Pfandsystem

Bergischer Becher soll Plastikflut eindämmen

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In knalligem Orange fallen die Mehr-Wert-Becher auf. Auch im Zoo-Restaurant nutzen Mitarbeiterin Milena Märker und ihre Kollegen sie schon. 

BERGISCHES LAND Städte und Bäckerei-Innung starten neues Pfandsystem für Kaffeebecher. 150 Filialen im Bergischen machen schon mit.

Von Michael Bosse

Egal wie das Projekt um den Bergischen „Meer-Wert-Becher“ auch ausgeht – eine Besonderheit kann der Pfandbecher aus Polypropylen für sich schon jetzt verbuchen: Aufgrund seiner knallig-orangen Farbe fällt er auf jeden Fall auf. Der Mehrwegbecher mit der Signalfarbe steht im Mittelpunkt eines neuen Pfandsystems, das seit etwa vier Wochen von Bäckereien im Bergischen Städtedreieck erprobt wird. Gestern wurde das Projekt im Grünen Zoo in Wuppertal vorgestellt.

Es gehe darum, ein Zeichen gegen die wachsende Flut von Plastikmüll zu setzen und dem enormen Ressourcenverbrauch bei der Herstellung der Coffee-to-go-Becher einen Riegel vorzuschieben, sagte Dirk Polick. Er ist Mit-Initiator des Projektes und Obermeister der Bäcker-Innung Wuppertal. Seine Bäckerei-Filialen hielten derzeit 2000 „Meer-Wert-Becher“ vor, ein Großteil davon sei aktuell im Einsatz.

In 150 Filialen von zehn Bäckereibetrieben im Städtedreieck würden die Pfandbecher für einen Preis von einem Euro ausgegeben. Die Becher können nach dem Trinken in den Filialen der beteiligten Bäckereiunternehmen wieder abgegeben werden. Der Kunde erhält dann den Euro zurück – oder er lässt sich ein weiteres Heißgetränk in den Becher füllen. Etwa 8000 Becher sind derzeit im Rahmen des Projekts „Meer-Weg-Becher“ im Umlauf oder können ausgegeben werden. Filialen, die sich an dem Projekt beteiligen, sind mit einem besonderen Logo gekennzeichnet.

Derzeit bemühe man sich, weitere Bäckereien von dem Projekt zu überzeugen. Zudem sollen Schüler in Kooperation mit dem Bildungsdienstleister Kurs 21 bei Kiosken, Trinkhallen oder Tankstellen werben.

Hygiene-Mythos: Bäckereien dürfen Becher auch wiederbefüllen

Damit sich das System rechnet und ökologische Wirkung erzielt, müssen die Mehrwegbecher mindestens zwei Monate lang genutzt werden. Die Becher sind spülmaschinenfest und können bis zu 400 Mal gespült werden. Das erfolgt in den Bäckereien, die die Becher wieder zurücknehmen. Polick räumte mit dem Irrglauben auf, dass einmal benutzte Becher aus Hygienegründen in den Bäckereien nicht wieder befüllt werden könnten. Das sei „kein Problem“, solange die Mitarbeiter hygienische Auflagen beachteten. Die Herstellung der Becher erfolgt in Süddeutschland.

MATERIAL UND RESSOURCEN

RECYCLING Die „Meer-Wert-Becher“ bestehen zwar aus dem Kunststoff Polypropylen, sind aber recycelfähig. Nach Angaben von Julia Ogiermann, Verbraucherzentrale Solingen, sondern sie zudem – anders als etwa Bambusbecher – keine schädlichen Substanzen ab, wenn sie mit einer heißen Flüssigkeit in Kontakt kommen.

RESSOURCENVERBRAUCH Die Ökobilanz der Coffee-to-go-Mentalität ist erschreckend. In Deutschland werden pro Jahr 2,8 Milliarden Einwegbecher verkauft. Für die Herstellung werden 1,5 Milliarden Liter Wasser verbraucht, etwa 43 000 Bäume abgeholzt und 11 000 Tonnen Kunststoff verbraucht.

In die Wege geleitet wurde das Projekt durch Aktivitäten von Greenpeace und dem Umweltausschuss der Stadt Wuppertal. Daraus bildete sich eine Arbeitsgruppe, an der sich auch Vertreter der Städte Solingen und Remscheid sowie der kommunalen Entsorgungsbetriebe und Experten der Verbraucherzentralen und Umweltverbänden beteiligten. Auch die Stadtspitzen aus Wuppertal, Remscheid und Solingen begrüßten das Projekt. Es sei wichtig, in der Öffentlichkeit mehr Bewusstsein „für Ressourcenschutz und eine saubere Umwelt“ zu schaffen, sagte Wuppertals OB Andreas Mucke. Sein Remscheider Amtskollege Burkhard Mast-Weisz kaufte gleich fünf Pfandbecher, um sie künftig bei seinem „Bürgerdialog“ einzusetzen.

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