, macht Mut: "Direkt unter dem Dach meint man, man stehe auf der Spitze von Düsseldorf. Man hat ein neues Gefühl der Schwerelosigkeit."

Dem kaufmännischen Direktor Hagen W. Lippe-Weißenfeld fällt ein Stein vom Herzen: "Drei Jahre sind von einer Idee, die Tomás Saraceno aufs Papier gezeichnet hat, bis zur Einweihung vergangen. Die Realisierung war ein Kraftakt. Wir mussten 15 Ämter und Institutionen einschalten, haben mit 50 Personen diskutiert und fünf Statikbüros eingeschaltet. Die Feuerwehr musste Höhenrettungsproben mit einer Drahtsteigerliege machen. Es ist ein Wahnsinn, dass wir alles hinbekommen haben."

Den Zuschlag zum Bau des Fantasiegebildes hatte eine Firma aus dem Münsterland erhalten, die Erfahrungen mit Affengehegen in Zoos hat. Sie wusste als Einzige, wie man den Draht so anbringt, dass er den klimatischen Wechselwirkungen standhält.

 

 

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Schwerer Verkehrsunfall bei Wendemanöver
Schwerer Verkehrsunfall bei Wendemanöver
Schwerer Verkehrsunfall bei Wendemanöver
Unfall: Motorradfahrer im Krankenhaus gestorben
Unfall: Motorradfahrer im Krankenhaus gestorben
Unfall: Motorradfahrer im Krankenhaus gestorben
An der Bergischen Uni ist Platz für jedes Alter
An der Bergischen Uni ist Platz für jedes Alter
An der Bergischen Uni ist Platz für jedes Alter
Gehwegparken sorgt in Cronenberg für Ärger
Gehwegparken sorgt in Cronenberg für Ärger
Gehwegparken sorgt in Cronenberg für Ärger

Kommentare