Verkehr

A-3-Bauarbeiten: Stadt Hilden fordert Umdenken

Blick auf die Dauerbaustelle A 3 zwischen Hildener Kreuz und Raststätte Ohligser Heide. Der Ausbau ist ab 2030 geplant. Archivfoto: Christian Beier
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Blick auf die Dauerbaustelle A 3 zwischen Hildener Kreuz und Raststätte Ohligser Heide. Der Ausbau ist ab 2030 geplant.

Hilden. Die Autobahn GmbH plant weiterhin den Ausbau der A 3. Die Stadt bekräftigt ihr „Nein“ und fordert weiter die Nutzung der Standspur.

Von Christoph Schmidt

Im Bundesverkehrswegeplan 2030 ist der Ausbau der A 3 zwischen Opladen und Hilden auf acht Fahrspuren als „Maßnahme des vordringlichen Bedarfs“ enthalten. Aktuell ist das Projekt in der Phase der Vorplanung. Es geht darum, eine Vorzugsvariante für die Phase der Entwurfsplanung zu bestimmen.

Drei Mal, jüngst am 12. Januar 2022, wurde auch die Stadt Hilden öffentlich am Verfahren beteiligt. In einer Stellungnahme zur Umweltverträglichkeitsprüfung lehnt sie den geplanten Ausbau ab – wie auch die anderen, unmittelbar betroffenen Städte Solingen, Langenfeld und Leichlingen. Sie alle sehen die Notwendigkeit des Ausbaus nicht ausreichend belegt und haben darum gebeten, Alternativen zu prüfen.

Eine Alternative wäre die dauerhafte Nutzung des Standstreifens. Das kommt für die Autobahn GmbH jedoch nicht infrage – aus Sicherheitsgründen, heißt es. Der Standstreifen werde für die Anfahrt von Rettungskräften bei Unfällen gebraucht. Die Autobahn GmbH würde die Standstreifen-Nutzung nur als Übergangslösung für den Vollausbau auf acht Streifen akzeptieren, berichtet die Verwaltung.

Mehrheit: Wer Ausbau abwenden wolle, müsse Alternative haben

Wenn die Autobahn GmbH die Nutzung des Standstreifens ablehnt, sollte auch die Stadt Hilden diesen Kompromissvorschlag in ihrer Stellungnahme streichen, beantragten die Grünen. Heinz Albers: „Die Ablehnung der Kompromisslösung kann nur zum konsequenten Verzicht auf jeglichen Ausbau der A 3 führen. Nach Auffassung der grünen Ratsfraktion ist dies im Hinblick auf die dringend erforderliche Verkehrswende die einzig sinnvolle und auch realistische Option.“

Das sah die Mehrheit im Stadtentwicklungsausschuss anders. Wer den achtstreifigen Ausbau abwenden wolle, müsse eine Alternative haben.

Diese Gründe führt die Stadt in ihrer Stellungnahme an

Durch den Ausbau würden die Fahrbahnen der A 3 noch näher an die Wohnbebauung heranrücken, als das heute schon der Fall ist. Naherholungsgebiete wie der Stadtwald werden zunehmend lärmverschmutzt, ganz zu schweigen von den baulichen Eingriffen. Denkbare Grün-Ausgleichsmaßnahmen außerhalb des Hildener Stadtgebietes können Naherholungsgebiete nicht ersetzen. Alleine in dem Abschnitt der A 3 im Hildener Stadtgebiet befinden sich mindestens neun Brücken. Diese müssten bei einer Verbreiterung der Autobahntrasse entsprechend angepasst oder neugebaut werden. Das führe zu Eingriffen und Beeinträchtigungen an den dann betroffenen Straßen und Quartieren.

Die heute vorhandene Fuß-/Rad-Brücke über die A 3 in Höhe Flausenberg müsste ebenfalls erneuert, verlängert oder komplett neu gebaut werden. Die unter Denkmalschutz stehende Autobahnbrücke im Bereich der Elberfelder Straße (B 228) muss im Zweifelsfall ganz oder teilweise entfernt werden. Damit würde ein wertvolles zeitgeschichtliches Technik-Denkmal zerstört.

Die Autobahn GmbH spricht sich für die Variante 6.1 aus. Dieser „asymmetrische Ausbau“ auf der Westseite der A 3 im zentralen Abschnitt auf Hildener Stadtgebiet beeinflusse die Trasse des Ostringes (L 403) und ebenso zahlreiche Wohnbereiche, die sich bereits heute relativ nah in Autobahnnähe befinden. Hier würde die Autobahn noch näher an die Wohnungen heranrücken. Auf der anderen Seite der Autobahn gibt es ein wertvolles Naturschutzgebiet.

Die Autobahn GmbH spiele die schützenswerten Belange von „Natur“ (auf der Ostseite) gegen „Menschen“ (auf der Westseite) gegeneinander aus. Das sei „kein verantwortungsbewusstes planerisches Herangehen“, kritisiert die Stadt in ihrer Stellungnahme. Die Planung werde erst ab 2030 umgesetzt. Sie müsse sich deshalb an der unbestreitbar notwendigen Mobilitätswende (Beitrag des Verkehrssektors zum Klimaschutz) orientieren. Es fehle eine aktuelle Verkehrsprognose. Das veränderte Mobilitätsverhalten (Stichwort Homeoffice) sei nicht berücksichtigt worden. Vor diesem Hintergrund sei es folgererichtig, auch den Nichtausbau bei der Planung zu untersuchen. Eine ständige Mitnutzung der Seitenstreifen wäre aus Sicht der Stadt ein Kompromiss. Dazu gehörten auch digitale Verkehrslenkungsinstrumente und einem qualitativ hochwertigen Lärmschutz entlang der Autobahntrasse. Das sei eine Lösung, die man den betroffenen Menschen in Hilden vielleicht noch vermitteln könne.

Die Stadt weist in ihrer Stellungnahme darauf hin, dass Hilden nicht nur vom geplanten A3-Ausbau betroffen sei. Parallel soll auch die Tank-und-Rast-Anlage „Ohligser Heide“ sowie das Kreuz Hilden ausgebaut werden. Die Stadt Hilden fordert, dass diese Projekte nicht isoliert, sondern gemeinsam betrachtet werden, weil sie sich gegenseitig beeinflussen können. Zum Teil seien unterschiedliche Planungsträger und Ingenieurbüros verantwortlich.

Kosten

Die Vorplanungen laufen bereits seit 2013. Die Ausbaustrecke beträgt 15 Kilometer. Die aktuell geplanten Kosten belaufen sich auf 286 Millionen Euro. Das wären rund 19 Millionen Euro pro Kilometer Autobahn. Pauschalpreise gibt es nicht. Die Kosten pro Kilometer Autobahn können zwischen 6 und 20 Millionen Euro liegen und sogar bis zu 100 Millionen Euro erreichen, so das Bundesverkehrsministerium. Abhängig ist das vom Gelände oder den nötigen Brücken. Die Verlängerung der A 100 in Berlin ist mit mehr als 470 Millionen Euro für 3,2 Kilometer das bisher teuerste Stück.

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