Brückensteig

Die neue Saison in Müngsten hat begonnen

Seit rund einem Jahr ist der Brückensteig geöffnet. Es kamen schon mehr als 5000 Besucher. Jetzt startet die zweite Saison. Archivfoto: Michael Schütz
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Seit rund einem Jahr ist der Brückensteig geöffnet. Es kamen schon mehr als 5000 Besucher. Jetzt startet die zweite Saison.

Auf dem Brückensteig können mutige Besucher über 777 Stufen die höchste Zugbrücke Deutschlands erklettern.

Von Jonas Meister

Bergisches Land. Eines ist vom ersten Moment an klar: Im Schatten eines 5000 Tonnen schweren Stahlgerüsts kann man sich nur klein fühlen. Entsprechend groß ist der Respekt, als Trainer Marc Brindl in Sichtweite der Wupper einer Gruppe von mehr oder weniger beschlagenen Kletterern Schritt für Schritt erklärt, wie sie denn richtig in ihre Ausrüstung schlüpfen. Hier noch den Hüftgurt des Klettergeschirrs nachziehen, den Karabiner überprüfen und den Helm richten. „Schaut, dass er gut sitzt. Wenn er zu sehr wackelt, ruhig noch einmal nachjustieren, aber bitte nicht so eng, dass ihr Kopfschmerzen bekommt“, sagt der studierte Sportlehrer.

Alleine bis Ende des vergangenen Jahres hatten wir 5000 Besucher.

Gottfried Engendahl, Projektleiter Brückensteig

Bereits die ersten Schritte zeigen, dass der Weg hin zum beeindruckenden Wupper-Panorama zunächst ein steiniger ist. Um zum Fundament der Müngstener Brücke zu kommen, gilt es zunächst Wurzeln und Schiefergestein zu überwinden. Unterbrochen wird die Konzentration nach wenigen Minuten. Etwa auf halbem Wege hält Brindl die zehnköpfige Gruppe an: „Jetzt, wo ihr näher dran seid an der Brücke, woran erinnert sie euch?“ Die Antwort lässt nicht lange auf sich warten: „An den Eiffelturm.“

Eine Tatsache, die nicht von ungefähr kommt. Nachdem das Wahrzeichen der französischen Hauptstadt im Jahr 1889 eröffnet wurde, staunte die ganze Welt. Die Eröffnung in Paris verfolgte auch Anton von Rieppel ganz genau. Als Ingenieur der Maschinenbau AG Nürnberg - heute MAN - war er nämlich fest entschlossen, ähnliches zu vollbringen. Doch statt eines Turms konstruierte er eine Bücke, die Eiffels Lebenswerk Konkurrenz machen sollte. „Mit einer Höhe von 324 Metern ist der Eiffelturm zwar dreimal so hoch wie die Müngstener Brücke mit 107 Metern“, erklärt der Trainer. „Wenn man sie aber senkrecht neben das Bauwerk in Paris stellen würde, dann überragt die Brücke mit einer Länge von 465 Metern deutlich.“

Angekommen am Fuß des Fundamentes stellt sich eine Mischung aus Vorfreude und Nervosität ein. 777 schmale Stufen bis zum Ziel, dem Scheitelpunkt unter den Gleisen, auf denen immer wieder die S-Bahnen hin und her rattern. Nach den ersten Metern Überwindung greift die linke Hand das sichernde Stahlgeländer schon nicht mehr ganz so fest. Nach und nach wird der Aufstieg immer flacher. Ein eindeutiges Zeichen, dass man sich auf dem Brückensteig der Halbzeit nähert – in 100 Metern Höhe. Hier schweift der Blick von der Wupper über das Haus Müngsten die noch blätterlosen Waldhänge hinauf bis zu den Häusern von Sudberg. Schließlich steht am höchsten Punkt der Tour eine freiwillige, aber spektakuläre Aufgabe an.

Um das Erlebnis auf der Müngstener Brücke einzigartig zu machen, hat man sich auf Seiten des Veranstalters, der Deepwood GmbH, nämlich an vorhandenen Konzepten orientiert und diese für das Bauwerk im Bergischen angepasst: „Wir waren zum Beispiel in Sydney und haben dort den Bridge Climb auf der weltberühmten Harbour Bridge mitgemacht. Dies ist eine der beliebtesten Attraktionen in ganz Australien, die in über 20 Jahren des Betriebs mehr als vier Millionen Besucher angelockt hat“, berichtet Gottfried Engendahl.

Laut Projektleiter des Brückensteigs hätte man sich unter diesen Eindrücken entschieden, „bei uns über der Wupper für ein wenig mehr Adrenalin zu sorgen“. In Form eines Schwebebalkens. Der ist kaum einen Fuß breit und führt über den Abgrund mit Blick auf das Flussbett der Wupper. Über dicke Stahlträger, die seit fast 125 Jahren von knapp einer Million Nieten zusammengehalten werden, geht es auf die Holzkonstruktion. Zugegeben: Mit dem Blutdruck am Anschlag fällt das Lächeln für die Kameras auf der Aussichtsplattform nicht leicht. Erst als der zweite Brückenbogen erreicht ist, weicht die Anspannung.

Gottfried Engendahl freut sich, dass das Interesse am Brückensteig auch in der zweiten Saison, die am ersten Märzwochenende begann, ungebrochen ist: „Als wir im August 2021 eröffnet haben, wollten wir eigentlich samstags und sonntags jeweils vier Touren anbieten. Heute sind wir bei bis zu zwölf. Alleine bis Ende des vergangenen Jahres hatten wir in der ersten Saison 5000 Besucher.“ Für die Zukunft plant Deepwood auch Sondertouren, etwa bei Nacht oder auch im Schnee. Jetzt wurde in der Winterpause zunächst ein Konzept für Klassenausflüge zum Brückensteig entwickelt.

Brückensteig

Geöffnet ist der Brückensteig jeweils am Samstag und am Sonntag von 10 bis 18 Uhr. Auf Anfrage werden auch unter der Woche Touren auf der Müngstener Brücke durchgeführt. Pro Tag können maximal 176 Besucher dort klettern. Der Preis für eine Tour liegt bei 79 Euro pro Person, ermäßigt bei 69 Euro. Weitere Informationen unter:

www.brueckensteig.de

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