Vorbild für andere Kommunen

Ausgewogene Ernährung in Kitas

Der „Hildener Weg“, bei dem Vitamine eine große Rolle spielen, hat bereits überregional für Aufmerksamheit gesorgt. Foto: pixabay
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Der „Hildener Weg“, bei dem Vitamine eine große Rolle spielen, hat bereits überregional für Aufmerksamheit gesorgt.

Hilden. Das Hildener Modell mit seiner abwechslungsreichen Verpflegung dient für andere Kommunen als Vorbild.

Von Tobias Dupke

Ludwig und Johannes schmeckt es: Die beiden Grundschüler essen gerne das Mittagessen in der OGS – Kartoffelgratin, Lasagne und den Salat mögen sie am liebsten. Aktuell sind sie jedoch nur selten in der Nachmittagsbetreuung: Das liegt nicht am Essen, sondern natürlich an den Corona-Einschränkungen. Nicht nur Ludwig und Johannes sind von dem Angebot begeistert, auch der Großteil der rund 2000 Hildener Schüler und Kitakinder in städtischen Einrichtungen und deren Eltern sind zufrieden.

Die Qualität der Verpflegung in den städtischen Kitas und Schulen in Hilden war allerdings nicht immer unumstritten. In einer Umfrage 2014 erhielt das Essen von 65 Prozent der Kinder und 54 Prozent der Eltern die Note drei oder schlechter. Mehr als 30 Prozent fanden es höchstens ausreichend. „Dass es bei der Verpflegung Handlungsbedarf gibt, haben damals auch die Einzelinterviews mit den Schulleitungen bestätigt. Neben den organisatorischen Rahmenbedingungen wurde vor allem die mittelmäßige Qualität der Mahlzeiten kritisiert“, erklärt Stefanie Walder. Sie entwickelte mit ihren Kollegen aus dem Amt für Jugend, Schule und Sport daraufhin unter größtmöglicher Beteiligung von Ernährungsexperten, Lehrern, Eltern und Schülern den „Hildener Weg“.

Diesem Modell liegen mehrere Anforderungen zugrunde. So soll die Mahlzeit beispielsweise eine gesunde Vitaminquelle sein, keine Pestizide oder Antibiotika beinhalten, sie soll sich am saisonalen Angebot orientieren (keine Erdbeeren im Winter), sie muss schmackhaft und ausgewogen sein, die Mahlzeit muss fair sowie umweltschonend hergestellt worden sein, und das Fleisch soll aus artgerechter Haltung stammen. Es soll möglichst Frischware verwendet werden, der Bio-Anteil soll bei mindestens 50 Prozent liegen, künstliche Aromen, Geschmacksverstärker, Gelatine und gentechnisch veränderte Lebensmittel sind verboten, und der Verpackungsmüll muss sich in Grenzen halten. Ein Gericht darf dabei höchstens 3,50 Euro kosten. Die Caterer müssen zudem Zertifizierungen vorweisen und eine Menülinie nach den Richtlinien der Deutschen Gesellschaft für Ernährung anbieten.

Durch „Cook & Chill“ werden die Gerichte haltbar

Die Speisen werden im „Cook & Chill“-Verfahren hergestellt. Ein ziemlich umfangreicher und sehr präziser Anforderungskatalog, auf den sich 2016 gleich mehrere Unternehmen beworben hatten. Nach der Auswertung der Zuschlagskriterien, in die auch Probeessen von Lehrern, Schülern und Eltern einbezogen wurden, erhielt der Anbieter Rebional aus Herdecke den Zuschlag, der nach erneuter Ausschreibung in 2018 auch heute noch für die Verpflegung der Hildener Kinder und Jugendlichen sorgt.

Rebional sei ein verlässlicher Ansprechpartner mit viel Bereitschaft für kontinuierliche Qualitätsentwicklung, hieß es in der Verwaltung. Die Speisen werden im „Cook & Chill“-Verfahren hergestellt: Der Caterer bereitet sie zu und kühlt sie dann innerhalb kurzer Zeit auf vier Grad herunter. Dadurch können die Gerichte mehrere Tage gelagert werden, ohne an Qualität zu verlieren. In den Schulen und Kitas werden die Speisen dann kurz vor dem Servieren wieder aufgewärmt.

Neben der Hauptmenülinie nach den Standards der deutschen Gesellschaft für Ernährung gibt es jeden Tag mehrere Ausweichangebote, aus denen die städtischen Kitas, Grundschulen und die Sekundarschule wählen können. So wird gewährleistet, dass die geschmacklichen Wünsche der Kinder nicht zu kurz kommen. Am Donnerstag konnten die Einrichtungen beispielsweise zwischen Kartoffelgratin mit Gemüsesalat oder gebratenem Hühnerbrustfilet mit Tomatensauce, Kartoffeln und Brokkoli wählen. In den kommenden Tagen stehen unter anderem Nudeln mit vegetarischer Bolognese und Blattsalat, Rindergeschnezeltes, gefüllte Paprika, Geflügelbratwurst mit Kartoffelstampf und Wirsing, Fisch und ein Buchweizenbratling mit Curry-Kokossauce auf dem Speiseplan. Zum Nachtisch darf es auch mal eine Quarkspeise mit Pfirsichkompott oder ein Schokoladenpudding sein – die Schokolade stammt dabei aus fairem Handel.

Der „Hildener Weg“ kommt bei Fachleuten und Eltern gut an

Die Resonanz auf das Angebot und auf die Qualität aus der Lehrer-, Schüler- und Elternschaft sei überwiegend positiv, erklärt Stefanie Walder. Gibt es doch einmal Kritik, reicht die Stadt sie an den Caterer weiter, der dann darauf reagiert. Der „Hildener Weg“ hat nicht nur die Qualität der Schul- und Kita-Verpflegung in den städtischen Einrichtungen verbessert, sondern auch überregional für viel Aufmerksamkeit gesorgt. Die Fachpresse hat dieses Modell vorgestellt, Stefanie Walder und Schuldezernent Sönke Eichner durften das Konzept bereits vor Fachpublikum vorstellen.

Das Nationale Qualitätszentrum für Ernährung und die Kompetenzstelle für nachhaltige Beschaffung vom Bundesinnenministerium hatten den „Hildener Weg“ auf der bundesweiten Fachtagung „Schulessen besser machen – nachhaltig und professionell“ als „Best Practice“-Beispiel vorgestellt. Besonders positiv wurde die Planungsphase mit Elternbefragung und Bestandsanalyse sowie die Beteiligung von Spezialisten, Lehrern, Erziehern, Schülern und Eltern angesehen.

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