Bestecke aus der Natur ersetzen Plastik

Sonntag eröffnen Dr. Sixt Wetzler (von links), Pott-Award-Initiator Hanspeter Pott und Dr. Isabell Immel die Ausstellung „Alternative Werkstoffe für die mobile Tischkultur“ im Klingenmuseum. Dann wird auch der Pott-Award an die Pott-Wettbewerbsgewinner verliehen. Foto: Michael Schütz
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Sonntag eröffnen Dr. Sixt Wetzler (von links), Pott-Award-Initiator Hanspeter Pott und Dr. Isabell Immel die Ausstellung „Alternative Werkstoffe für die mobile Tischkultur“ im Klingenmuseum. Dann wird auch der Pott-Award an die Pott-Wettbewerbsgewinner verliehen.

In Solingen wird am Sonntag der Pott-Award an junge Designer verliehen

Von Philipp Müller

Solingen Eine Erbsensuppe aus einem Teller aus Palmblättern und mit einem Löffel aus dem gleichen Material essen, das können sich Felix Hensseler und Juri Zenin, aber auch der junge Designer Pléta für die Zukunft vorstellen. Die wird ohne Plastik gestaltet. Einwegbestecke verschwinden durch europäische Gesetze zunehmend vom Markt und damit aus der Wirklichkeit der kleinen Kindergeburtstage und großen Straßenfeste. Das Duo und Pléta gehören zu den Preisträgern des Pott-Awards, der am kommenden Sonntag um 12 Uh im Klingenmuseum in Gräfrath verliehen wird.

Welchen Preis sie bekommen ist noch nicht bekannt. Das gilt auch für den Vorschlag, Plastik-Besteck durch solches aus natürlich gewachster Birke zu ersetzen, um die berühmte Currywurst zu schneiden. Das hat Philipp Hainke kreiert. Christoph Weisshaar hat der Jury einen Entwurf aus Buche, gebundenen Papierfasern und gebundenen Eierschalen vorgelegt. Ein Bestecksatz und ein Teller sind so entstanden. Dass der Materialvielfalt als Kunststoffersatz kaum Grenzen gesetzt sind, belegt noch Weisshaars Entwurf eines Bestecks aus der Kombination von Bambus und gebundenem Kaffeesatz.

Wie sich da die Preise auf die jungen Designer verteilen, gibt die Jury erst beim Festakt am Sonntag bekannt. Der Preis ist mit 5000, 3000 und 2000 Euro dotiert. Er geht auf die Initiative von Hanspeter Pott zurück. Er ist der Enkel von C. Hugo Pott, der früheren Solinger Manufaktur mit Weltruf, die vor allem für ihr Design bekannt war und heute noch ist. Pott lobt den Preis in der Tradition aus, dass Tischkultur auch etwas mit Sinnlichkeit zu tun hat, die durch das Design geprägt wird. Der Stifter übernimmt auch die gesamten Kosten von zusammen 30 000 Euro des Wettbewerbs und der Ausstellung, die ebenfalls am Sonntag gestartet wird.

„Wettbewerb und Ausstellung sind als Impulsgeber gedacht.“

Dr. Sixt Wetzler, Museumsleiter

In der Schau sind dann nicht nur die Preisträger vertreten. 26 Designer von 48, die sich um den Pott-Award bewarben, stellen ihre Alternativ-Ideen zum althergebrachten, weißen Plastikbesteck aus.

„Wettbewerb und Ausstellung sind als Impulsgeber gedacht“, sagt Museumsleiter Dr. Sixt Wetzler. Es gehe darum, die Augen und Gehirne für eine künftig nachhaltigere Welt zu öffnen. Dazu soll auch das Begleitprogramm weitere Anregungen geben (|Kasten).

Daher habe in der Sitzung der Fachjury die Wirtschaftlichkeit der Entwürfe etwa für den Einsatz bei Volksfesten keine Rolle gespielt, berichten Hanspeter Pott und Dr. Barbara Grotkamp-Schepers. Pott und die frühere Leiterin des Klingenmuseums gehörten der Jury an.

Sie sagt, mit den beiden Experten Dr. Sascha Peters von der Zukunftsagentur Haute Innovation aus Berlin und dem Designer Jochen Zäh von der Hochschule Düsseldorf habe sich das Thema in Bezug auf das Material auf den Schwerpunkt Nachhaltigkeit konzentriert.

Dr. Isabell Immel, Wetzlers Stellvertreterin, gehörte auch dem Auswahlgremium an. Sie berichtet, dass es um die Frage der Zirkularwirtschaft geht. Das heißt: Kann der Ersatz für das Kunststoffprodukt mehrfach genutzt werden und anschließend recycelt werden. Das sei nicht in allen Facetten bis zu Ende gedacht, betont Sixt Wetzler. Das sei auch nicht Aufgabe des Pott-Awards, jedoch Denkanstöße werde die Auflage aus dem Jahr 2021 sicher geben. Deshalb hat sich das Klingenmuseum auch Partner wie die Verbraucherzentrale und den Stab für Nachhaltigkeit aus dem Rathaus an die Seite geholt, um das Thema dauerhaft zu vertiefen.

Rahmenprogramm

Mit Workshops und Veranstaltungen wird der Pott-Award begleitet:

Upcycling: In der Galerie Pestprojekt im Südpark geht es am 20. und 21. November jeweils ab 14 Uhr um die Wiederverwendung von Besteck. Co-Veranstalter: Solinger Institut für Do It Yourself-Kultur.

Feste und Gastronomie: „Wie geht nachhaltiges Feiern ohne Plastik?“, untersuchen Veranstalter und Gastronomen am 24. Januar 2022 ab 17 Uhr im Klingenmuseum. Anmeldung ist erwünscht:

klingenmuseum@solingen.de

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