"Autobahn-Fans" kamen zum Studium der A1

Wermelskirchen/Remscheid. Briefmarken sammeln, Joggen oder ins Kino gehen - alles weitverbreitete Hobbies, bei denen niemand erstaunt aufschauen würde. Doch Enrico Heide ist andere Reaktionen gewohnt. Erzählt er von seiner Leidenschaft, erntet er meistens verständnislose Blicke. Dennoch bekennt er ganz offen: "Autobahnen sind mein Hobby!"

"Anfangs glaubte jeder von uns, er sei der einzige, der sich für die Geschichte der Autobahnen und ihrer Brücken interessiert," erzählt Heide. Doch weit gefehlt. Auch wenn sich die 13 Gründungsmitglieder der Arbeitsgemeinschaft Autobahngeschichte (kurz AGAB) e.V. eher zufällig auf Deutschlands Autobahnen trafen, vergrößerte sich der Verein innerhalb von zwei Jahren auf einen festen Kern von 33 Mitgliedern - eine Bilanz, auf die Wolfgang Jäger, erster Vorsitzender, stolz ist: "Auch wenn wir ein junger Verein sind -wir können einen Zuwachs von zehn Mitgliedern pro Jahr verbuchen. Das ist wirklich gut!" Die AGAB gründete sich 1999 im fränkischen Bad Brückenau. Zu den Zielen zählen Führungen an denkmalgeschützten und sonstigen interessanten Autobahnen bzw. -bestandteilen, Veröffentlichung von Forschungsergebnissen und vielleicht, wenn im Moment auch noch etwas utopisch, Einrichtung und Unterhaltung eines Museums.

Das zweite Treffen dieses Jahres fand Samstag in Remscheid statt - besichtigt wurde der Streckenabschnitt der A 1 Köln-Dortmund zwischen den Anschlussstellen Wermelskirchen und Remscheid. Für die Fans, die extra aus ganz Deutschland anreisten, ist der Abschnitt von Interesse, weil er sich noch weitgehend im ursprünglichen Zustand befindet. Genau vor 65 Jahren - im November 1936 - begann der Bau der A 1 zwischen Wermelskirchen und Remscheid. Zuständig für die Bauausführung war damals die Oberste Bauleitung der Reichsautobahn in Köln. "Viele stellen uns in die "braune Ecke" - das liegt an der Terminologie, wie zum Beispiel: Reichsautobahn," klagt Heide. Dabei sei es ein Fehler, den Autobahnbau immer automatisch mit Hitler in Verbindung zu bringen. Die Pläne entstanden bereits in den 20er Jahren - die Nazis griffen diese lediglich auf und benutzten sie für propagandistische Zwecke. 1934 war im Ruhrgebiet, neben den beiden Autobahnen Oberhausen-Dortmund (heutige A 2) und Oberhausen-Köln (heutige A 3), eine Verbindungsstrecke zwischen Köln und Dortmund (heutige A 1) notwendig.

Diese Strecke, die damals als "Ruhrtangente" bezeichnet wurde, führte durch topographisch erheblich bewegtes Gebiet. Es galt, viele waldreiche Trassen zu roden und Boden abzutragen. Dies hatte zur Folge, dass mit dem Bau der Betonfahrbahndecke erst drei Jahre später, im Jahre 1939, begonnen werden konnte. Hinzu kam, dass aufgrund der schwierigen Lage, sieben Talbrücken zwischen Leverkusen und Ronsdorf nötig waren. Sie wurden stets als Gewölbebrücken ausgebildet. Auch wenn die Autobahn im Bergischen Land damals kaum Verkehrswert hatte, wurden vier Talbrücken der A 1 im Laufe des Krieges zerstört. Die höchste Autobahnbrücke im Bergischen, die Höllenbachtalbrücke, sowie die Talbrücke Einsiedelstein blieben unbeschädigt und standen daher natürlich auf dem Besichtigungsprogramm. Für weitere Informationen, den Verein oder die Geschichte der Autobahn betreffend, stehen Interessenten die beiden Internetseiten "www.autobahngeschichte.de" und "www.autobahn-online.de" oder das AGAB-Kontaktbüro, Eichendorffstraße 4, 97209 Veitshöchheim zur Verfügung.

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